Arbeitslosenzentrum: Im Pflegefall Hilfe holen Pflegestützpunkte helfen routiniert

Tenever. "Pflegefall, was nun?" Diese Frage stellt sich für viele Menschen ganz plötzlich. Stephanie Michler-Ahrens und Thomas Riebe vom Arbeitslosenzentrum Tenever (ALZ) boten im ALZ, Wormser Straße 9, Beratung an. Bei dieser letzten Veranstaltung einer kleinen Reihe zu sozialen Fragen informierten sie über Bestimmungen und Paragrafen. Dabei stand nicht die Pflege, sondern die Veränderung der Lebenssituation und deren finanzielle Absicherung im Vordergrund.
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Von Edwin Platt

Tenever. "Pflegefall, was nun?" Diese Frage stellt sich für viele Menschen ganz plötzlich. Stephanie Michler-Ahrens und Thomas Riebe vom Arbeitslosenzentrum Tenever (ALZ) boten im ALZ, Wormser Straße 9, Beratung an. Bei dieser letzten Veranstaltung einer kleinen Reihe zu sozialen Fragen informierten sie über Bestimmungen und Paragrafen. Dabei stand nicht die Pflege, sondern die Veränderung der Lebenssituation und deren finanzielle Absicherung im Vordergrund.

In die Pflegeversicherung zahlen alle gesetzlich Versicherten ein, Selbstständige ohne Pflegeversicherung sind seit 2007 laut Sozialgesetzbuch pflichtversichert und erhalten Leistungen bei Bedürftigkeit. Um als pflegebedürftig zu gelten, muss eine der vier Pflegestufen erreicht werden. Die Pflegestufen sind nach dem Pflegebedarf gestaffelt: Stufe eins umfasst beispielsweise 46 Minuten täglicher Pflegebedarf, Stufe zwei 120 Minuten, Stufe drei 240 Minuten. Vier tritt nur in Härtefällen ein, wie bei Krebspatienten im Endstadium.

Wenn jemand keine der Pflegestufen erreicht, aber dennoch auf Unterstützung angewiesen ist, sind Hilfen durch das Sozialamt möglich, erklärte Stephanie Michler-Ahrens.

Neuer Bedarf, neue Prüfung

Die Einstufung in eine der Pflegestufen muss bei der Krankenkasse beantragt werden und erfolgt durch die Begutachtung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen nach einem Punktesystem. Wie weit können Betroffene die Körperpflege selbst vornehmen, sich ernähren oder wie mobil sind sie? Das alles wird bewertet. Einschränkungen in der häuslichen Versorgung können ergänzend wirken. Ändert sich der Bedarf, muss erneut geprüft werden. Ziel sei es, die häusliche Pflege durch Angehörige, wie durch Pflegekräfte zu stärken.

Pflegegeld kann jeder Pflegende ohne Nachweis von Kosten erhalten. In der Pflegestufe eins sind es zurzeit 275 Euro monatlich. Im Verhinderungsfall, wie einem Urlaub, gibt es die Möglichkeit der Ersatzpflege, die mit bis zu 1550 Euro für maximal vier Wochen im Jahr gewährt wird. Pflegegeld ist keine Leistung, die bei Arbeitslosengeld zwei, ALG-II-Empfängern, als Einkommen anrechenbar ist, erklärte Stephanie Michler-Ahrens. Erhöhungen der Beträge seien beschlossen.

Beauftrage man einen Pflegedienst, sei insbesondere auf Kündigungsrecht und -fristen und auf den Ausfall der Pflegekasse zu achten. In den ersten zwei Wochen könne der Pflegedienst generell gekündigt werden. Pflegedienste rechnen in der Regel direkt mit der Pflegekasse ab. Dabei gelten andere Sätze wie bei der privaten Pflege. Pflegedienste bieten häusliche Tagespflege, ambulante Tagespflege, häusliche Nachtversorgung und ambulante Nachtversorgung an.

Das Gesetz sehe vor, dass bei einem Krankenhausaufenthalt, der anschließend dauerhafte Pflege erfordere, wie bei Schlaganfallpatienten, innerhalb von 14 Tagen über die Pflegeleistung entschieden werden solle. Ansonsten soll die Entscheidung innerhalb von fünf Wochen erfolgen.

Ist eine Heimunterbringung erforderlich, aber noch kein Heimplatz gefunden oder frei, gibt es die Möglichkeit der Kurzzeitpflege. Sie ist auf vier Wochen begrenzt. Bei Heimunterbringungen sei in jedem Fall zu beachten, dass die Pflegekasse keine Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Instandhaltungskosten des Heims übernehme. Diese Kosten sind immer ein Eigenanteil.

Bei Vollzeitpflege zahlt die Kasse in den Stufen eins 1023 Euro, zwei 1279 Euro beziehungsweise 1510 Euro als Höchstbeiträge. Reicht die gewährte Pflegestufe zur Deckung der Pflege nicht aus, kann das Heim eine Höherstufung beantragen, was häufig eine höhere Eigenbeteiligung für die Betroffenen nach sich zieht. Außer den regelmäßigen Leistungen können auch Hilfen zur Umgestaltung des Wohnumfeldes, beispielsweise fürs Badezimmer, beantragt werden. Einmalige Zuschüsse bis zu 2500 Euro seien möglich.

Freigrenzen für Angehörige

Tritt die Sozialhilfe für Pflegebedürftige ein, wird bei Angehörigen geprüft, inwieweit sie zur finanziellen Unterstützung herangezogen werden können. In der Regel gelten dort Freigrenzen im Nettoeinkommen von 1400 Euro pro Person, selbst bewohntes Wohneigentum wird nicht herangezogen. Bei einem Ehepaar mit 3000 Euro monatlichem Einkommen, das im eigenen Haus lebt, wird lediglich ein prozentualer Anteil der 200 Euro, die über die Freibeträge hinausgehen, herangezogen.

Auskünfte über die Leistungen zur Pflege erteilen in Bremen - auch kurzfristig - die Pflegestützpunkte. Jeder Stützpunkt verfügt über drei ständige Mitarbeiter. Träger sind das Land Bremen, das Amt für soziale Dienste und der Zusammenschluss der Pflegekassen. Die Berater können die nötigen Formulare ausfüllen und bei den zuständigen Stellen einreichen. Auch bei der Suche nach Pflegediensten und Heimunterbringungen oder Kurzzeitpflege sind die Berater behilflich und routiniert.

Die Bremer Pflegestützpunkte befinden sich im Einkaufszentrum Berliner Freiheit, Berliner Freiheit 3, Telefon 6962420, und in Bremen-Nord, Einkaufszentrum Haven Höövt, Zum alten Speicher 1-2, Telefon 6962410. Geöffnet haben sie montags bis freitags, 10 bis 13.30 Uhr und 14 bis 17 Uhr. www.bremen-pflegestuetzpunkt.de. Das Arbeitslosenzentrum Tenever, Wormser Straße 9, ist unter Telefon 40 20 68 oder per E-Mail an info@alz-tenever.de zu erreichen.

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