Arbeitsmarkt Arbeitslosigkeit: Bremen gegen den Bundestrend

Bremen·Nürnberg. Gegen den Bundestrend ist die Zahl der Arbeitslosen in Bremen leicht zurückgegangen. Der Rückgang in der Stadt um 39 auf knapp 29000 Arbeitslose wirkt sich auf die Quote allerdings nicht aus, sie liegt unverändert bei 10,8 Prozent.
05.01.2010, 20:00
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Von Bernd Schneider

Bremen·Nürnberg. Gegen den Bundestrend ist die Zahl der Arbeitslosen in Bremen leicht zurückgegangen. Nur aus Hamburg meldet die Bundesagentur für Arbeit ähnlich gute Werte. Alle anderen Länder zählen im Dezember mehr Arbeitslose als im November. Der Rückgang in der Stadt um 39 auf knapp 29000 Arbeitslose wirkt sich auf die Quote allerdings nicht aus, sie liegt unverändert bei 10,8 Prozent.

'In Bremen ist die Arbeitslosigkeit im fünften Monat in Folge nicht gestiegen', bilanzierte Hans-Uwe Stern, Geschäftsführer der hiesigen Niederlassung der Bundesagentur für Arbeit. 2100 Menschen hätten seitdem zusätzlich Beschäftigung gefunden. Die Entwicklung im Bezirk Bremen verlaufe damit 'günstiger als erwartet' und deutlich positiver als noch zu Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise vorhergesagt. Bremer Unternehmen hätten bei der Agentur für Arbeit auch keine anstehenden Massenentlassungen angezeigt. Insofern 'gibt es Hoffnung für 2010'.

'Die schlimmen Befürchtungen nach dem Konjunktureinbruch im Frühjahr haben sich damit nicht bewahrheitet', sagte Stern weiter. 'Die Auswirkungen der Krise sind zu spüren, aber sie haben nicht das Ausmaß, das viele für den schlimmsten Fall angenommen haben.' Ein Grund dafür sei 'sicher die intensive Nutzung der Kurzarbeit'.

Derzeit arbeiteten in Bremen etwa 12000 Beschäftigte in rund 500 Betrieben auf Sparflamme, im September seien es noch 20000 gewesen - acht Prozent aller Beschäftigten in Bremen. Wären sie stattdessen alle entlassen worden, hätte die Arbeitslosigkeit rechnerisch auf 17 Prozent und mehr ansteigen können.

Unternehmen, die aus der Kurzarbeit aussteigen, entlassen ihr Personal in der Regel nicht, sondern nehmen die Produktion voll wieder auf, wie etwa die Stahlwerke. Auch beim Bremer Autobauer Daimler gebe es kaum noch Kurzarbeit, sagte Stern. Damit habe das Instrument seinen Zweck erfüllt, konjunkturelle Einbrüche zu überbrücken, um Entlassungen zu vermeiden. Das sei auch den Arbeitsplätzen bei den Zulieferern zugute gekommen.

Den Grund für die vergleichsweise gute Entwicklung in Bremen sieht Stern unter anderem in dem vorausgegangenen schweren Absturz: 'Wir sind in der Krise tiefer gefallen, jetzt macht sich auch die positive Entwicklung stärker bemerkbar.' Die Hauptrolle spielten die wieder angesprungenen Bereiche Stahl- und Automobil-Produktion.

Anders als in Bremen ist die Arbeitslosigkeit in Niedersachsen seit November gestiegen, und zwar um 0,2 Prozentpunkte auf jetzt 7,9 Prozent. Damit waren im Dezember zwischen Nordsee und Harz 298220 Menschen ohne Arbeit. In der gesamten Bundesrepublik stieg die Quote nach Angabe der Bundesagentur von 7,6 auf 7,8 Prozent im Dezember. Derzeit sind knapp 3,28 Millionen Menschen ohne Stelle.

Der Vergleich zum Jahr 2009 zeigt jedoch, dass die wirtschaftliche Lage auch in Bremen nach wie vor schwierig ist. In den vergangenen zwölf Monaten ist die Arbeitslosigkeit im Bezirk der hiesigen Agentur für Arbeit um 9,2 Prozent gestiegen, im Bundesdurchschnitt um 7,8 Prozent (Niedersachsen: plus 7,5 Prozent).

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, Frank-Jürgen Weise, zeigte sich indes verhalten optimistisch: 'Trotz der tiefen Rezession hat sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2009 robust gezeigt', bilanziert er. 'Zwar ist die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr angestiegen, aber bei weitem nicht so stark wie befürchtet.' Der saisonale Anstieg im Winter werde nach seinen Erwartungen nicht stärker ausfallen als in früheren Jahren. Auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) betonte, der Arbeitsmarkt habe sich als 'überaus stabil' erwiesen. 'Dies ist eine tragfähige Basis für das Jahr 2010.'

Dabei hat sie nicht einmal darauf verwiesen, dass Deutschland im europäischen Vergleich besser abschneidet als der Durchschnitt der Länder, der mit gut neun Prozent angegeben wird. Die niedrigsten Quoten haben nach Daten der EU-Kommission Norwegen und die Niederlande mit unter 3,5 Prozent, an der Spitze liegt Portugal mit fast 18 Prozent. Kein Land in Europa hat danach allerdings einen so geringen Anstieg der Arbeitslosigkeit seit Dezember 2008 wie Deutschland.

Weltweit haben die USA und Japan sogar deutlich dramatischere Probleme. Binnen Jahresfrist sind die Arbeitslosenquoten dort um rund 30 Prozent in die Höhe geschossen - auf sechs Prozent in Japan und 9,2 in den USA. Spanien ist im selben Zeitraum von 11,3 auf 17,9 gesprungen. Noch härter trifft es die baltischen Republiken: In Lettland hat sich die Quote seit Dezember 2008 auf 17 Prozent mehr als verdoppelt, in Litauen auf 14,5 Prozent beinahe verdreifacht.

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