Anwohnerprotest

Pläne gehen Anwohnern zu hoch

Die Pläne für ein Hochhaus an der Kohlhökerstraße treibt Anwohner auf die Barrikaden. Mut macht ihnen der erfolgreiche Widerstand gegen die Mozarttrasse.
13.02.2019, 18:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

Ein Hochhaus im Ostertor: Dort, wo derzeit noch die leer stehende Immobilie der Deutschen Bundesbank liegt, soll im Jahr 2022 ein Häuserensemble stehen, aus dessen prägnantestem Bauwerk die Bewohner aus nahezu 45 Metern Höhe über das Viertel blicken können. Zu hoch, meinen viele Anwohner, die sich am Dienstagabend zu einer Infoveranstaltung der „Bürgerinitiative gegen Hochhäuser im Viertel“ im Saal der Christengemeinschaft getroffen haben.

Bevor die Bundesbank in den 1970er-Jahren in der Kohlhökerstraße gebaut wurde, standen dort Bürgerhäuser, erläutert Rudolf Monnerjahn von der Initiative den mehr als 100 Anwohnern. Die Bundesbank habe dort 15 Jahre ihren Betrieb gehabt, bevor sie die Tätigkeiten nach Oldenburg verlagert habe. Das Areal wurde dann an die „Evoreal Projektentwicklung“, einer Tochterfirma des in Hamburg ansässigen Otto-Konzerns, verkauft, nach einem Architekten-Wettbewerb wurde der Siegerentwurf im Juni 2018 der Öffentlichkeit präsentiert.

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„Im Moment haben wir die Situation, dass eine Bebauung mit Hochhäusern hier nicht zulässig ist“, sagt Rudolf Monnerjahn. Maximal 27 Meter seien erlaubt und nicht 45 Meter, dafür müsste der Bebauungsplan geändert werden. „Wir wollen aber keine Wohnbebauung verhindern, sondern ein Hochhausprojekt in unserem Viertel stoppen“, betont er. „Es ist maximal eine sechsgeschossige Bebauung erlaubt und die Evoreal muss demnach eine Änderung des Bebauungsplanes erreichen. Und unsere Initiative will das verhindern.“ Dafür müsste man laut Monnerjahn auf die Parteien zugehen, damit diese eine Erklärung abgäben, dass sie gegen eine Hochhausbebauung seien.

Hochhaus als Stein des Anstoßes

Ihr Wohnviertel sei im Krieg relativ glimpflich davongekommen, „und die öffentliche Hand hat eine besondere Verantwortung, dieses Kleinod zu erhalten“. Nicht nur für die Bürger, sondern auch für Touristen. Ein Hochhaus jedoch wäre der erste Stein, der dafür sorgen würde, dass dieses Viertel zerfalle: „Wir meinen, dass es sich dafür zu kämpfen lohnt.“

Auch der frisch gekürte Spitzenkandidat der Freien Wähler (FW) für die Bürgerschaftswahl, Olaf Dinné, wendet sich gegen die Hochhausbebauung und ist bei der Initiative dabei. Er macht den Anwesenden Mut: „Aus der Mozarttrassen-Erfahrung geht hervor, dass die Stadt und die Gewoba die Häuser bereits aufgekauft haben und angefangen haben, sie abzureißen. Und trotzdem ist es gelungen, die Mozarttrasse abzuwenden.“ Das sei gelungen, weil alle zusammen gegen die „Vergewaltigung des Viertels“ gekämpft hätten. „Und nun soll die gleiche strukturelle Vergewaltigung wieder über das Viertel kommen“, empört er sich und wagt einen Ausblick in die Zukunft: „Wenn sie das hier schaffen, dann schaffen sie das woanders auch.“

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„Einen Sündenfall“ nennt ein Anwohner anschließend das Vorgehen des Investors und der Stadt. „Wenn hier eine Verwaltung kritiklos solch ein Spiel der Investoren mitmacht, schäme ich mich, dass Senatsbaudirektorin Reuther solch ein Projekt schönredet.“ „Elegant, aber nicht exaltiert – das passt zu Bremen“ zitierte der WESER-KURIER die Senatsbaudirektorin am 8. Juni 2018. Sie freue sich über das Projekt, hieß es weiter, nach ihrer Einschätzung habe der Neubau das Zeug dazu, Bremen an der Schnittstelle zwischen Bahnhofsvorstadt und Viertel ein „neues Gesicht“ zu geben.

Das grüne Baurressort als Gegner

Die Anwohner, das wird schnell klar, sind jedoch mit dem alten Gesicht zufrieden. „Die Grünen haben sich bei der Rennbahn verzockt und sagen, dort sei ein Hochhaus undenkbar – aber hier?“, fragt ein weiterer Anwohner. Für ihn steht fest: „Nehmen sie das grüne Bauressort als Gegner, nicht den Investor, denn das Bauressort muss das genehmigen.“ Ein anderer Anwohner fordert, die Politiker zur Rede zu stellen: „Eine Diskussionsveranstaltung, um sie einzuladen, damit sie Farbe bekennen.“ Und eine Anwohnerin meint: „Das ist nicht nur eine Sache der Kohlhökerstraße, sondern eine Sache des Viertels.“

In einer Resolution lehnen die Anwohner „die geplante Hochhausbebauung an der Kohlhökerstraße mit großer Entschiedenheit ab. Nach dem Sturz der Mozart-Trasse sehen wir das als einen erneuten Angriff auf die hoch verdichtet gewachsene Struktur unseres Viertels. Wir wollen nicht, dass die Struktur der typisch bremischen Bauweise durch eine überdimensionierte Architektur schrittweise ersetzt wird.“ Und weiter: „Wir fordern daher die zuständigen politischen Gremien wie Bürgerschaft und Senat sowie den dahinterstehenden Investor auf, von seinem Ansinnen abzulassen, Änderungen an dem bestehenden Bebauungsplan vorzunehmen.“

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu dem geplanten Bauvorhaben und zur Initiative sind unter https://www.keinhochhaus.org/ erhältlich. Die Evoreal Projektentwicklung informiert unter http://www.evoreal.de/projekte/kohlhokerstrase/ über das geplante Bauvorhaben.

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