Tempolimit in Kattenturmer Heerstraße Anwohner mit Tempo 30 unzufrieden

Bremen. Seit zwei Wochen gilt auf der Kattenturmer Heerstraße Tempo 30. Die Geschwindigkeitsbegrenzung ist eine Reaktion der Behörden auf die Beschwerden der Anwohner. Den Bürgern reicht das Tempolimit aber nicht.
31.08.2012, 05:00
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Anwohner mit Tempo 30 unzufrieden
Von Max Polonyi

Bremen. Seit zwei Wochen gilt auf der Kattenturmer Heerstraße Tempo 30. Die Geschwindigkeitsbegrenzung ist eine Reaktion der Behörden auf die Beschwerden der Anwohner, die sich durch den Straßenlärm gestört fühlen. Den Bürgern reicht das Tempolimit aber nicht. Sie wollen, was sie schon immer gefordert haben: ein ganztägiges Fahrverbot für Lastwagen.

Auf der Kattenturmer Heerstraße heißt es für alle Fahrer: Fuß vom Gas. Werktags von 6 bis 22 Uhr darf zwischen Kattenescher Weg und Arsterdamm in beiden Richtungen nicht schneller als Tempo 30 gefahren werden. Seit zwei Wochen ist die neue Geschwindigkeitsbegrenzung in Kraft. Sie ist die Reaktion des Verkehrssenators auf Beschwerden der Anwohner, die sich vom Lärm der Autos und Lkws gestört fühlen. Senat und Verkehrsbehörde sahen in der Temporeduzierung das "beste Mittel für mehr Lärmschutz". Den Anwohnern aber reicht die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht. Sie hatten ein ganztägiges Lkw-Fahrverbot gefordert. Die Tempo-30-Regelung sei allenfalls eine "Kompromisslösung", sagt Ralf Braun von der Bürgerinitiative Kattenturmer Heerstraße.

"Das Problem waren zwar auch die Autos, die hier durchgerast sind", so Ralf Braun, "mindestens genauso laut sind aber die Erschütterungen in den Häusern, die die Lkws verursachen, wenn sie die Straße entlangfahren." So hätte sich die Lärmbelästigung bereits nach zwei Wochen spürbar verbessert, weil sich die meisten an die neue Geschwindigkeitsbegrenzung hielten. Das Problem mit den lauten Sattelschleppern sei aber keineswegs gelöst. "Wenn die hier langfahren, wackelt das Porzellan im Schrank", berichtet Ralf Braun. Insofern betrachte er die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 nur als "Kompromisslösung" der Behörde.

Die Anwohner der Kattenturmer Heerstraße waren nicht die einzigen, die sich für alternative und umfassendere Lösungen des Lärmproblems ausgesprochen hatten. Auch der Ortsbeirat Obervieland hatte den Verkehrssenator im Juli 2012 aufgefordert, ein ganztägiges Lkw-Fahrverbot umzusetzen – zusätzlich zur Tempo-30-Begrenzung. Dazu forderte der Beirat die Optimierung der Ampelschaltungen, um einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss zu ermöglichen. Außerdem plädierte man für regelmäßige Geschwindigkeits- und Emissionskontrollen sowie eine Prüfung von Gewichtsbeschränkungen für die Kattenturmer Heerstraße. "Wir haben dem Verkehrssenator schon im April 2011 unsere Empfehlungen mitgeteilt, im Juli dieses Jahres ein weiteres Mal", sagt Michael Radolla vom Ortsamt Obervieland. Dass die Behörden sich kaum daran orientiert hätten, findet er bedauerlich. Als Reaktion auf die jetzige "Kompromisslösung", wie es Ralf Braun von der Bürgerinitiative nennt, fordern die Anwohner nun Geschwindigkeits- und Emissionskontrollen auf der Kattenturmer Heerstraße.

Mit mobilen Radarfallen der Polizei könnten Verkehrsteilnehmer dazu gezwungen werden, wenigstens das Tempolimit einzuhalten. "Außerdem könnte man längerfristig Lautstärke- und Feinstaubwerte mit einer Messstation kontrollieren", so Ralf Braun. "Und zwar nicht nur auf der Kattenturmer Heerstraße, sondern auch auf den anderen betroffenen Straßen." Denn durch das Tempolimit von 30 Stundenkilometern habe er Sorge, dass sich der Verkehr teilweise verlagern könnte. Das Problem würde sich so nur verschieben.

Beim Amt für Straßen und Verkehr wird die Temporeduzierung von 50 auf 30 weiterhin für die "optimale Lösung" gehalten. Das habe ein Gutachten ergeben. "Es ist nicht so, dass die Behörde sich dort an die Straße mit einem Dezibelmesser hinstellt und aus dem Blauen heraus entscheidet: Hier machen wir Tempo 30", sagt Martin Stellmann von der Stabsstelle des Straßen- und Verkehrsamts. "Ein Gutachten, wie wir es haben durchführen lassen, bezieht alle Faktoren mit ein, zum Beispiel auch Schallreflexionen von nebenstehenden Bäumen oder Häusern." Eine schnelle Lautstärkemessung könne deshalb nicht die Erkenntnis liefern, ob die Maßnahme das Lärmproblem wirklich löst. "Dann fährt ein lautes Motorrad vorbei, und sie haben 100 Dezibel auf der Anzeige", so Martin Stellmann.

In den kommenden Monaten, wenn auch der Verkehr durch das Ende des Sommers wieder zunehmen wird, sollen nun Nach-Gutachten erstellt werden. Sie sollen zeigen, inwiefern die Tempobegrenzung mehr Ruhe auf die Kattenturmer Heerstraße gebracht hat. "Das Thema ist für uns nicht vom Tisch", sagt Martin Stellmann. "Wir werden längerfristig, vor allem in der verkehrsstärkeren Zeit, überprüfen, inwiefern die Maßnahme Früchte trägt."

Ralf Braun von der Bürgerinitiative Kattenturmer Heerstraße meint, er würde sich nicht einfach damit abfinden, wenn die Geschwindigkeitsbegrenzung die einzige Lösung bliebe. "Es ist toll, dass wir hier überhaupt etwas erreicht haben", sagt er. "Je nachdem, was in der nächsten Zeit passiert, müssen wir uns als Bürgerinitiative unsere nächsten Schritte überlegen – notfalls gehen wir vor Gericht."

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