Steptext Dance Projekt präsentiert Wilders „Eintänzer“ mit Gisela Peters-Rohse ein Stück von aktueller Relevanz

Pionierin progressiver Tanzpädagogik wirkt mit

Buntentor. Als „Eintänzer“ bediente der junge Billy Wilder in den 1920er-Jahren im Berliner Hotel Eden den Vergnügungshunger der vibrierenden Kulturmetropole. „Ich tanze mit Jungen und Alten, mit ganz Kleinen und mit Frauen die zwei Köpfe höher sind als ich .
18.01.2018, 00:00
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Pionierin progressiver Tanzpädagogik wirkt mit
Von Ulrike Troue
Pionierin progressiver Tanzpädagogik wirkt mit

Der Eintänzer

Lesly Schumann, FR

Buntentor. Als „Eintänzer“ bediente der junge Billy Wilder in den 1920er-Jahren im Berliner Hotel Eden den Vergnügungshunger der vibrierenden Kulturmetropole. „Ich tanze mit Jungen und Alten, mit ganz Kleinen und mit Frauen die zwei Köpfe höher sind als ich . . . mit Damen, die den Kellner nach mir schicken“, in Texten wie diesen hielt Wilder seine Erlebnisse fest.

Nach deren Vorlage bringen der Choreograf Günther Grollitsch und der Regisseur Fabian Aimar nun gemeinsam mit der fast 80-jährigen Gisela Peters-Rohse die Geschichte des Eintänzers auf die Bühne der Schwankhalle. Für das vom „Steptext Dance Projekt“ präsentierte Tanztheaterstück kehrt Peters-Rohse, Pionierin zeitgenössischer Tanzpädagogik, nach 50 Jahren noch einmal wieder auf die Bühne zurück. In der Aufführung treffen Leichtfüßiges und Bitteres, Tragik und Humor in einem schillernden Reigen aufeinander und erzählen von Aufruhr und Abgrund. Die aktuelle Relevanz von Wilders Szenarios lotet das Tanztheaterstück pointiert aus. Unbändige Lebenslust, sinnliche Freizügigkeit und künstlerische Experimentierfreude einerseits, Kriegserfahrungen, Inflation, eine erstarkende Rechte und politisch hochbedrohliche Lage anderseits – diese ambivalente Stimmung fängt das Bühnenduo so leichtfüßig wie trennscharf ein. Und es fragt: Was bedeutet es, den eigenen tanzenden Leib zu Markte zu tragen? Wann kompromittiert derartige Dienstbarkeit die persönliche Integrität? Gisela Peters-Rohse mit ihrem tänzerischen Körpereinsatz und Günther Grollitsch mit seinem vielschichtigen physischen Vokabular entfalten zu Songs und Sounds der Zeit, zu Tangos, Pianojazz, futuristischen Geräuschkompositionen und melancholischen Streichern ihr Können. Bewegungszitate aus einst modernen Standardtänzen und der Avantgarde des Ausdruckstanzes treffen auf Toneinspielungen von Wilders Texten, szenische Gesten auf projizierte Filmausschnitte und neue Choreografien.

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