Brodelpott Plattsnackerin mit Organisationstalent

Janine Claßen ist seit Juni Veranstaltungsmanagerin im Brodelpott. Neu ist der Poetry Slam auf Plattdeutsch.
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Von Anne Gerling

Ein neues Gesicht im Brodelpott-Team: Janine Claßen hat – sozusagen zum Einstieg – das Stadtteilfest auf der Vegesacker Straße im Juli mitorganisiert und mittlerweile schon so einige Kontakte in Walle. Als neue Leiterin des Veranstaltungsbereichs im Kulturhaus Walle will sie nun das Haus auch für junge Erwachsene öffnen – zum Beispiel mit Bremens erstem Poetry Slam op Platt am 7. November.

362 Freunde hat er schon, darunter etliche Lokalpolitiker, Bürgerschaftsabgeordnete und Kulturschaffende aus Walle und Bremen: Dass es den Waller Brodelpott neuerdings auch auf Facebook gibt, dafür hat Janine Claßen gesorgt.

„Mir ist wichtig, dass wir regelmäßig auch über den digitalen Kanal von uns hören lassen“, sagt die gebürtige Wilhelmshavenerin, die seit Juni den Veranstaltungsbereich im Kulturhaus Walle leitet und dort nun außerdem die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet.

1999 war Claßen aus dem friesischen Zetel am Jadebusen zum Studieren nach Bremen gekommen – ihre Fächerkombination: Kulturwissenschaft, Germanistik und Soziologie. Nach erfolgreichem Abschluss als „Magistra Artium“ arbeitete sie zunächst für die Schwankhalle in der Neustadt.

Dass Claßen dann als Dramaturgieassistentin an die August-Hinrichs-Bühne gerufen wurde – die damals just zur eigenen Sparte „Niederdeutsches Schauspiel“ am Oldenburgischen Staatstheater ausgebaut worden war – hängt damit zusammen, dass sie allen anderen Aspiranten etwas Entscheidendes voraus hatte: Janine Claßen kann Platt.

Mit elf bei „Speeldeel“ angefangen

„Da, wo ich herkomme, gab es im theaterpädagogischen Bereich keine Angebote für Kinder in Hochdeutsch“, erklärt sie dies, „ich wollte aber unbedingt Theater spielen.“ So habe sie dann eben mit elf Jahren bei einer „Speeldeel“ angefangen, wo damals ein Regisseur aus Österreich den Kindern das Theaterhandwerk von der Pike auf beibrachte und ein Sprachpate mit ihr Plattdeutsch büffelte.

„Die plattdeutsche Sprache war dabei für mich zuerst einfach nur Mittel zum Zweck“, sagt sie rückblickend – im Erwachsenenalter habe sich daraus dann aber eine Liebe zu dieser Sprache entwickelt. Besonders das Bildhafte hat es ihr am Plattdeutschen angetan: „Es gibt Ausdrücke, da ist man ganz dicht dran an dem, was gemeint ist. ‚Plüschappel’ zum Beispiel heißt Pfirsich – und besonders gut gefällt mir auch das Wort für Hebamme: ‚Mudder Griebsch’. Da hat man sofort ein Bild vor Augen. Mir gefällt außerdem der Klang dieser Sprache, die für mich auch die Verbindung zu meiner Großmutter ist, die selbst noch Platt sprach.“

2009 – mittlerweile hatte sie eine Familie gegründet – kam Janine Claßen nach Bremen zurück und stellte unter anderem im Zusammenhang mit dem Autofreien StadTraum ihr Organisationstalent unter Beweis: Im Auftrag des Umweltressorts koordinierte sie 2012 und 2013 die beiden Veranstaltungen rund um den Breitenweg beziehungsweise den Leibnizplatz. „Das zweite Mal war dabei quasi ein Heimspiel, denn ich wohne am Buntentorsteinweg“, erzählt die gebürtige Friesin, die links der Weser im Auftrag der Schwankhalle auch schon als plattsnackende Kioskbetreiberin in Erscheinung getreten ist.

Nach dem Nomadentum von einem Projekt zum nächsten möchte Claßen beim Brodelpott nun gerne länger bleiben, sagt sie: „Ich will etwas wachsen sehen und dann auch die Früchte ernten.“

Und es ist ja auch schon einiges gewachsen unter Claßens Vorgängerin Josy Meurer. So möchte Claßen nun einerseits das bewährte Profil der Einrichtung mit Kleinkunst, Varieté und Chormusik weiterführen und andererseits das Haus für neue Publikumsschichten öffnen. „Die härteste Nuss, die es zu knacken gilt, sind die jungen Erwachsenen zwischen 20 und 35 Jahren. Ich würde gerne Angebote schaffen, die dazu führen, dass die auch zu uns kommen“, hat sich die 34-Jährige vorgenommen.

Solch ein Angebot soll zum Beispiel der „Friendly Friday“ werden, der am 6. März erstmals stattfindet. Einmal im Monat wird dann an der Schleswiger Straße gemeinsam ins Wochenende gestartet – mit einer hausgemachten Suppe, Livemusik von Bremer Bands und Autorenlesungen.

Außerdem hat sich Claßen ein spannendes Experiment ausgedacht: Sie will beim ersten Bremer Poetry Slam op platt am Freitag, 7. November, das Niederdeutsche mit einem jungen Format zusammenbringen. In ihren Augen eine reizvolle Kombination, „weil dem Plattdeutschen ja ein behäbiger Charakter anhaftet.“ Beim Poetry Slam – einer Art Dichterwettstreit – werden innerhalb einer vorgegebenen Zeit selbst geschriebene Texte vorgetragen. Am Ende entscheidet das Publikum, was am besten ankam. Im Vorfeld gab es schon einige Hürden zu überwinden, erzählt Claßen: „Wir mussten Akteure aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein importieren, weil ich in Bremen keine Slammer aufgetrieben habe, die des Plattdeutschen mächtig sind.“ Das Publikum müsse aber kein Platt können, um den Abend zu genießen, ist sie überzeugt. Denn schon allein die unterschiedlichen Mitwirkenden seien echte Originale und Garanten für einen äußerst unterhaltsamen Abend.

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