Kolumne von Willi Lemke

Pilotenschule in Bremen boomt

Die Lufthansa bildet einen Großteil ihrer Piloten in Bremen aus. Doch noch vor einiger Zeit stand die Flugschule kurz vor ihrem Aus. Willi Lemke berichtet in seiner Kolumne über die Geschehnisse.
31.08.2018, 21:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Willi Lemke
Pilotenschule in Bremen boomt

Die meisten Piloten der Fluggesellschaft Lufthansa werden in Bremen ausgebildet.

Sven Hoppe /dpa

Fast alle Piloten der Lufthansa kennen die Stadt Bremen. Aber längst nicht alle Bremerinnen und Bremer wissen, dass die meisten Piloten der deutschen Luftfahrtgesellschaft in dieser Stadt ausgebildet wurden und werden. Und zwar schon lange. Die Flugschule der heutigen Lufthansa Aviation Training (LAT) Germany wurde 1956 gegründet und ist heute eine der traditionsreichsten Ausbildungsstätten im internationalen Verkehrsflugbetrieb. Aber es ist noch nicht lange her, da musste man um das Weiterbestehen dieser exzellenten Ausbildungsstätte bangen.

Hier in Bremen findet die theoretische Ausbildung der Pilotenanwärter der Lufthansa statt, ist also die erste Station nach Bestehen der Aufnahmeprüfung. Nur etwa sechs Prozent derer, die sich um die Aufnahme in die Ausbildung bewerben, bestehen die Prüfung. Aber dann geht es erst richtig los.

Die Ausbildung ist nichts für Faulenzer. Zwölf Monate muss in 14 Fächern hart gebüffelt werden, und noch längst nicht jeder, der glücklich die Aufnahme geschafft hat, kann die Ausbildung erfolgreich zu Ende bringen. Wenn der theoretische Teil geschafft ist, geht es für vier bis sechs Monate ab in die USA, wo die praktische Ausbildung, also das Fliegen beginnt. Später wird die praktische Ausbildung in Bremen fortgesetzt. Dazu gehört neben dem richtigen Fliegen auch das Lernen im Flugsimulator.

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Insgesamt 200 junge Leute wurden bis vor wenigen Jahren im Schnitt jährlich in Bremen ausgebildet. In diesem und im nächsten Jahr starten sogar jeweils 400. Die Lufthansa braucht dringend Pilotinnen und Piloten. Sie hat nämlich vor ein paar Jahren die Ausbildung sträflich vernachlässigt.

Die Gesellschaft wollte die gesamte Ausbildung neu organisieren sowie die Übernahmebedingungen der ausgebildeten Flugschüler verändern. Das alles, um Einsparungen zu erzielen. Vorübergehend hieß es sogar, die traditionsreiche Schule in Bremen solle aufgegeben werden. Gut zwei Jahre lang gab es hier keine Ausbildung. Erst im Februar vergangenen Jahres wurden wieder 23 Schüler aufgenommen.

Wegen des langwierigen Tarifstreits mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit herrschte seit Beginn 2014 ein faktischer Einstellungsstopp. Zu den bisherigen Bedingungen des Konzerntarifvertrags wollte das Unternehmen nicht mehr einstellen. Das bedeutete auch, dass viele Flugschüler, die gerade ihre Ausbildung absolviert hatten, quasi in der Luft hingen. Sie hatten die hohen Kosten der Ausbildung, die sie zum Teil selbst bezahlen mussten, am Hals und eine unklare Zukunftsperspektive vor sich.

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Das war kein schönes Kapitel in der Geschichte der Lufthansa, wie sie damals auf Kosten vieler junger Leute ihren Streit mit der Gewerkschaft ausgefochten hat. Wie zur Strafe leidet sie heute selbst darunter, weil ihr die Piloten fehlen. Allein 2018 sucht die Lufthansa Group 500 neue Flugschüler. Ob die angestrebten Ausbildungszahlen erreicht werden, bleibt abzuwarten.

Immerhin, für die Bremer Flugschule ist es am Ende positiv ausgegangen. Aber was ich merkwürdig fand – kaum jemand in Bremen hat es gemerkt. Zwar hat der WESER-KURIER im Februar vergangenen Jahres berichtet, dass die Ausbildung mit 23 neuen Schülern wieder begonnen hat. Aber dass die Ausbildung dort jetzt wieder ein fester Bestandteil im Lufthansa-Konzern ist, habe ich erst durch Nachfrage erfahren. Das freut mich natürlich sehr, denn das ist eine gute Nachricht für Bremen.

Gerade im Bildungsbereich gibt es davon zu wenig. Und beruhigend fand ich die Nachricht auch: Als jemand, der beruflich immer viel mit dem Flugzeug unterwegs war und ist, bin ich immer gerne in Bremen gelandet: Erstens weil ich dann wieder zu Hause war. Zweitens, weil ich wusste, die Landung hier kann nicht schief gehen, die Lufthansa-Piloten kennen sich gerade auf diesem Flughafen bestens aus.

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Zur Person

Willi Lemke (71) schreibt jeden Sonnabend im WESER-KURIER über seine Heimatstadt und was ihn in dieser Woche in Bremen bewegt hat.

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