Bremen-Nord Planer streichen Gewerbegebiet in Rekum

Bremen-Nord. Bremen will seine Gewerbeflächenpolitik neu ausrichten. In Bremen-Nord sollen das Steindamm-Areal und der Bremer Industriepark vergrößert und dagegen auf das geplante Gewerbegebiet an der Rekumer Hospitalstraße verzichtet werden.
26.01.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Planer streichen Gewerbegebiet in Rekum
Von Patricia Brandt

Bremen-Nord. Bremen will seine Gewerbeflächenpolitik neu ausrichten. In Bremen-Nord sollen das Steindamm-Areal und der Bremer Industriepark vergrößert und dagegen auf das geplante Gewerbegebiet an der Rekumer Hospitalstraße verzichtet werden. Branchenbezogene Standorte wie der Science Park sollen stärker als bisher profiliert werden. Der Bau des Science Centers wird sich jedoch einmal mehr verzögern.

Das Gewerbeentwicklungsprogramm 2020 ist ein Beitrag zum Strukturkonzept des Landes Bremen. Es beschreibt die Leitlinien der zukünftigen Gewerbeentwicklung und benennt konkrete Handlungsschwerpunkte. Noch ist das Werk zwar politisch nicht beraten. Probleme bahnen sich aber schon bei der vorgesehenen Erweiterung des Gewerbegebiets Steindamm an. Bei dem Bereich zwischen der Autobahn 27, Lesum und Steindamm befinden sich heute grüne Wiesen (wir berichteten in unserer Hauptausgabe).

Das Steindamm-Gebiet, sagt der frühere Wirtschaftsdeputierte der SPD, Max Liess, gelte als attraktives kleines Gewerbegebiet: "Wenn man es erweitern kann, soll man es tun." Mit Blick auf den Naturschutz meint Liess aber auch, dass die Flächen im Überschwemmungsgebiet nicht angefasst werden dürften.

Die Nordbremer CDU geht bei der Bewertung des Steindamms dagegen einen Schritt weiter: Es sei Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu schaffen. "Wenn die Nachfrage da ist, muss man alles tun, um Expansionsmöglichkeiten zu realisieren", sagt der Abgeordnete Jörg Kastendiek.

Ganz andere Töne schlägt das Burglesumer FDP-Beiratsmitglied Agnes Müller-Lang an. "Falls an eine Erweiterung des Gewerbegebiets Steindamm in Grambke gedacht wird, hätte der Beirat informiert werden müssen", ärgert sich die Freidemokratin. Die Wirtschaftsbehörde hätte den Beirat und das Ortsamt von ihren Überlegungen zum Gewerbeentwicklungsplan für 2020 informieren müssen. Aus Sicht der FDP ist es nicht notwendig, den Steindamm in Richtung Autobahn um zwei Hektar zu erweitern. Neben dem Naturschutz gebe es dafür noch einen weiteren Grund: "Es stehen am Steindamm noch Flächen zur Verfügung, deren Vermarktung leider recht zögerlich voran geht!"

Anwohnerprotest in Rekum

Unstrittig ist der Beitrag zum Strukturkonzept Bremens bisher in punkto Aufgabe möglicher Gewerbeflächen an der Hospitalstraße. Das Projekt in Rekum soll nicht mehr umgesetzt werden. Der Grund dafür ist das Ende der Bremer Wollkämmerei (BWK). Hier, wie auch im Bremer Industriepark, bestünden inzwischen neue Flächenpotenziale, heißt es im Programm.

Auf dem alten BWK-Gelände will die Stadt produktionsorientierte Firmen und Handwerksbetriebe ansiedeln. Bremen erhofft sich hier zusätzliche Entwicklungsimpulse aus dem angrenzenden Gewerbegebiet Bremer Vulkan. Das Gebiet an der Hospitalstraße soll nun anderweitig genutzt werden: Hier wird geprüft, ob sich diese Flächen für Wohnbebauung eignen. Die SPD zumindest sieht laut Liess schon lange keinen Bedarf mehr für Gewerbeansiedlung in Rekum. Liess erinnert sich gut an Anwohnerproteste aus den 1990er Jahren, die das Planverfahren für das 22 Hektar große Areal zum Stillstand brachten. Die SPD fordert stattdessen, den Bremer Industriepark weiter zu entwickeln.

Das Gebiet neben den Stahlwerken wird auch im Gewerbeentwicklungsprogramm 2020 als bedeutender Standort für die industrielle Ansiedlung gewertet. Möglichkeiten der Erweiterung gibt es demnach schon. "Mit den bestehenden Erweiterungsoptionen, die bereits bauleitplanerisch abgesichert sind, bestehen die notwendigen Flächenpotenziale auch für größere industriell gewerbliche Nutzungen, um die Stellung Bremens als sechstgrößter Industriestandort Deutschlands auch zukünftig abzusichern." Beachtliche Beschäftigungsimpulse verspricht sich Bremen überdies vom geplanten Gesundheitspark Lesum-Park. Die Ansiedlung gesundheitswirtschaftlicher Unternehmen unterstütze den Strukturwandel.

Einen Entwicklungsschwerpunkt sieht das Gewerbeentwicklungsprogramm 2020 erwartungsgemäß in der Ansiedlung von innovativen Unternehmen und Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen an der Jacobs University beziehungsweise in dem geplanten Science Park. Die Erschließungsmaßnahmen werden demzufolge derzeit umgesetzt. Aktuell sollen die noch nicht zur Verfügung stehenden Flächen südlich der Steingutstraße, die sich im Privatbesitz und im Besitz des Bundes befinden, zur Ergänzung des Science Parks einbezogen werden.

Was das geplante Science Center selbst betrifft, wird sich der Bau voraussichtlich ein weiteres Mal verzögern. Eigentlich sollte der Bauantrag für den rund 3500 Quadratmeter großen Gebäudekomplex schon im vergangenen Herbst eingereicht werden. Doch daraus wurde nichts. "Die Architekten mussten eine Umplanung vornehmen. Der Bauantrag wird erst im kommenden Monat gestellt", berichtet Alexander Ziegler-Jöns, der das Projekt für die Privatuniversität mitbetreut. Nach seinen Worten geht es bei der Neuplanung darum, weitere Labore in dem Komplex unterzubringen. Angestrebt wird laut Ziegler-Jöns mittlerweile ein Verhältnis von einem Drittel Labore zu zwei Dritteln Büroflächen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+