Neue Anlage soll PFC-Altlast beseitigen

Wie auf dem Bremer Flughafengelände Grundwasser gereinigt wird

Nachdem kürzlich die Grundwasserreinigungsanlage auf dem Feuerlöschübungsplatz des Flughafengeländes in Betrieb gegangen ist, rückt nun eine zweite PFC-belastete Fläche in den Blick.
26.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie auf dem Bremer Flughafengelände Grundwasser gereinigt wird
Von Justus Randt
Wie auf dem Bremer Flughafengelände Grundwasser gereinigt wird

Am ehemaligen Feuerlöschübungsplatz des Flughafens als einer der Quellen der PFC-Belastung ist die Grundwasserreinigungsanlage in Containern aufgebaut.

Fotos: Fabian Wilking

Fünf Jahre hat es gedauert, bis sie in Betrieb gehen konnte. Und mindestens fünf Jahre wird die Grundwasserreinigungsanlage auf dem Bremer Flughafengelände arbeiten. Solange läuft der Vertrag mit der emsländischen Wasserbaufirma, die den Auftrag bekommen hat, giftige Einträge zu stoppen und nach Möglichkeit zu beseitigen. Die Anlage besteht aus fünf blauen Containern, die seit wenigen Wochen unweit der Huchtinger Ochtum auf dem Löschübungsplatz des Flughafens gestapelt sind und mit diversen Filtersystemen ausgestattet sind.

Bis 2003 hatte die Flughafenfeuerwehr Löschschäume verwendet, die per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) enthielten. Rückstände davon gelangen noch heute über die Flächenentwässerung ins Grundwasser und ins Grabensystem der Ochtum. Der lange geplante Einsatz der Anlage ist ein Anfang: „Wir wissen, dass es eine Verbesserung bringt. Wie groß sie sein wird, wissen wir nicht“, sagt Johannes Budde, der im Umweltressort unter anderem für Gewässerschutz zuständig ist. Gemeinsam mit seinem Kollegen Harald Bethke, als Geologe Fachmann für Bodenschutz und Altlasten, ist Budde beim Ortstermin am Rande des Flugfeldes dabei, als Sascha Schulte die Grundwasserreinigungsanlage erläutert.

Verbrennen bei 700 Grad

Schulte ist Projektleiter seiner Firma. „Wir sind in ganz Deutschland vertreten“, sagt er. „Ich plane die Anlagen, auch in Frankfurt am Main haben wir so eine stehen.“ Bremens Flughafenfeuerwehr war längst nicht die einzige, die PFC-haltige Schäume verwendet hat. Was nun in den Aktivkohlegranulatfiltern hängenbleibt, wird verbrannt. Das sei die sachgerechte Entsorgung, sagt Johannes Budde. „Man kriegt das nur durch Verbrennen weg.“ Und dazu seien mindestens 700 Grad nötig, schätzt Harald Bethke, reinigen ließen sich die Filter in diesem Fall nicht. Schließlich mussten die Löschschäume ihrer Bestimmung gemäß enormen Temperaturen standhalten, wenn Kerosin oder Benzin brannte.

Wasseraufbereitungsanlage

Wasser aus neun Brunnen wird in die Filter der Anlage gepumpt.

Foto: Fabian Wilking

Die Entsorgung der hoch mobilen und kaum abbaubaren Substanzen ringt dem Geologen Respekt ab: „Es ist so kompliziert, dass man es fast nicht erklären kann“, sagt Harald Bethke. „Es handelt sich um eine Riesenstoffgruppe, und wir lernen ständig dazu.“ Johannes Budde ergänzt: „Es gibt keine Grenzwerte. Gerade was die gesundheitliche Bewertung angeht, ist vieles ungewiss.“

Ähnlich wie beim ebenfalls längst verbotenen Einsatz von Asbestfasern „hat sich die Bewertung der Eigenschaften komplett geändert“.

