Bildungszentrum der Heimstiftung vermittelt hilfreiche Vokabeln Plattdeutsch für die Pflege

Horn. Viele Seniorinnen und Senioren sind noch im Plattdeutschen zu Hause. Dorit Sanders, Krankenschwester und Lehrerin für Pflegeberufe im Bildungszentrum der Heimstiftung, hat für ihre Altenpflege-Schülerinnen und -Schüler einen kleinen Plattdeutsch-Kursus in ihren Deutschunterricht eingebunden.
05.01.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Renate Schwanebeck

Viele Seniorinnen und Senioren sind noch im Plattdeutschen zu Hause. Dorit Sanders, Krankenschwester und Lehrerin für Pflegeberufe im Bildungszentrum der Heimstiftung, hat für ihre Altenpflege-Schülerinnen und -Schüler einen kleinen Plattdeutsch-Kursus in ihren Deutschunterricht eingebunden. Dazu hatte sie Dieter Lüking eingeladen, der „op Platt vertellte“ und die Auszubildenden, die kurz vor den Abschluss-Prüfungen zu examinierten Altenpflegern stehen, begeisterte.

Dieter Lüking wusste genau, welches Vokabular für die angehenden Pflegekräfte im Umgang mit älteren Heimbewohnern nützlich sein könnte, denn wohnt im Stiftungsdorf Hollergrund. Zum Einstieg trug er einen Artikel auf Plattdeutsch vor, den er an diesem Tag beim Frühstück gelesen hatte. Darin war die Rede von einem Mann, der vor dem Brandenburger Tor im rosa „Tutu“ posierte, um auf diese Weise seine kranke Frau zu erheitern. Damit hatte Lüking auf Anhieb die Aufmerksamkeit der Schüler gewonnen.

„Nicht, dass Sie meinen, das lernen Sie auch alles in zwei Sitzungen“, stellte der ehemalige Lehrer klar. Aber einen kleinen Einstieg in diese schöne alte Sprache Norddeutschlands wolle er den Schülern mit seinen Ausführungen geben. Erst einmal die Begrüßung: „Moin“ könne es heißen, aber auch „Moin, Moin“ oder „Dag ook!“ Zum Abschied sagen Bremer Plattsnacker „Tschühüs!“ oder auch „Na, denn“. Wer seinem Gegenüber besonders gute Wünsche mit auf den Weg geben will, der sagt: „Lat di‘t good gahn!“

Interessiert hörten die 16 Schülerinnen und Schüler zu, als sich Dieter Lüking den Themenbereichen Kleidung, Anatomie und Körperpflege auf Platt widmete. Da kamen die „Tähnböst“, die „Seep“, das „Snuufdook“ oder auch „Taschendook“ ebenso zur Sprache wie der „Kopp“, der umgangssprachlich auch „Dötz“ genannt wird. Der Zeigefinger werde auf Plattdeutsch zum „Wiesfinger“. Und was der „Steert“, auch „Mors“ oder ganz vornehm „de Achterste“ genannt bedeutet, lag für alle sofort auf der Hand: der Po.

Ein bisschen holperig klangen die ersten Versuche der Schüler noch bei der Aussprache, aber Lüking korrigierte geduldig, und durch Wiederholung wurden die Töne authentischer. Die Teilnehmer, auch etliche mit Migrationshintergrund, saugten die plattdeutschen Wörter begierig auf und wurden immer neugieriger. Die Brille? „Das ist das Spekulier-Isen“, erfuhren sie – und lachten. Der Zahnarzt? „Kuusentrecker“, antwortete Dieter Lüking, und wieder brach allgemeine Heiterkeit aus.

Besonders viel Spaß hatte Altenpflege-Schülerin Ozioma Arinze aus Nigeria, die seit 2001 in Bremen lebt, an dem Ausflug in die andere Sprache. „Ich glaube, wenn ich Platt statt Hochdeutsch gelernt hätte, hätte ich es viel schneller gelernt“, sagt sie. „Ich habe noch Probleme mit den Artikeln, und im Niederdeutschen gibt es nur zwei. Ich habe das Gefühl, es hört sich ähnlich an wie Englisch und es fällt mir leichter.“

„Cool“ und „unterhaltsam“ fanden andere Schüler die Sprache. „Die Aussprache ist für einen, der hochdeutsch spricht, gewöhnungsbedürftig“, hieß es. „Man muss sich nur mal trauen.“ „Das ist das erste Mal, dass wir so etwas machen. Mal sehen, ob es klappt“, sagte Dorit Sanders. Sie kann sich vorstellen, die Plattdeutsch-Stunde in weiteren Ausbildungsjahrgängen zu wiederholen.

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