Kommentar zum Pflichtjahr für Jugendliche

Zum Vorschlag eines Sozialen Jahres

Wegen des Fehlverhaltens einer kleinen Gruppe eine ganze Generation in den Zwangsdienst zu schicken, wäre ein Offenbarungseid des Rechtsstaates, meint Joerg Helge Wagner.
28.07.2020, 05:00
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Zum Vorschlag eines Sozialen Jahres
Von Joerg Helge Wagner
Zum Vorschlag eines Sozialen Jahres

Die Annahme man könne aus randalierenden Jugendlichen brave Bürger durch ein Jahr Zwangsdienst machen, muss nicht richtig sein.

Frank Rumpenhorst

Wenn ein grüner, ein roter und ein schwarzer Kommunalpolitiker gemeinsam einen Offenen Brief verfassen, muss dabei nicht automatisch ein progressives Manifest herauskommen. Es kann auch sehr rückwärtsgewandt sein: wie die Annahme, dass ein Jahr Zwangsdienst aus randalierenden Jugendlichen brave Bürger machen könnte. Wer etwa in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts solchen Dienst leisten musste oder auch nur das Vergnügen hatte, freitags und sonntags mit zig Wehrpflichtigen im selben Waggon zu reisen, weiß um den hohen Anteil von Sozialromantik und den geringen Realitätsbezug solcher Vorstellungen.

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Die drei schwäbischen Oberbürgermeister kommen vom Problem mit einer „kleinen Gruppe gewaltbereiter junger Männer“ (so ihr Brief) zur Forderung nach einem einjährigen allgemeinen Pflichtdienst für alle hier lebenden jungen Menschen. Das ist völlig absurd und wäre ein Offenbarungseid für den Rechtsstaat: statt Sippenhaft nun Generationenhaft. Rechtsstaat funktioniert, wenn Straftäter schnell und konsequent von Polizei und Justiz aus dem Verkehr gezogen werden. Das haben die Drei ja auch geschrieben. Es hätte gereicht.

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