Jetzt geht es um den Versuch, das Gift aus der Welt und zuerst einmal aus dem Grundwasser zu schaffen. In Sascha Schultes Anlage läuft zusammen, was über separate unterirdische Rohrleitungen mit eigenen Wasseruhren herbeigepumpt wird, und zwar aus neun Brunnen, die sich unter signalrot bemalten Betonzylindern befinden. Deren jeweilige Position ist Ergebnis ausführlicher Erkundungen: „Wo und wie tief liegt der Schadstoff, wie muss ich den Bereich horizontal eingrenzen, welches ist die Fließrichtung?“, zählt Harald Bethke Fragen auf, die es bei langwierigen Vorarbeiten zu beantworten galt, bis er schließlich im Herbst 2019 anordnete, dass der Flughafen das Gelände zu sanieren hat.

Testphase bis Oktober

In den Containern kommen jetzt, während des Probebetriebes, stündlich 1500 Liter an. Die Testphase dauert bis Oktober: „Die Anlagenkomponenten sind zwar immer ähnlich, aber wir müssen gucken, ob die Messtechnik und die Regelungstechnik funktionieren“, sagt Sascha Schulte. Abgesehen davon, spiele die Bodenbeschaffenheit eine Rolle. Im Normalbetrieb seien dann bis zu 16 Kubikmeter Wasserentnahme und Reinigung pro Stunde möglich. Das Wasser durchläuft ein Vorlagebecken und wird belüftet, damit das in ihm enthaltene Eisen oxidiert und ausfällt. Nächste Stationen seien ein Sandschlammfang, ein Kiesfilter und schließlich drei großflächige Aktivkohlefilter, in deren Poren das PFC festgehalten werde, erklärt Schulte. Anschließend werde das Wasser durch einen Einleitschacht in Richtung Grollander Ochtum abgelassen.

Seit dem Frühjahr 2019 empfiehlt die Gesundheitssenatorin im Einklang mit den niedersächsischen Behörden, keine Fische aus der Ochtum mehr zu verzehren. Kinder sollen vorsorglich kein Obst und Gemüse aus Grollander Haus- und Kleingärten essen.

Wasseraufbereitungsanlage

Grundwasseraufbereitungsanlage auf dem Flughafen Gelände Bremen. Direkt neben dem ehemaligen Feuerwehr Übungsplatz.

Foto: Fabian Wilking

Die erste Anlage soll helfen, Erfahrungen zu sammeln, um dann alsbald die Sanierungsarbeiten auf einer zweiten betroffenen Fläche und ihrem Untergrund auszuschreiben: Im Bereich des Vorfeldes gab es früher sicherheitshalber täglich sogenannte Schaumproben und Düsentests, deren Altlasten jetzt zu beseitigen sind. Carsten Bolte, Projektleiter bei der städtischen Flughafen Bremen GmbH, geht davon aus, dass die Vorbereitungen zur Auftragsvergabe in den kommenden sechs bis zwölf Monaten abgeschlossen sein können.

Anlage wird viel Jahre arbeiten

Aktuell verspricht sich Bolte große Fortschritte bei Arbeiten, die jetzt parallel anlaufen: Der Reinigungsanlage soll jetzt auch Wasser aus belasteten Drainagesträngen zugeleitet werden, die in die Grollander Ochtum führen. Die Flughafen GmbH hat insgesamt vier Millionen Euro für die Sanierung zurückgestellt. „Wirksam ist es, die Hotspots zu behandeln“, sagt Harald Bethke. Er schätzt, dass circa zehn Prozent der 250 Hektar Flughafenfläche belastet sind. „Viele meinen, wir könnten einfach am vorhandenen Einlasspumpwerk filtern. Aber das funktioniert nicht, weil die Mengen des ablaufenden Wassers zu stark schwanken und schnell zu groß werden.“ Die Anlage werde viele Jahre laufen.

„Eine Hintergrundbelastung gibt es leider grundsätzlich überall. Ziel ist es, dass durch den Flughafen nichts mehr obendrauf kommt“, sagt Budde. Zu Übungszwecken bekämpft die Flughafenfeuerwehr längst nur noch durch Gas erzeugte Brände – mit Wasser.

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