Bremen-Oslebshausen

Politik hat Stadtteil als Kloake definiert

Bürgerinitiative Oslebshausen hat sich gegen geplantes Biomüllzwischenlager gegründet. Demonstration für den 25. Mai angesetzt.
06.05.2018, 06:28
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Von Gerald Weßel
Politik hat Stadtteil als Kloake definiert

Die Initiatoren der Bürgerinitiative (v. l.) Rolf Vogelsang, Ulrich Uffelmann, Marina Schauer und Birigt Erdogan während der ersten Zusammenkunft im Bürgerhaus.

Weßel

Oslebshausen. "Wir lassen uns das nicht gefallen", sagt Petra Krümpfer, Mitglied der SPD-Bürgerschaftsfraktion. Was sie sagt, stößt auf Beifall. "Alle sind aufgerufen sich zu wehren", fährt sie fort und blickt in die Runde. Allein ist sie nicht. Der Raum im Bürgerhaus Oslebshausen ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Aufruf zur Gründung der Bürgerinitiative Oslebshausen, um sich gegen das geplante Biomüllzwischenlager in der Windhukstraße zu wehren, hat jeden freien Stuhl gefüllt: Die Anwohner sind sauer. "Die Politik hat den Stadtteil als Kloake definiert", bringt ein Bürger die Stimmung auf den Punkt. Die Angst um finanzielle Einbußen aufgrund sinkender Grundstückswerte ist nur die Spitze des Eisberges, viel wichtiger sei allen voran die Gesundheit. Die Anwohner und Unternehmer fürchten Gestank, Fliegenschwärme, Ungeziefer und gefährliche Sporen.

Remondis übernimmt ab dem 1. Juli dieses Jahres die Abfuhr des Biomülls von Nehlsen. Es geht um 25 000 Tonnen jährlich. Hierzu gehört auch die Vergärung von Abfallen in einer Anlage zur Stromgewinnung. Solch eine wird derzeit in Bohmte, nahe Osnabrück, gebaut und soll ab Herbst dieses Jahres in Betrieb gehen. In Bremen würde ein Neubau bis mindestens zum Jahr 2021 dauern. Deshalb soll der Bremer Biomüll mit größeren, "abgeplanten" Sammelfahrzeugen von der geplanten Sammelstelle in der Windhukstraße, einer Halle im Industriegebiet, nach Osnabrück gebracht werden. Bisher ist der Biomüll aus Bremen von der Firma Nehlsen zu ihrem Gelände am Fahrwiesendamm gebracht worden. Remondis‘ Verwertungsvertrag für den Bremer Biomüll reicht bis in den Sommer 2036. Von der Stadt kann er frühestens 2030 gekündigt werden.

"Wir haben das Recht, als Bürger gleichwertig behandelt werden", so Ulrich Uffelmann. Ihn beschleiche der Verdacht, dass ärmere Stadtteile hier anders behandelt werden, als reichere. Dieser Argumentation möchte sich Petra Krümpfer nicht anschließen. Aus ihrer Sicht habe dies nichts mit arm oder reich zu tun, sondern sei eine Folge der historischen Entwicklung und der Lage der Industriegebiete. "Das Industriegebiet ist nun mal hier", stellt sie klar. Allerdings sei auch sie fest entschlossen gegen das Biomüllzwischenlager vorzugehen.

Druck auf Remondis, die Umweltbehörde und auf die Bremer Politik als Ganzes, soll die Wendung bringen, da sind Birgit Erdogan und Rolf Vogelsang, Vorsitzender der Oslebshauser SPD, überzeugt. Sie und die anderen Mitinitiatoren der Bürgerinitiative, Ulrich Uffelmann und Marina Schauer, sind da überzeugt. "Denn rechtlich ist das Ding in trockenen Tüchern", betont Vogelsang. "Mit unserer Gesundheit wird Schindluder getrieben", betont Uffelmann, der ausführlich seine Zweifel an der Richtigkeit der Argumente für das Biomüllzwischenlager darlegt: "Die Forschungsergebnisse, die eine Schädlichkeit der Sporen nachweisen werden von der Politik ignoriert."

Vor Sporen fürchtet sich auch Walter Eggers, Geschäftsführer des Diakos in Gröpelingen. Er weist auf die enorme Gefährdung von Krebspatienten in seinem Hause hin, wenn diese der zu erwartenden erhöhten Sporenkonzentration von dem Biomüllzwischenlager ausgesetzt werden. In Summe mit allen anderen städtischen Faktoren, sei die Belastung auch für Gesunde durchaus gefährlich", meint Ulrich Uffelmann.

Rolf Vogelsang hat zudem eine Online-Petition eingereicht, die demnächst freigeschaltet sein sollte. Erreiche diese 1000 Unterschriften, müsse mit einer Aufnahme der Arbeit in der Windhukstraße gewartet werden, bis die Bürgerschaft sich beraten und abgestimmt hätte. "Das bewirkt schon etwas", da ist er sich sicher. "Die Politik muss die Wirtschaft drängen eine andere Lösung zu finden." Diese andere Lösung könnte sein, die Deponie am Fahrwiesendamm zu nutzen. Doch „die Anlage auf der Blocklanddeponie gehört uns nicht“, erklärt dazu Stefan Grüner, Geschäftsführer von Remondis, im April. Und auf Nachfrage des WESER-KURIERES bekräftigt dies Anna Ephan, Pressereferentin von Remondis, am Freitag: "Der andere Standort liegt nicht in unserem Interesse. Wir halten weiter an dem Standort Weserport fest." Gespräche über eine Nutzung des Geländes am Fahrwiesendamm gäbe es nicht. Nehlsen möchte hierzu auf Nachfrage des WESER-KURIERES keinen Kommentar abgeben.

"Wenn Remondis ab dem 1. Juli verpflichtet ist, den Biomüll abzuholen, die Anlage nahe Osnabrück aber erst ab Herbst dieses Jahres einsatzbereit ist, was passiert dann in der Zwischenzeit?, fragt Rolf Vogelsang. Hierzu antwortet Anna Ephan auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Biomüll bis dahin auf eine Kompostierungsanlage in Bohmte gebracht wird. "Es ist nicht nur ein Oslebshauser Problem, sondern ein Bremer Problem", fasst Birigt Erdogan zusammen und kündigt an: "Wir sind stark und können uns wehren, wir müssen mehr auf uns aufmerksam machen." Deshalb wird es am Freitag, 25. Mai, 15 Uhr, eine Demonstration an der Kreuzung Oslebshauser Heerstraße/Oslebshauser Landstraße mit Gang zum Grundstück der Firma Remondis geplant.

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