Wirtschaftsressort: keine Auswirkung auf OTB Aus für Offshore mitten in der Nordsee

Offshore-Windparks weit draußen in der Nordsee bekommen auf unbestimmte Zeit keine Genehmigungen mehr – das hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) überraschend entschieden.
17.04.2015, 20:30
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Aus für Offshore mitten in der Nordsee
Von Peter Hanuschke

Offshore-Windparks weit draußen in der Nordsee bekommen auf unbestimmte Zeit keine Genehmigungen mehr – das hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) überraschend entschieden und die Projektfirmen darüber jetzt schriftlich informiert. Der Grund sind die reduzierten Ausbauziele, die aus dem im August novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hervorgehen.

Ob sich diese Entwicklung auf den geplanten 200 Millionen Euro teuren Offshore Terminal in Bremerhaven (OTB) negativ auswirken oder sogar das Aus bedeuten könnte, ist für Experten offen. Prognos, das Forschungsinstitut, das das OTB-Gutachten für den Senat erstellt hat, arbeitet an einer Einschätzung: „Wir sind dabei zu prüfen, welche Auswirkungen der Wegfall der so genannten Zonen 3, 4 und 5 auf den OTB haben könnten – das wird aber ein paar Tage dauern“, sagt Peter Kaiser von Prognos. Im Hause von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) werden negative Auswirkungen ausgeschlossen. Es habe sich an den Rahmendaten doch nichts geändert, so Holger Bruns, Sprecher im Bremer Wirtschaftsressort.

Die im EEG vereinbarten Ausbauziele für Offshore-Windparks bis 2020 beziehungsweise 2030 hätten weiterhin Bestand – das habe mit Windparks, die mehr als 100 Kilometer weit vor der Küste liegen, nichts zu tun. „Und das zählt für uns“, sagt Bruns. Man werde vielmehr weiter daran arbeiten, die Bedarfsnotwendigkeit im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens nachzuweisen.

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Seit der EEG-Novelle, die bis 2020 statt für zehn nur noch einen Ausbaupfad für 6,5 Gigawatt (GW) Leistung aus Offshore-Windparks vorsieht und bis 2030 von insgesamt 15 GW – ein GW entspricht der Leistung eines Atomkraftwerks –, werden die Genehmigungen daran gemessen, wie sinnvoll sie an Stromsammelstationen (Konverter) angeschlossen werden können. Und das ist aus Kostengründen mitten in der Nordsee nicht darstellbar.

Der Branche sei die Problematik der Netzwerkanschlüsse schon länger bekannt. „Jetzt hat sie die Auswirkungen, die auch im direkten Zusammenhang mit der EEG-Novelle stehen, schriftlich erhalten“, sagte Dirk Briese, Geschäftsführer des Bremer Marktforschungsinstituts Windresearch. „Das hatten wir in unseren Betrachtungen auch schon bereits berücksichtigt. In der Konsequenz ist diese Entwicklung als weiterer Beleg dafür zu sehen, weshalb der Bau des OTB derzeit nicht sinnvoll wäre.“

Vielleicht sorge die schriftliche Form nun dafür, dass Politik das Projekt OTB doch noch einmal überdenke. Man sollte die Energie derzeit weniger in den OTB stecken, sondern sich noch viel mehr dafür einsetzen, dass die Ausbauziele erweitert und die Problematik mit den Netzanschlüssen gelöst werden, so Briese. Wenn das erfolgreich wäre, könne am Ende dabei herauskommen, dass „auch der OTB wieder notwendig ist“.

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Für Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft, gibt es keine Alternative zum OTB. „Ich bin Ingenieur, und ich bin es gewohnt, dass sich letztlich die Dinge durchsetzen, die vernünftig sind – und das ist der OTB“, sagt er. Auch wenn der Großteil der Windkraftanlagen derzeit über Esbjerg in Dänemark oder Eemshaven in Holland umgeschlagen werden, biete erst der OTB die Möglichkeit, die hohen Logistikkosten auf ein erträgliches Maß reduzieren zu können. Dass es generell falsch gewesen sei, die Ausbauziele zu reduzieren, findet auch Schnorrenberger. „Das muss auch korrigiert werden – vorausgesetzt, man will die Energiewende nach wie vor erreichen, wovon ich nun einmal ausgehe.“

Den OTB in Frage zu stellen, sei immer legitim, schließlich gehe es dabei um eine ordentliche Investitionssumme findet Jens Eckhoff, Präsident der Stiftung Offshore-Windenergie. „Man sollte sich dabei aber auch die Frage stellen, welche Rolle Bremerhaven künftig im Zusammenhang mit Offshore-Windkraft spielen soll? Will man das Geschäft den anderen überlassen oder selber ein großes Stück vom Kuchen abbekommen?“

Und dass es ein großes Stück geben wird, davon ist Eckhoff überzeugt – egal, ob das BSH keine Genehmigungen für weit draußen in der Nordsee liegende Windparks mehr gebe. Dafür würden auch schon Frankreich, England, Holland und Dänemark mit sorgen, die drei GW pro Jahr bauen wollen – das entspreche sechs Windparks. Und für dieses Geschäft sei der OTB bestens geeignet.

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