Themenabend im Alten Pumpwerk: Flächenverdichtung und Versiegelung sind größte Probleme in den Städten Plantage auf Klimawandel einstellen

Was steht Deutschland bevor, worauf müssen sich auch die Städte im Norden einstellen, wenn sich das Klima verändert? Das waren die Fragen, die sich Referenten und Publikum der Diskussionsveranstaltung "Leben mit Wasser" kürzlich im Alten Pumpwerk stellten. Die Antworten: Der Effekt ist bereits deutlich spürbar. Die Kommunen haben die Aufgabe, Strategien zu entwickeln, die die Gesundheit und Sicherheit ihrer Bürger schützen.
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Von Anke Velten

Was steht Deutschland bevor, worauf müssen sich auch die Städte im Norden einstellen, wenn sich das Klima verändert? Das waren die Fragen, die sich Referenten und Publikum der Diskussionsveranstaltung "Leben mit Wasser" kürzlich im Alten Pumpwerk stellten. Die Antworten: Der Effekt ist bereits deutlich spürbar. Die Kommunen haben die Aufgabe, Strategien zu entwickeln, die die Gesundheit und Sicherheit ihrer Bürger schützen.

In den Hufen. Um den Stand der Dinge, den Blick in die Zukunft und konkrete Beispiele, wie andernorts mit dem Klimawandel umgegangen wird, ging es bei der Veranstaltung "Leben mit Wasser", zu der der Umweltbetrieb Bremen und der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, Hansewasser und diverse Bremer Ortsämter ins Alte Pumpwerk einluden. Die Initiative "Leben in Findorff", Mitveranstalter des Themenabends, steuerte einen Katalog an Möglichkeiten bei, der vor allem die Plantage und die Brachfläche am Güterbahnhof im Blick hat.

Wolfgang Riecke vom regionalen Klimabüro Hamburg verdeutlichte den Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und Klimawandel anhand der Statistiken der Wetterforscher. Wie teuer die Kommunen der Effekt zu stehen kommt, davon konnte Olaf Simon aus der Abteilung Wasserwirtschaft der Hamburger Behörde für Umwelt und Stadtentwicklung berichten: Wenn der Meeresspiegel ansteigt und die Menge und Häufigkeit an Regen zunimmt, steigt die Gefahr von Überschwemmungen. Gleichzeitig machen vor allem in Städten sommerliche Hitzeperioden Bächen, Bäumen und direkt und indirekt den Menschen zu schaffen. Das lässt sich auch in steigenden Zahlen von Hitzetoten und in den Kosten für Unwetterschäden ausdrücken. So verbuchte Hamburg für ein einziges Unwetter im Jahr 2002 einen Schaden von 8,2 Millionen Euro. Bis 2050 werden es nach einer bundesweiten Hochrechnung Schäden von insgesamt 330 Milliarden Euro sein, die durch die Folgen des Klimawandel verursacht werden, so der Hamburger Behördenvertreter. Ein großes Problem sei dabei die zunehmende Versiegelung von Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen: In Hamburg wird pro Jahr eine durchschnittliche Fläche von 100 Hektar versiegelt. Immer wichtiger würden daher Methoden dezentraler Regenwasserbewirtschaftung wie Zisternen, poröse Oberflächen, Schatten spendende und verdunstende Bäume.

Frank Schlegelmilch, Stadt- und Raumplaner des Bremer Büros Baumgart und Partner, stellte vor, wie andere deutsche Städte dem Klimawandel begegnen. Eine dieser Modellkommunen liegt in Bremens Nachbarschaft. Die Stadt Syke hat ein Programm entwickelt, das unter anderem die Förderung privater Regenwassernutzung, die Pflanzung mit klimaresilienten Baumarten wie Gingko und die Nutzung von unversiegelten Parkplätzen zur Rückhaltung und Ableitung von Regenwasser einschließt. Gerade in besonders gefährdeten Stadtteilen Bremens müsste mehr Vorsorge getroffen werden, um die Folgen extremer Regenereignisse abzumildern, fanden die Vertreter der Initiative "Leben in Findorff". Besonders betroffen seien die "tief" liegenden Stadtteile, zu denen auch Findorff zählt, und in denen es bei extremen Niederschlägen schneller zu Überlastungen der Kanäle und zu Überflutungen käme, wie zuletzt im August des vergangenen Jahres.

Regen auf Brache versickern lassen

Ansatzmöglichkeiten sieht die Initiative zum Beispiel auf dem Gebiet der Plantage in Findorff mit ihrem komplett zubetonierten Gelände und dem Güterbahnhof mit seinen großen Dachflächen. Als konkrete, kurzfristig umsetzbare Gegenmaßnahmen schlagen die Findorffer vor, die Dächer des ehemaligen Güterbahnhofs vom Kanalsystem abzukoppeln und den anfallenden Regen auf der benachbarten Brache naturnah versickern zu lassen. "Das spart Zehntausende Euro Abwassergebühr, entlastet die Kanäle und wertet die triste Güterbahnhofsbrache ökologisch auf", sagt Jacob. Sinnvoll sei auch ein Dachbegrünungsprogramm im Gewerbegebiet Plantage: Denn grüne Dächer speicherten Regenwasser, verzögerten den Abfluss und verbesserten das Stadtklima. Die Initiative wünscht sich eine modellhafte Entwicklung der Plantage, bei der Gründächer per Bebauungsplan festgesetzt oder in einer Gestaltungssatzung vorgeschrieben werden.

Die Beiträge der Referenten können im Internet unter der Adresse www.lebeninfindorff.de nachgelesen werden.

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