Planung für neue Fernwärmeleitung

Pipeline von Horn-Lehe in die Vahr in der Kritik

Die Stadtteilpolitiker erwarten, das alle Vorschläge für die Trassenführung einer neuen Fernwärmeleitung geprüft werden. Die Kriterien für die aktuelle Trassenwahl sind dem Beirat zudem noch zu undurchsichtig.
14.11.2018, 18:19
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Pipeline von Horn-Lehe in die Vahr in der Kritik

Etwa 70 Bäume könnte die Pipeline kosten, wenn sie nach der aktuellen Planung der Trasse installiert werden würde – keine zufriedenstellende Lösung finden die Schwachhauser, die Alternativen vorschlagen, etwa ein Gestaltungskonzept inklusive Fahrbahnsanierung.

PETRA STUBBE

Die geplante Verlegung einer Fernwärmepipeline von Horn-Lehe in die Vahr stößt im davon vorrangig betroffenen Schwachhausen sowohl bei Bürgern als auch im Beirat auf Kritik. Grund ist der damit verbundene Kahlschlag an der Kulenkampff­allee. Wie berichtet würden dort etwa 70 Bäume fallen, wenn sich die SWB für ihre aktuelle Vorzugsvariante entscheiden würde. Der jüngst vom Grünen-Bürgerschaftsabgeordneten Ralph Saxe vorgelegte alternative Trassenvorschlag entlang der Universitäts- und der H.-H.-Meier-Allee findet im Beirat Schwachhausen durchaus Gehör – die Fraktionen erwarten von der SWB aber weitere Prüfungen.

„Die von SWB definierten Kriterien für die Trassenwahl sind aufgrund der bislang vorliegenden spärlichen Informationen noch immer nicht ausreichend nachvollziehbar“, kritisiert CDU-Fraktionssprecher Hans-Peter Volkmann. Insbesondere stelle sich die Frage, weshalb die von der CDU favorisierte Trassenführung entlang der Autobahn nicht mehr ernsthaft in Betracht gezogen werde. Seine Fraktion begrüße jeden Vorschlag für einen zukünftigen Trassenverlauf des geplanten Pipelineprojekts, der ohne größere Baumfällaktionen, ohne größere sonstige Auswirkungen auf den Baumbestand – wie deutliche Temperaturerhöhung des Erdreichs im Bereich der Rohre - und ohne größere Belästigung der Bewohner Schwachhausens einhergehe. Eine seriöse Bewertung zu Saxes Alternativvorschlag und dessen zu erwartenden Auswirkungen auf den Stadtteil sei der Fraktion erst nach Eingang und Sichtung der von SWB „versprochenen und noch immer nicht gelieferten detaillierten Informationen“ möglich.

Beirat fordert Begründung für Trassenwahl

Aus Sicht der Grünen-Fraktion spricht nichts dagegen, die Trassenalternative zu prüfen, erklärt Sprecherin Barbara Schneider. Dasselbe gelte aber auch für die besagte Führung entlang der Autobahn oder entlang der Bahnlinie und durch das Kleingartengebiet. „Wir erwarten, dass SWB alle vorgeschlagenen Trassen prüft, auch die Vorschläge, die in der Anwohnerversammlung und in der Beiratssitzung gemacht wurden“, betont Schneider. „Und wir erwarten, dass uns die Ergebnisse der Prüfungen zur Kenntnis gegeben werden, und zwar mit detaillierten Begründungen, warum diese oder jene Trasse nicht geht.“ Am Ende müsse der Vorschlag ausgewählt werden, der die verträglichsten Eingriffe in die Pflanzen- und Tierwelt, das Stadtbild und vor allem in das Umfeld der Menschen ermögliche.

„Die Stilllegung des Kohlekraftwerkes in Hastedt und die damit einhergehende CO₂-Vermeidung ist ein guter, notwendiger Schritt“, konstatiert SPD-Fraktionssprecher Stefan Pastoor. Die vorgestellte Variante der SWB komme nach Auffassung der SPD-Beiratsfraktion, des Ortsvereins Schwachhausen Nord und auch der meisten Bürger auf der Anwohnerversammlung allerdings nicht in Betracht. Nicht nur die Baumfällungen und ausbleibenden Nachpflanzungen kritisiert die SPD, auch würde die Langzeitbaustelle die Erreichbarkeit des Quartiers empfindlich stören. „Das würde für alle Bewohner und Gewerbetreibenden zu einer unzumutbaren Situation führen“, sagt Pastoor. Die von Saxe genannte Alternative sei so ähnlich bereits in der Anwohnerversammlung beschrieben worden und stelle nur eine von vielen Möglichkeiten dar. „Wir sind überzeugt, dass die SWB eine bessere Möglichkeit als die vorgestellte Routenführung finden wird“, sagt Pastoor. „Immerhin handelt es sich hier lediglich um technische Aufgaben – und die sind bekanntlich lösbar.“

Baumrodungen sollen verhindert werden

Auch die FDP-Fraktion unterstützt grundsätzlich die Prüfung auf Machbarkeit jedes Alternativvorschlages zu der geplanten Trasse, erklärt Sprecher Mario Hasselmann. Behörde und SWB hätten die Verantwortung und Verpflichtung gegenüber den Menschen im Stadtteil, alle denkbaren Alternativen zu erfassen und einer Prüfung zu unterziehen. „Eine Rodung der Bäume in der Kulenkampff­allee muss mit allen Mitteln verhindert werden“, betont er. „Aus unserer Sicht wäre auch ein umfangreiches Gestaltungskonzept für die Kulenkampffallee als Alternative in Betracht zu ziehen, sofern keine andere Trassenführung umgesetzt werden könnte.“ Möglicherweise sei denkbar, die Trasse unterhalb einer neu angelegten Fahrbahn zu verlegen. „Dadurch könnte eventuell die Rodung verhindert, und die Straße in einen sanierten Zustand überführt werden“, so Hasselmann.

„Wir hatten uns in der letzten Sitzung des Beirates mehrheitlich darauf verständigt, dass alle Fraktionen die unterschiedlichen Varianten der vorgeschlagenen Trassenführung prüfen müssen - wir sind noch in der Prüfung“, teilt Linken-Sprecher Wolfgang Schober mit. Unter anderem zwei Fragen gelte es dabei näher zu beleuchten: „Warum muss die Einspeisung in die Trasse mit einer Temperatur von 140 Grad Celsius vorgenommen werden?“ und „Ist dies wirtschaftlich?“

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