Kaufleute und Ortsamt beobachten die Lage Plakatiert wird in der Grauzone

Altstadt. Lange Zeit war sie mit mehreren Lagen von Plakaten beklebt, einmal war sie Ort eines Ottersberger Kunstprojektes. Nun ist sie schwarz: Die Mauer an der Helenenstraße, einst als Sichtschutz erbaut, ist genauso gestrichen wie das neue Restaurant „Zoom Burger“, das die Nachfolge des Gemüsegeschäftes angetreten hat.
24.07.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

Altstadt. Lange Zeit war sie mit mehreren Lagen von Plakaten beklebt, einmal war sie Ort eines Ottersberger Kunstprojektes. Nun ist sie schwarz: Die Mauer an der Helenenstraße, einst als Sichtschutz erbaut, ist genauso gestrichen wie das neue Restaurant „Zoom Burger“, das die Nachfolge des Gemüsegeschäftes angetreten hat.

„Ich finde das gut, vielleicht trägt das ja auch zur Erhaltung der Mauer bei“, sagt Ortsamtsleiterin Hellena Harttung dazu. ­Generell habe sie aber auch nichts gegen Plakate: „Das ist eine viertel-spezifische ­Sache und Teil der Kultur, darüber wird kommuniziert, es werden Konzerte und andere Veranstaltungen angekündigt. Daher ist es gut, dass es dafür Plätze gibt.“

Da es sich bei den Wänden überwiegend um Privateigentum handele, gebe es da auch wohl eine ­gewisse Toleranz. „Wenn es jedoch zu Verunreinigungen kommt, ist das schon wieder ein anderes Thema.“ Und auch bei illegalen Graffiti und Tags sieht die Ortsamtsleiterin eine Grenze überschritten: „Das geht gar nicht.“

Graffiti und Tags sind auch nach Ansicht von Ronald Kurmis, der dem Vorstand der Interessengemeinschaft „Das Viertel“ angehört, nicht zu tolerieren. Für ihn ist aber auch das wilde Plakatieren nicht hinnehmbar: „Das ist in den letzten Jahren nicht besser, sondern schlechter geworden. Schilder wie ,Plakatieren verboten‘ werden einfach ignoriert“, sagt Kurmis. Die reine Aufforderung an die Plakatierer, das Bekleben zu unterlassen, funktioniere leider nicht mehr: „Der gegenseitige Respekt liegt mittler­weile bei null.“

Auch ein Hausbesitzer im Viertel, der nicht namentlich genannt werden möchte, ist alles andere als erbaut von Plakaten auf privaten Hauswänden: „Das ist seit 20 Jahren das Gleiche, dass der Subkultur im Viertel eine Plattform geboten wird. Das ist eigentlich eine Ordnungswidrigkeit, doch die wird nicht verfolgt.“ Das sei das gerühmte „Laissez-faire“ des Viertels.

Ronald Kurmis wünscht sich, dass das Ortsamt Mitte/Östliche Vorstadt etwas unternimmt, „denn solange diese Unterstützung fehlt, kannst du da nicht viel machen“. Mangels Überwachung habe es auch keinen Sinn, darauf zu warten, dass etwas passiert: „Dann reiße ich es lieber selber runter. „Wenn das Ortsamt das befürwortet, ist das unfair, dass die Hausbesitzer das so hinnehmen müssen.“

Zwar sehe auch er ein, dass das Plakatieren insbesondere für kleinere Bands und Kulturschaffende oftmals die einzige Möglichkeit sei, auf ihre Veranstaltung hinzuweisen, sagt der Geschäftsmann. „Doch das muss auch gepflegt werden, denn die ­Leute reißen das doch ab, und dann geht der Putz kaputt. Dann sollte man doch versuchen, das vernünftig zu lenken.“

Ronald Kurmis hat daher einen Vorschlag: „Wenn das Ortsamt das Plakatieren befürwortet, soll es sich mal mit den Hausbesitzern zusammensetzen, um jetzt beliebte Flächen zum Plakatieren zu legalisieren, auch, um das Ganze mal aus der Grauzone zu holen.“ Das Ortsamt solle Wände zum Plakatieren ausweisen, und der Quartierservice könne sich dann um die Pflege und Wartung der Flächen und um das Entfernen von Plakaten kümmern. „Der Beirat sollte dann Mittel zur Verfügung stellen, damit der Quartierservice alles sauber halten kann und entsprechende Untergründe geschaffen werden.“ Das sei eine gute Möglichkeit, zusammen mit den Hausbesitzern eine einvernehmliche Lösung zu schaffen.

„Da kann man drüber nachdenken“, sagt Ortsamtsleiterin Hellena Harttung zu dem Vorschlag, wobei sie auch betont, dass sie nicht über den Quartierservice bestimmen könne. Generell habe sie aber keine Beschwerden von Hauseigentümern erhalten, zumal sie mit der Polizei in engem Kontakt stehe: „Das müsste ich wissen, wenn es da Beschwerden gegeben hätte.“ Der Beirat verfüge über bestimmte Mittel, die für gemeinnützige Zwecke eingesetzt werden könnten, da gebe es viele Themen: „Doch ich kann das mal ansprechen, das ist eine Idee, die man weiterverfolgen könnte.“

Auch auf der Wand an der Helenenstraße steht schon etwas auf dem schwarzen Grund: „Oberneuland.“

„Man sollte ­beliebte ­Flächen zum Plakatieren ­legalisieren.“ Ronald Kurmis
„Das ist eine viertel-spezifische Sache und Teil der Kultur.“ Hellena Harttung
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