Diskussion um Gelände in Bremen-Nord Pflegeheim-Projekt droht zu platzen

Bremen-Nord. In Bezug auf das verwaiste Eckgrundstück Zollstraße/Aumunder Feldstraße hat sich eine Mehrheit von SPD und Grünen überraschend gegen ein Altenpflegeheim ausgesprochen - ebensowenig wie ein konkurrierendes Projekt.
27.09.2012, 05:00
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Pflegeheim-Projekt droht zu platzen
Von Jürgen Theiner

Bremen-Nord. Auf dem verwaisten Eckgrundstück Zollstraße/Aumunder Feldstraße wird das Unkraut womöglich noch länger sprießen. Im Bauausschuss des Vegesacker Beirates hat sich eine Mehrheit von SPD und Grünen überraschend gegen ein Altenpflegeheim ausgesprochen, das eine Investorengemeinschaft errichten will.

Auch ein konkurrierendes Altenpflegeprojekt soll auf dem Gelände nicht zum Zuge kommen. Stattdessen wollen Sozialdemokraten und Grüne das Grundstück für sozialen Wohnungsbau reservieren. Dort dafür gibt es bisher keine Interessenten.

Vegesack. Kurioser Streit um ein 4000 Quadratmeter großes Baugrundstück in Aumund: Vor zehn Jahren wurde dort die frühere SAV-Vereinsgaststätte abgerissen, seither liegt das Gelände brach. Die Volksbank Wümme-Wieste bemühte sich bisher vergeblich, einen Käufer für die Immobilie zu finden. Das änderte sich vor kurzem: Eine Investorengemeinschaft um den Altenpflegeexperten Horst Koltrowitz bekundete ihr Interesse, für rund 7 Millionen Euro ein Seniorenheim mit 77 Zimmern und Demenzabteilung an der Zollstraße zu bauen und zu betreiben (wir berichteten).

Parallel bemühte sich auch ein privater Bremer Altenheimbetreiber um das Areal. Beide Interessenten richteten eine sogenannte Bauvoranfrage an das Bauamt Bremen-Nord und stellten ihre Pläne am 9. September im Bauausschuss des Vegesacker Beirates vor.

Nach der Präsentation der konkurrierenden Entwürfe im geheim tagenden Ausschuss war Horst Koltrowitz guter Dinge. Grundsätzliche Bedenken seien nicht geäußert worden, erinnert sich der Unternehmer aus Langen bei Bremerhaven. Umso geschockter war Koltrowitz, als er vorgestern von einer Kehrtwende des Gremiums erfuhr. Am Montagabend war der Bauausschuss erneut zusammengekommen, um ein endgültiges Votum zur Zukunft des Geländes abzugeben.

Und diesmal machte die Mehrheit aus SPD und Grünen Vorbehalte geltend. Es sei sinnvoller, auf dem Areal sozialen Wohnungsbau zu realisieren, so die Position der Sozialdemokraten, die deren Ausschussmitglied Volker Beringer gestern auf Nachfrage gegenüber dieser Zeitung bestätigte. "Wir haben schon zuviel Altenwohnungen. Was wir hier im Stadtteil brauchen, sind junge Familien", so Beringer.

Baurecht lässt Heim zu

Das Votum des Bauausschusses hat lediglich den Charakter einer Empfehlung an das Bauamt Bremen-Nord, dem die beiden Bauvoranfragen vorliegen. Behördenleiter Maximilian Donaubauer will nun prüfen, ob das geltende Baurecht für den Eckbereich Zollstraße/Aumunder Feldstraße so geändert werden kann, dass der Bau eines Pflegeheims ausgeschlossen wäre. Denn eins ist klar: Der geltende rechtliche Rahmen stünde einem Altenheim nicht entgegen. Laut Donaubauer wird nun die Baudeputation in ihrer Sitzung am 8. November ein klärendes Wort zur Zukunft des Grundstücks sprechen.

Horst Koltrowitz versteht die Welt nicht mehr. "Wir haben schon einen Haufen Geld in die Planung gesteckt", sagt der Projektbetreiber, "und wir hatten uns vorher vergewissert, dass der Bebauungsplan ein Altenheim absolut zulässt." Das Geld für den Bau sei da, ein tragfähiges Betreibermodell ebenfalls, und die Volksbank sei bereit, das Grundstück für das Projekt zur Verfügung zu stellen. "Warum will man uns da nicht haben?", fragt sich Koltrowitz.

Bei der Volksbank Wümme-Wieste in Sottrum ist man über den Gang der Dinge ebenfalls einigermaßen irritiert. Vorstand Matthias Dittrich bestätigt, "dass die Gruppe um Herrn Koltrowitz von uns favorisiert wird". Die Verantwortlichen in Bremen-Nord müssten zur Kenntnis nehmen, dass es für die gewünschte Alternative, nämlich (sozialen) Wohnungsbau, seit Jahren keine Interessenten gebe. Die Volksbank sei nicht geneigt zuzuschauen, wie ihr Grundstück Jahr für Jahr an Wert verliert und die Kommune nun auch noch einen Bewerber abweise, dessen Vorstellungen mit dem gültigen Planungsrecht absolut im Einklang stünden. "Wir müssen dann die rechtlichen Konsequenzen prüfen", kündigt Dittrich an.

Wenig Verständnis für das Votum des Bauausschusses hat auch FDP-Beiratsmitglied Rainer W. Buchholz. Neben der Beseitigung der Brache spräche aus seiner Sicht auch die Schaffung von rund 30 dauerhaften qualifizierten Arbeitsplätzen in der Altenpflege für die Realisierung des Projektes. "Früher wäre solch ein Argument für Sozialdemokraten maßgebend gewesen", sagt Buchholz.

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