Atomtransporte durchs Land Bremen

Atommüll in Bremerhaven verladen

Bremen. Wie kann das sein? Am Vormittag sind abgebrannte Brennelemente über Bremerhaven umgeschlagen worden. Noch im vergangenen Herbst hatte Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) solche Transporte durchs Land Bremen allerdings kategorisch abgelehnt.
09.08.2010, 18:51
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Atommüll in Bremerhaven verladen
Von Michael Brandt
Atommüll in Bremerhaven verladen

Atomtransporte durch das Land Bremen bleiben umstritten.

dpa

Bremen. Wie kann das sein? Am Vormittag sind abgebrannte Brennelemente über Bremerhaven umgeschlagen worden. Noch im vergangenen Herbst hatte Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) solche Transporte durchs Land Bremen allerdings kategorisch abgelehnt.

Doch seit sechs Uhr sind in Bremerhaven abgebrannte Brennelemente auf ein Schiff verladen worden. Dieses sollte gegen 10 Uhr auslaufen, erfuhr WESER-KURIER online auf Nachfrage beim Hansestadt Bremischen Hafenamtes.

Die Regierungskoalition aus SPD und Grünen hatte im Februar dieses Jahres beschlossen, dass Atomtransporte so weit wie möglich verhindert werden sollten. Dennoch: Es geht im heutigen Fall um vier Container, deren verstrahlter Inhalt unter anderem aus einem Forschungszentrum in Geesthacht stammt. Das Gesamtgewicht inklusive der Container und Behälter beträgt 30 Tonnen. Dem Vernehmen nach soll die Ladung auf einem Frachter nach South Carolina in den Vereinigten Staaten gebracht werden.

Laut Andreas Mai, Leiter des Hansestadt Bremischen Hafenamtes, werden Transport und Verladung 'hundertprozentig kontrolliert'. Das Amt kümmere sich um eine professionelle und saubere Abwicklung. Das ist Alltagsgeschäft. Ein Senatsbericht im vergangenen Jahr hatte die Zahlen dazu aufgelistet. Zwischen 90 und 212 Transporte radioaktiven Materials gehen jährlich über Bremerhaven. Eine Atommüll-Drehscheibe.

Dass der aktuelle Transport bevorsteht, ist den betroffenen Ländern von den Bundesbehörden in einer sogenannten 48-Stunden-Meldung erst kurz vorher mitgeteilt worden, sagt Holger Bruns, Sprecher der Wirtschaftsbehörde. Der Transport sei vom Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt, Bremen habe davon lediglich Kenntnis bekommen und könne keinen Einfluss nehmen. Senatssprecher Hermann Kleen betont, dass Bürgermeister Böhrnsen bei seiner grundsätzlich Haltung zum Atomausstieg und auch zu Atomtransporten bleibe. Es wäre falsch, sagt er, den Atomausstieg jetzt wieder zurückzudrehen. Allerdings erklärt Kleen auch, dass der heutige Transport aus Sicht das Rathauses mit dem Fall vom vergangenen Herbst nicht vergleichbar sei. Bremen sei für heute lediglich von den Bundesbehörden informiert worden.

"Das muss jetzt aufhören"

Die Linken wollen die Regierung indes beim Wort nehmen. Der Bürgerschaftsabgeordnete Klaus-Rainer Rupp fordert den Senat auf, den heutigen Transport zu stoppen. 'Der Senat hat mehrfach bekräftigt, dass er Atomtransporte über das Land ablehnt.' Die Gefahr sei zu groß, um sich beschwichtigen zu lassen. Selbst die vermeintlich kleine Menge könne einen maximalen Schaden anrichten. Linkspolitiker Rupp: 'Die Verschieberei von radioaktivem Material über bremisches Gebiet muss jetzt und sofort aufhören.'

Der nächste Konflikt um Atomtransporte steht bereits nach dem Jahreswechsel ins Haus. Der Energieerzeuger E.on hat für das erste Quartal 2011 einen Transport plutoniumhaltiger Brennstäbe aus dem britischen Sellafield zum Kernkraftwerk Grohnde in Niedersachsen angekündigt. Die 16 Brennelemente, um die es dabei geht, könnten in Bremen, Bremerhaven oder Cuxhaven angelandet und auf der Straße weitertransportiert werden.

Es war genau diese Konstellation, die im September 2009 für den Streit gesorgt hat, als der damalige Ministerpräsident Christian Wulff Cuxhaven als Zielhafen ablehnte. Böhrnsen zog nach und lehnte den Transport für Bremer Landesgebiet ab. Hermann Kleen bestätigt, dass es in dieser Angelegenheit bei der 'klaren Haltung' des Bürgermeisters bleibe.

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