Gastkommentar über die Pflege

Pflegende Angehörige brauchen einfache und logische Strukturen

Die Ressorts der Gesundheits- und Pflegepolitik hätten gebündelt werden müssen. Aktuell sieht es leider so aus, das Gesundheit und Soziales in getrennten Zuständigkeiten bleiben, bedauert Reinhard Leopold.
25.07.2019, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Reinhard Leopold
Pflegende Angehörige brauchen einfache und logische Strukturen
Privat

Pflegebedürftige Menschen, deren Angehörige aber auch Pflegekräfte leiden unter den derzeitigen Bedingungen. Die Hoffnung war groß, als sich eine rot-grün-rote Koalition für Bremen abzeichnete. Doch die Erwartungen werden sich wohl nicht erfüllen. Mit größter Spannung wurde der Koalitionsvertrag von der SPD, Bündnis 90/DIE GRÜNEN und Linkspartei erwartet. Die Enttäuschung allerdings konnte nicht größer ausfallen: Auf den insgesamt 143 Seiten finden sich zur „Ambulanten Pflege“ lediglich fünf Sätze. Dabei taucht viermal das Wort „soll“ oder „sollen“ auf. Eine deutlichere Aussage wie „setzten wir um“ wäre aufgrund der dramatischen Situation in der Pflege notwendig und als Aufbruchsignal positiv stimulierend gewesen. Noch weniger motivierend fällt die Aussage zur „Stationären Pflege“ aus: ganze drei Sätze – mit dreimal „wollen wir“ aber nicht „machen wir“. Was für eine Enttäuschung.

Als die CDU noch im Koalitions-Poker dabei war, erschien ihr „100 Tage Programm“, indem sie sich deutlich pro Pflege präsentierte: „Wir werden die Zuständigkeit für Kranken- und Altenpflege in einem Ressort für „Gesundheit und Pflege“ zusammenführen und einen Pflegebeauftragten einsetzen.“ Die Bündelung der Ressorts forderten ebenfalls die Arbeitnehmerkammer, die Gewerkschaften DGB und Verdi, der Berufsverband DBfK-Nordwest sowie die LandesArbeitsGemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände. Die Anbieter forderten in ihrem Appell an die verhandelnden Parteien, ihr besonderes Augenmerk auf die Pflege von hilfsbedürftigen Menschen zu richten. „Wir brauchen auch im Land Bremen eine konzertierte Aktion Pflege.“ Der BIVA-Pflegeschutzbund, Lobby der pflegebetroffenen Menschen, forderte, die Ressorts der Gesundheits- und Pflegepolitik zu bündeln und die Verbraucherrechte zu stärken. Besonders pflegende Angehörige brauchen einfache, übersichtliche und logische Strukturen, wenn es um Zuständigkeiten und Unterstützung geht. Aktuell ist es leider so, das Gesundheit und Soziales in getrennten Zuständigkeiten bleiben.

Stefan Block von „Pflege-steht-auf“ und Geschäftsführer eines ambulanten Pflegedienstes konkretisiert die Enttäuschung: „Bürokratismus und Geldverschwendung in dubiosen Kanälen saugen kostbare Ressourcen aus der eigentlichen Pflege ab. Wir liegen tatsächlich inzwischen 'am Boden'. Gerade Bremen hat nun auch die neue Pflegeausbildung quasi unmöglich gemacht. Die Budgetverhandlungen sind an der Behörde gescheitert, da die Bremer in ganz Deutschland das mit Abstand niedrigste Praxisanleiter-Budget bezahlen will.“

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Zur Person

Unser Gastautor

ist Gründer der Bremer Angehörigen-Initiative „Heim-Mitwirkung“ und Regionalbeauftragter des Pflegeschutzbundes BIVA.

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