Projekt „Rhapsody in School“ bringt Echo-Preisträger Alexander Krichel in die Oberschule Sebaldsbrück Pianist entstaubt klassische Musik

Mit nur 25 Jahren ist Alexander Krichel bereits Gewinner des Echo-Klassik-Preises, hat weltweit auf diversen Bühnen gespielt und gelernt, mit Lampenfieber umzugehen. Als Botschafter für die Initiative „Rhapsody in School“ besuchte er die Bläserklasse 8s der Oberschule Sebaldsbrück, um seine Liebe zur klassischen Musik mit den Schülerinnen und Schülern zu teilen.
25.05.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von VANESSA RANFT

Mit nur 25 Jahren ist Alexander Krichel bereits Gewinner des Echo-Klassik-Preises, hat weltweit auf diversen Bühnen gespielt und gelernt, mit Lampenfieber umzugehen. Als Botschafter für die Initiative „Rhapsody in School“ besuchte er die Bläserklasse 8s der Oberschule Sebaldsbrück, um seine Liebe zur klassischen Musik mit den Schülerinnen und Schülern zu teilen.

Die Augen von Alexander Krichel sind geschlossen, seine Finger fliegen über die Tasten. Die Töne scheinen zu tanzen, das Stück ist virtuos und rasant. Es heißt „El diablo suelto“, zu Deutsch: Der Teufel ist frei – und das ist deutlich hörbar: Der Höllenfürst rast, wird immer schneller und mit ihm die flinken Fingerbewegungen des Pianisten, der ihn zum Leben erweckt.

Der Walzer ist eines der bekanntesten Lieder Venezuelas. Alexander Krichel lernte es während seiner ersten Tournee durch eben diesen südamerikanischen Staat kennen und interpretiert es seitdem nicht nur auf vielen seiner Konzerte in den Vereinigten Staaten, Asien und Europa, sondern ebenso in Schulen. Es ist ihm eine Herzensangelegenheit, Kindern und Jugendlichen seine Leidenschaft für klassische Musik nahezubringen.

Musik als innere Botschaft

„Für viele ist klassische Musik unantastbar und wirkt verstaubt oder wie etwas, das eher etwas für Betuchtere ist“, weiß der gebürtige Hamburger, „dabei schlummert in jedem von uns ein potenzieller Konzertbesucher, weil Musik vor allem eine innere Botschaft rüberbringt – und das klappt bei Jung und Alt, bei Arm und Reich.“

Katharina Janssen teilt diese Ansicht und bringt deshalb seit eineinhalb Jahren Berufsmusiker wie Alexander Krichel im Rahmen des deutschlandweiten Projektes „Rhapsody in School“ an Bremer Schulen. Es soll Schülerinnen und Schüler dazu inspirieren, Musik zu machen. „Besonders gerne gehen wir an Schulen in Stadtteilen, wo die Kinder die klassische Musik nicht direkt von zu Hause mitbringen“, erklärt sie.

Aber auch Bläserklassen, wie die 8s der Oberschule Sebaldsbrück, in der jeder Jugendliche ab der fünften Klasse ein Instrument spielt, sind nicht von der Teilnahme ausgeschlossen. Die 13-jährige Jördes erfreut sich daran: „Ich spiele selber Trompete und bin sehr beeindruckt von dem Klavierspiel.“ Sie war noch nie auf einem Konzert, würde sich aber wohl für ein Pop-Konzert entscheiden, hätte sie die Wahl zwischen Pop und Klassik.

Konzertbesuch empfohlen

Pianist Alexander Krichel empfiehlt ihr und den anderen Achtklässlern, „der Klassik eine Chance zu geben und mal ein Konzert zu besuchen.“ Er erzählt, wie beispielsweise in Venezuela junge Menschen zu klassischer Musik stehen und dass dort das Durchschnittsalter des Publikums zwischen 25 und 30 Jahren liegt. Außerdem stellt er sich den Fragen der Mädchen und Jungen, berichtet ihnen davon, wie er es schafft, Freunden und Musik treu zu sein.

Lampenfieber hat er nicht mehr, seit er verstanden hat, „dass es ein großes Kompliment ist, dass mir die Zuschauer ihren kompletten Abend schenken.“ Seitdem fühlt er sich auch nirgendwo so wohl, wie auf der Bühne, weil er da so sein kann, wie er ist. Sein Musikstudium in London macht er allein aus diesem Grund und wegen seiner Liebe zum Klavier, nicht aber, weil er ursprünglich vorhatte, ein Star zu werden.

Zum Abschluss der Stunde setzt sich der 25-Jährige noch mal an den Flügel, um der Klasse eines seiner selbst komponierten Stücke zu präsentieren, das er seinem verstorbenen Musikprofessor kurz vor dessen Tod geschrieben und vorgespielt hat. Seine Augen sind auch dieses Mal geschlossen. Sanft schlägt er die Tasten an und lässt seine jungen Zuhörerinnen und Zuhörer durch seine berührende und ehrliche Spielweise an seinen Gefühlen teilhaben. Nicht einmal der Schulgong vermag es, Alexander Krichel in diesem Moment aus der Ruhe zu bringen.

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