Streit um Tierschutz

Plakate des "Circus Voyage" in Bremen zerstört

Der Streit um das Gastspiel des „Circus Voyage“ in Blumenthal eskaliert. Direktor Alois Spindler hat nach eigenen Angaben Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt, weil Schilder zerstört wurden.
07.08.2017, 09:56
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Plakate des
Von Michael Brandt
Plakate des "Circus Voyage" in Bremen zerstört

Der Zirkus reist mit Elefanten, Giraffen und einem Nilpferd.

Christian Kosak

Der in Blumenthal gastierende Zirkus Voyage hat nach eigenen Angaben wegen verschiedener Delikte Anzeige erstattet. Unter anderem seien mehr als 1000 Werbeschilder beschädigt worden, heißt es in einer Erklärung des Zirkus. Nach Angaben von Zirkusdirektor Alois Spindler sind einige Plakate auch mit dem Schriftzug „Geschlossen“ überklebt worden. Er stellt deshalb fest: „Alle Vorstellungen finden planmäßig statt.“ Die Polizei konnte am Wochenende noch keine Stellungnahme zu den Vorgängen abgeben.

Der Zirkus hat sein Gastspiel, wie berichtet, in der vergangenen Woche begonnen. Politiker hatten – wie zuletzt vor zwei Jahren – die Darbietungen im Zirkus Voyage zum Anlass genommen, die Wildtierhaltung in Zirkussen zu kritisieren. Mit dem Zirkusbetrieb reisen unter anderem Giraffen, Elefanten und ein Nilpferd. Der Bremer Tierschutzverein hatte zum Boykott der Vorführungen aufgerufen. Und die Tierschutzorganisation Peta hatte darauf verwiesen, dass bereits 22 von 28 EU-Ländern ein Verbot für bestimmte Arten ausgesprochen hätten.

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Zirkuschef Spindler reagiert empört. „Ja, ich habe viele Tiere und bin mir der Verantwortung meiner Tiere gegenüber bewusst. Ich unterscheide nicht zwischen Haus- und Wildtier. Für mich ist jedes Tier ein Lebewesen, das mit Achtung und Respekt behandelt werden muss.“ Die Reaktionen in Bremen erinnerten „schon fast an die Methoden eines Regimes dunkler deutscher Vergangenheit“, heißt es in seiner Presseerklärung. „Boykottaufrufe, Hasspropaganda und Sachbeschädigungen in großem Ausmaß gegen den fahrenden Betrieb stehen auf der Tagesordnung.“ Spindler argumentiert unter anderem damit, dass die Bedingungen für die Tiere im Zirkus besser und strenger kontrolliert seien als im Tierheim. Der Tierschutzverein hingegen biete seinen Schützlingen „vermutlich viel zu kleine und triste Gehege“.

Den Kritikern aus der Politik sei offenbar nicht bewusst, dass die Zirkusstiere entweder vor mehr als 30 Jahren als Waisen nach Europa gekommen oder hier bereits in menschlicher Obhut geboren seien. Und Spindler argumentiert weiter: „Während in Europa aus Angst der Bevölkerung heimische Bären oder Wölfe vertrieben oder gar getötet werden, werden zum Beispiel in ­Afrika Elefanten, Giraffen und Co noch ­heute wahllos gewildert.“

Der Zirkus gastiert bis 27. August auf dem ehemaligen Brenor-Gelände an der Ermlandstraße. Infos auf www.circus-voyage.de.

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