Corona Lockerungen in Pflegeheimen lassen auf sich warten

In der stationären Pflege gelten weiterhin strenge Corona-Regeln. Dabei ist in diesem Bereich inzwischen die Mehrzahl der Menschen geimpft. Die Forderung nach Öffnungen mehren sich.
18.03.2021, 20:27
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Lockerungen in Pflegeheimen lassen auf sich warten
Von Timo Thalmann

Während erste Lockerungen der Corona-Maßnahmen für den Einzelhandel, an Schulen und bei privaten Kontakten derzeit realisiert werden, gelten für die stationären Pflegeeinrichtungen weiterhin alle Einschränkungen, so wie sie die Verordnung vom 11. Februar festgelegt hat. Das bedeutet: Besucher müssen sich registrieren, nach Möglichkeit sollen zuvor Schnelltests gemacht werden und medizinische Maske sowie Mindestabstand sind ohnehin obligatorisch.

Im Alltag sehen die konkreten Hygienekonzepte teilweise noch weitere Einschränkungen vor: Besuche werden etwa durchgehend von Pflegekräften begleitet und weil das Personal bindet, gibt es nur zugeteilte Besuchstermine. Aber auch innerhalb der Einrichtungen gelten weiterhin Einschränkungen: Veranstaltungen bleiben ausgesetzt und in manchen Häusern ist die Bewegungsfreiheit der Bewohner und Besucher auf den jeweiligen Flur, das jeweilige Stockwerk begrenzt. So soll im Infektionsfall eine schnelle Ausbreitung des Virus unterbunden werden.

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„Viele Einrichtungen legen die Regeln oft restriktiv aus, weil sie fürchten, mit einer zu lockeren Ausgestaltung das Leben ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zu gefährden“, sagt Bernd Schneider, Sprecher des Sozialressorts. Das sei zwar nachvollziehbar, dürfe aber nicht dazu führen, dass den Menschen Rechte verwehrt würden.

Dazu kommt: In den stationären Pflegeeinrichtungen sind die Impfungen der Bewohner mit sehr hohen Quoten nahezu abgeschlossen. Auch das Pflegepersonal ist inzwischen überwiegend geimpft. „Dass die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen darum nicht in ihren Alltag zurückkehren können, ist nicht nachzuvollziehen. Das Miteinander in den Einrichtungen muss endlich wieder ermöglicht und auch die Besuchsregelungen müssen schrittweise gelockert werden“, fordert darum Sigrid Grönert, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion.

Eine Forderung, die im zuständigen Sozialressort prinzipiell geteilt wird. „Auch wir sind der Auffassung, dass angesichts der vielen geimpften Menschen in den Einrichtungen die sozialen Kontakte erleichtert werden sollten“, sagt Schneider. Zugleich verweist er aber auch auf die Risiken, die mit einer Öffnung verbunden seien, und die sich durch die schnelle Verbreitung der britischen Variante B117 verschärften. „Darum sind wir über die Frage von Lockerungen im andauernden Austausch mit dem Gesundheitsressort.“ Letztlich müsse darüber der Senat befinden. „Dabei werden sicherlich die Verabredungen in der Konferenz der Ministerpräsidenten am 22. März eine Rolle spielen“, lautet die Einschätzung des Sprechers. Mindestens bis dahin bleibt es bei den bestehenden Einschränkungen.

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Für Timm Klöpper von der Geschäftsführung der Convivo-Gruppe bedeutet das aktuell eine unübersichtliche Situation. Das private Bremer Pflegeunternehmen betreibt 54 Häuser in elf Bundesländern mit deutlichem Schwerpunkt in Bremen und Niedersachsen. „Wir haben momentan wieder einen sehr ausgeprägten Flickenteppich bei der Frage, was wo erlaubt ist“, sagt er. Nordrhein-Westfalen beispielsweise habe seit 13. März die Beschränkungen weitgehend aufgehoben. Für geimpfte Bewohner sind die Abstandsregeln gestrichen und es dürfen bis zu fünf Besucher aus zwei Hausständen gleichzeitig kommen. Allerdings müssen die Gäste weiterhin registriert werden und es gilt prinzipiell Maskenpflicht. „Und so müssen wir in elf Ländern die Änderungen im Detail im Auge behalten“, sagt Klöpper.

Aus seiner Sicht wäre schon viel gewonnen, wenn zumindest überall wieder interne Veranstaltungen in den Einrichtungen zugelassen wären. „Das würde die Lebensqualität der Bewohner erheblich verbessern.“ Schon die Eröffnung zahlreicher Frisörsalons Anfang März, die teilweise direkt in den Einrichtungen arbeiteten, habe die Stimmung deutlich angehoben. Dass es bei Besuchsregelungen hingegen abhängig vom lokalen Infektionsgeschehen weiterhin Unterschiede gebe, findet das Verständnis des Pflegeheimbetreibers.

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