Bremer Tierheim Anwälte drohen Kritikerin

Bremen. Der Streit um das Tierheim eskaliert. Die Anwälte des Heims haben jetzt der Kritikerin Heike Einwächter-Langer nach eigenen Angaben ein Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro angedroht für den Fall, dass sie die Kritik auf ihrer Homepage stehen lässt – ersatzweise eine Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten.
06.02.2010, 05:02
Lesedauer: 3 Min
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Anwälte drohen Kritikerin
Von Michael Brandt

Bremen. Der Streit um das Tierheim eskaliert. Die Anwälte des Heims haben jetzt der Kritikerin Heike Einwächter-Langer nach eigenen Angaben ein Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro angedroht für den Fall, dass sie die Kritik auf ihrer Homepage stehen lässt – ersatzweise eine Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten.

Am Donnerstag kommt der Streit vor Gericht. Das Tierheim muss sich inzwischen nicht mehr nur mit der Kritik von Heike Einwächter-Langer und einer Vielzahl von Betroffenen auseinandersetzen. Auch mit dem CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Frank Imhoff hat sich der Tierschutzverein-Vorsitzende Wolfgang Apel zerstritten. Die Inhalte geraten in den Hintergrund, persönliche Angriffe spielen jetzt die erste Geige.

Imhoff hatte angeboten, die Moderation des Runden Tisches zu übernehmen, der jetzt für den 19. Februar geplant ist. Apel wirft ihm aber praktisch vor, mit den „Rädelsführern der Negativ-Kampagne gegen das Tierheim“ gemeinsame Sache zu machen. Der Schaden, der dadurch entstehe, sei immens. Apel befürchtet nun einen Rückgang der Spenden. In einer gestern veröffentlichten Stellungnahme legte Apel nach. Imhoff sei „dem Bremer Tierschutzverein nicht besonders wohlgesonnen“ und habe sich in der Vergangenheit als „Verteidiger der tierquälerischen Intensivhaltung“ erwiesen.

Imhoff, Landwirt in Seehausen, hat inzwischen geantwortet. Apels Brief sei eine „Frechheit“, der Vereinsvorsitzende leide anscheinend unter „Gedächtnislücken“. „Enttäuscht bin ich darüber, dass Sie immer noch nicht verstanden haben, dass ich dem Tierheim und vor allem den Tieren keinen Schaden zufügen will“, schreibt der Abgeordnete.

Begonnen hatte der aktuelle Konflikt damit, dass die Tierheilpraktikerin Heike Einwächter-Langer vor dem Jahreswechsel die Vermittlungspraxis des Tierheims kritisierte: Ihrer Kenntnis nach würden zahlreiche Interessenten, die einen Hund oder eine Katze bei sich aufnehmen möchten, von Mitarbeitern an der Hemmstraße abgewiesen. Im Gästebuch ihrer Internetseite finden sich inzwischen Dutzende derartiger Einträge.

So schreibt zum Beispiel eine Familie: „Wir wollten nach dem Tod unseres Schäferhundes wieder einem Hund aus dem Tierheim ein schönes Zuhause geben. Auch wir bekamen dort keinen Hund. Wir holten uns dann einen Hund aus einem Heim in Hannover.“ Viele bieten Heike Einwächter-Langer Unterstützung an.

Seitdem die Nordbremerin an die Öffentlichkeit gegangen ist, schaukelt sich die Auseinandersetzung hoch. Ergebnisse bisher: die Gerichtsverhandlung am nächsten Donnerstag einerseits, der Runde Tisch am Freitag, 19. Februar, andererseits. Wer daran Platz nehmen wird, um über die Vorwürfe zu sprechen, ist noch immer nicht endgültig geklärt. Die Bürgerschaftsfraktionen sollen Vertreter entsenden, ebenso soll das Stadtamt anwesend sein. Laut Wolfgang Apel sollen auch Kritiker angesprochen werden, deren Namen allerdings noch nicht feststehen. Der Tierschutzverein will Heike Einwächter-Langer, wie berichtet, nicht mit dabei haben. Gleichzeitig gibt es eine ganze Reihe von Kritikern, die einen Runden Tisch ohne die Wortführerin als Farce betrachten.

Bereits vor Wochen war Heike Einwächter-Langer von den Anwälten des Tierheims aufgefordert worden, die umstrittenen Einträge von der Seite zu nehmen. Sie hatte sich geweigert. Das Tierheim weist die Vorwürfe, die darin erhoben werden, als unwahr und verleumderisch zurück. In der neuen Stellungnahme von gestern schreibt das Tierheim: Es liege nahe, dass Heike Einwächter-Langer aus Eigeninteresse handele. Sie hatte sich vor Jahren um eine ehrenamtliche Tätigkeit im Tierheim bemüht, war allerdings zurückgewiesen worden. Sie scheine, heißt es in dem Papier weiter, „daran interessiert zu sein, dem Tierheim Schaden zuzufügen“.

Der Abgeordnete Imhoff versteht das alles nicht mehr. Seiner Ansicht nach hat der Tierschutzverein die Bodenhaftung verloren. Wer derart um sich beiße, wie jetzt das Tierheim, der müsse schon in der Klemme stecken.

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