Diskussion über Bildungspolitik in der Bremer Bürgerschaft Auf der Suche nach der guten Schule

Bremen. Bildung im 21.Jahrhundert - wie sollte sie aussehen? Die Familienunternehmer ASU und die Wirtschaftsjunioren haben am Dienstag in die Bürgerschaft zu einer Debatte eingeladen, die in Bremen durch den Pisa-Schock selten ohne Emotionen abläuft.
04.05.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Rainer Kabbert

Bremen. Bildung im 21.Jahrhundert - wie sollte sie aussehen? Die Familienunternehmer ASU und die Wirtschaftsjunioren haben am Dienstag in die Bürgerschaft zu einer Debatte eingeladen, die in Bremen durch den Pisa-Schock selten ohne Emotionen abläuft.

Doch bevor die Diskussionsrunde aus Politikern und Wirtschaftsmanagern zu Wort kam, referierte der Pädagoge Bernhard Bueb über gelingende Erziehung. Der frühere Leiter des baden-württembergischen Internats Schloss Salem meint: Schulen sollten Kinder glücklich machen, und Glück erfahren Schüler, wenn sie von Erwachsenen (Lehrern) und Gleichaltrigen anerkannt werden.

Wie aber können Kinder in Bremer Schulen glücklich werden? Auf dem Podium wurden zahlreiche Mängel des Bildungssystems aufgelistet. ASU-Vorsitzender Peter Bollhagen erzählte von Berichtsheften und Bewerbungsschreiben mit "grauenhaften Deutschkenntnissen". Thomas Gerkmann von den Wirtschaftsjunioren sieht hier gar über die Jahre eine qualitative Verschlechterung. Und Ulrich Hackmack, Vorstand der Bremer Tageszeitungen AG (BTAG) wünscht manchen Bewerbern für eine Ausbildungsstelle aufgrund ihrer Schreibdefizite eine Vorausbildung.

Nicht auszuschließen, dass sich diese Defizite als Standortnachteil für Bremen erweisen. Jedenfalls erwähnte Thomas Ull (PricewaterhouseCoopers AG) Schwierigkeiten, hochqualifiziertes Personal an die Weser zu holen. Denn dazu gehöre auch die Aussicht auf ein gutes Bildungssystem.

Renaissance der Leistung

Was tun? Thomas von Bruch (CDU) forderte eine Renaissance der Leistung, die bei Schülern eingefordert werden müsse. Unterrichtsausfall sollte nach Ansicht von Magnus Buhlert (FDP) reduziert werden, in dem Personalversammlungen oder Fortbildungen nicht in die Unterrichtszeit gelegt werden. Hackmack stellte ein Projekt vor, für das sich die BTAG engagieren will: Mit erprobten wissenschaftlichen Methoden eines Instituts soll Grundschülern Schreiben beigebracht werden. Lutz Detring (Vorsitzender der Dachdeckerinnung) will unmotivierten Lehrern die Rote Karte zeigen.

Anja Stahmann (Grüne) und Mustafa Güngör (SPD) verteidigten die Bildungspolitik des Senats. Stahmann verwies auf 3,7 Millionen Euro, die in Sprachförderung investiert werden, Güngör stellte Risikolagen in den Vordergrund: Viele Kinder lebten in bildungsfernen Familien. Unerwartete Zustimmung für die Bremer Bildungspolitik kam von Jost Beilken (Die Linke): "Bremen ist auf dem richtigen Weg." So konnte Moderator Helge Matthiesen (Chefredaktion Weser-Kurier) die Veranstaltung mit versöhnlichem Fazit beschließen: "Man ist fair miteinander umgegangen."

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