Maßnahmen gegen Corona in Norwegen

Polarstern-Crew setzt Messflüge aus

Die Crew des Polarstern ist bisher nicht von der Corona-Pandemie betroffen. Geplante Messflüge zur Erforschung der Atmosphäre und des Meereises im Zuge der Mosaic-Mission in der Arktis werden aber ausgesetzt.
16.03.2020, 11:27
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Polarstern-Crew setzt Messflüge aus

Die geplanten Messflüge mit den Forschungsflugzeugen Polarstern 5 und 6 werden ausgesetzt.

RWaltenberg/Alfred-Wegener-Institut

Die in der Zeit von März bis September geplanten wissenschaftlichen Messflüge im Rahmen der Mosaic-Expedition des Eisbrechers Polarstern zur Erforschung der Atmosphäre und des Meereises in der Arktis werden ausgesetzt. Wie das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven mitteilt, ist ein Teilnehmer der Flugkampagnen positiv auf das Corona-Virus getestet worden.

Die Flüge mit den Forschungsflugzeugen Polar 5 und Polar 6 waren in vier Teilkampagnen geplant. Ursprünglich sollten die beiden Forschungsflugzeuge Spitzbergen am 11. März erreichen. „Die derzeitige außergewöhnliche Situation lässt uns leider keine andere Wahl. Wir danken allen, die an den monatelangen Vorbereitungen beteiligt waren und die bis zum letzten Moment alles versucht haben, um die Flugkampagnen zu gewährleisten“, sagt Dr. Andreas Herber, Koordinator der Mosaic-Flugkampagnen, vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Man werde die Situation in den nächsten Wochen genau beobachten und Alternativlösungen prüfen, zum Beispiel eine Verlängerung der beiden für den Sommer geplanten Teilkampagnen.

MOSAiC Leg 1

Die Crew des Eisbrechers Polarstern ist bislang nicht von der Corona-Pandemie betroffen.

Foto: Sebastian Grote / Alfred-Wegener-Institut

Die norwegische Regierung habe am 12. März zudem mit sofortiger Wirkung weitreichende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus verkündet, heißt es in der Mitteilung des Alfred-Wegener-Instituts weiter. "Danach müssen alle aus nicht-nordischen Ländern nach Norwegen Reisenden ohne Wohnsitz in Norwegen damit rechnen, umgehend zurückreisen zu müssen oder zu einer 14-tägigen Quarantäne verpflichtet zu werden." Auch aus diesem Grund habe sich die Mosaic-Projektleitung am dazu entschieden, die geplanten Messflug-Kampagnen im Frühjahr von der Basis der unter norwegischer Verwaltung stehenden Inselgruppe Spitzbergen vorerst auszusetzen.

In der Zentralarktis sind derweil drei Eisbrecher für die MOSAiC-Expedition im Einsatz. Die Crew der Polarstern sei bislang nicht von der Corona-Pandemie betroffen. Die Polarstern befindet sich zurzeit bei 87°7´ Nord und 16°59´ Ost. Die Rückkehrenden des zweiten Expeditionsabschnitts haben auf dem russischen Eisbrecher Kapitan Dranitsyn seit dem Ablegen von der MOSAiC-Scholle am 6. März guten Fortschritt durch das Eis gemacht. Am 14. März sind sie wie geplant mit einem weiteren russischen Eisbrecher, der Admiral Makarov, bei 84°48´ Nord und 42°35´ Ost zusammengetroffen, um zusätzlichen Treibstoff zu bunkern.

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Auch der bisher für Anfang April geplante Crew-Austausch per Flugzeug kann nach derzeitigem Stand stattfinden. Dennoch stellen sich Projektleitung und Teilnehmer auf zusätzliche Herausforderungen bedingt durch die Pandemie ein. So ist davon auszugehen, dass die Quarantäneregelung auch im April noch gilt und die Teilnehmer entsprechend viel Zeit vor dem vierten Fahrtabschnitt einplanen müssen. Alle Teilnehmer wurden zu maximaler Vorsicht aufgerufen, um eine Ansteckung zu vermeiden. Bevor sie auf das Schiff kommen, werden sie zwei Mal auf Corona getestet: einmal noch vor Abreise in der Heimat, um eine Verbreitung des Virus durch die Reisetätigkeit zu vermeiden, ein zweites Mal am Ausgangsort der Expedition, um das Risiko einer Einschleppung des Virus in die Expedition zu minimieren. Auf Polarstern steht eine Isolierstation bereit, sollte es trotz aller Maßnahmen zu einer Infektion an Bord kommen.

The two Russian Icebreakers Kapitan Dranitsyn and Admiral Makarov bow to bow

Die beiden russischen Eisbrecher Kapitan Dranitsyn und Admiral Makarov.

Foto: Steffen Graupner / Alfred-Wegener-Institut

„Wir haben auf den Ausbruch der Pandemie sehr schnell mit einem umfangreichen Sicherheitskonzept und einem engen medizinisch-diagnostischen Raster reagiert, um die Risiken für alle Expeditionsteilnehmer so weit wie möglich zu minimieren. Die sich ausbreitende Infektionswelle ist eine immense Herausforderung für diese internationale Expedition. Mit unserem Sicherheitskonzept begegnen wir dieser Herausforderung im Moment angemessen. Niemand weiß jedoch, wie sich die Lage in den nächsten Monaten entwickeln wird und wir überprüfen und aktualisieren unser Konzept laufend. Zurzeit müssen wir auf Sicht fahren und jeweils den sinnvollsten und sichersten Weg für die aktuell anstehenden logistischen Operationen finden“, sagt der Leiter der Mosaic-Expedition Prof. Markus Rex vom AWI. Es werde dabei eng mit den Gesundheitsbehörden der involvierten Länder zusammengearbeitet, ergänzt Rex. Die Gesundheit und Sicherheit aller Expeditionsteilnehmer haben dabei höchste Priorität. (rab)

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