Schülergruppe vom Waller Ring konstruierte „Ei-Bots“ im Hackerspace Pingpong mit Mona Lisa

Walle. Die „AG Jugend forscht“ der Oberschule am Waller Ring hat zehn Maschinen gebaut, die auf Befehl selbstständig Eier bemalen können. Die Sparkasse Bremen übernahm über ihr Programm „Bremen macht Helden“ die Materialkosten in Höhe von rund 1000 Euro.
20.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Die „AG Jugend forscht“ der Oberschule am Waller Ring hat zehn Maschinen gebaut, die auf Befehl selbstständig Eier bemalen können. Die Sparkasse Bremen übernahm über ihr Programm „Bremen macht Helden“ die Materialkosten in Höhe von rund 1000 Euro. Die Männer vom Hackerspace Bremen hatten die gute Idee und spendeten ihre Zeit, ihr Know How und ihre praktische Unterstützung. Das allgemeine Fazit: So lässt sich die Jugend wirklich für die Technik begeistern.

Nun könnte man einwenden: Ein „Ei-Bot“ – so der Name des Geräts – ist nun nicht das unverzichtbare Must-Have für jeden Haushalt. Aber wer so etwas einmal gebaut hat, hat begriffen, wie computergesteuerte Anlagen funktionieren, erklärt Daniel Wendt-Fröhlich, Gründungsmitglied des Bremer Hackerspace. Und die zehn Waller Jungforscher der Schuljahrgänge fünf bis sieben hatten es wirklich drauf, schwärmt Wendt-Fröhlich und lobt, mit wie viel Konzentration und Ehrgeiz sich die Schülerinnen und Schüler ihren Bauprojekten gewidmet hatten.

Der erste Workshop-Tag fand in der Oberschule statt. Am zweiten ging es in den Werkstätten an der Bornstraße an die kniffligen Feinarbeiten. Für die technikbegeisterten Waller hatten sich die Vereinsmitglieder sogar extra einen Tag Urlaub genommen. Bilanz der Workshop-Leiter: „Es hat super geklappt. Alles läuft!“ Und noch besser: „Es hat richtig viel Spaß gemacht!“, findet die elfjährige Larissa.

Ein Ei-Bot besteht – ganz einfach erklärt – aus einem Corpus aus dünnen MDF-Platten, einem Innenleben, das einen Filzstift hält und bewegt, und einem elektronischen Herz, das den Stift steuert. Verbunden wird das kleine Maschinchen mit einem Laptop. Wenn es gut läuft, können damit nicht nur Hühnereier, sondern auch Tischtennisbälle dekoriert werden. Leard und Falko waren zum Beispiel gemeinsam damit beschäftigt, ein Porträt von Fußballheld Ronaldo auf die kleine Kugel zu bannen. Und auch Larissa hatte sich für den Testlauf eine ambitionierte Vorlage ausgesucht: Ihr Ei-Bot zauberte die Mona Lisa auf den Pingpong-Ball.

Die kleinen Kabel in die Platinen zu stecken, das war der komplizierteste Teil, erzählt Steven„ zwölf Jahre. „Echte Fummelarbeit“, findet der Sechstklässler. „Aber sonst ist es eigentlich ganz einfach – wenn man jemanden dabei hat, der hilft.“

Tatsächlich kann eigentlich jeder, der Lust dazu hat, ein solch originelles Maschinchen bauen. Der Hackerspace Bremen hat einen ausführlichen Bauplan inklusive Materialliste und Schritt-für-Schritt-Anleitung auf seiner Internet-Seite veröffentlicht. Denn Tipps und Tricks großzügig zu teilen, gehört zu den Grundprinzipien des Vereins, den es in Bremen seit drei Jahren gibt. Seinerzeit hatte sich eine Handvoll technikbegeisterter Freunde zur Vereinsgründung entschlossen. Im Juni 2012 richtete sich der Verein in den ehemaligen Räumen einer Tischlerei an der Bornstraße ein und ist dort mittlerweile sogar bereits expandiert. Denn bis dato nutzen mehr als 50 Vereinsmitglieder die Gemeinschaftswerkstatt, um dort in ihrer Freizeit eigenen Projekten nachzugehen, erzählt Gründungsmitglied Andree Brodt.

Sie können dort kostenlos Gerätschaften nutzen, die man sich alleine nicht anschaffen würde, haben Platz, der zu Hause oft nicht zur Verfügung steht, und können außerdem vom Austausch mit anderen Hobbytechnikern profitieren. Bei Computerbörsen und Technikmessen zeigen die Hackerspace-Leute immer gerne ihre neuesten Hingucker vor. Bei einer solchen Gelegenheit war auch der Kontakt zu Lehrerin Anke Schnibbe und ihren jungen Forschern entstanden, erzählt Daniel Wendt-Fröhlich.

Über die Mitgliedsbeiträge wird nicht nur die Raummiete bezahlt, sondern auch neues Equipment angeschafft. Mittlerweile steht in der Werkstatt nicht nur jede Menge klassisches Handwerkszeug und Maschinen parat, sondern auch diverse – zum Teil auch selbst gebaute – 3D-Drucker. Die neueste Attraktion und der ganze Stolz der Vereinsmitglieder ist der „Laser-Cutter“. Doch beeindrucken lassen sich davon bislang fast ausschließlich Männer, bedauert Brodt: Weibliche Hände sind im Verein bis jetzt nur eine winzige Minderheit. Dass es in der Waller „Jugend forscht“-Gruppe genau so viele Mädchen wie Jungen gibt, freut auch Daniel Wendt-Fröhlich umso mehr. Und was mal wieder zu beweisen war: „Die Mädchen stehen den Jungs in überhaupt nichts nach!“

Der Bremer Hackerspace befindet sich in der Bahnhofsvorstadt an der Bornstraße 14/15. Mitglieder zahlen monatlich einen Beitrag von 20 Euro. Weitere Informationen über den Bremer Hackerspace gibt es im Internet unter der folgenden Adresse: www.hackerspace-bremen.de.

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