Bremer Initiative skeptisch

Bahnlärm soll halbiert werden

Bremen. Union und SPD wollen bis 2020 den Schienenlärm in Deutschland halbieren. Notfalls soll dieses Ziel durch Nachtfahrverbote erreicht werden.
26.11.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Norbert Pfeifer und Ben Zimmermann
Bahnlärm soll halbiert werden

Der Lärm durch Züge soll bis 2020 halbiert werden – dieses Ziel wollen Union und SPD in Berlin im Koalitionsvertrag verankern.

Frank Thomas Koch

Union und SPD wollen bis 2020 den Schienenlärm in Deutschland halbieren. Notfalls soll dieses Ziel, das im Koalitionsvertrag verankert werden soll, auch durch Nachtfahrverbote für laute Güterwaggons erreicht werden. Die Handelskammer Bremen unterstützt das Vorhaben, für die Bremer Bahnlärm-Initiative dagegen ist es nicht ehrgeizig genug.

Neue Güterwaggons müssen schon seit vielen Jahren mit leisen Bremsen ausgestattet sein. Bei den alten Zügen ist das überwiegend noch nicht der Fall. Das soll sich nun ändern. „Den Schienenlärm wollen wir bis 2020 deutschlandweit halbieren“, heißt es im Beschlusspapier der Arbeitsgruppe Verkehr, Bau und Infrastruktur für den Koalitionsvertrag von Union und SPD im Bund. Laute Güterwaggons sollen demnach rasch lärmmindernde Bremsen erhalten, ab 2020 sollen sie nicht mehr auf der Schiene fahren dürfen. Der Stand der Umrüstung wird demnach 2016 überprüft. Sollte bis dahin nicht die Hälfte der Güterwagen die neuen Bremsen haben, „werden wir noch in dieser Wahlperiode ordnungsrechtliche Maßnahmen auf stark befahrenen Güterstrecken umsetzen – zum Beispiel Nachtfahrverbote für nicht umgerüstete Güterwagen“, heißt es in dem Papier. Mit der Vorlage, die unserer Zeitung vorliegt, wird sich heute die große Runde der Verhandler in Berlin abschließend beschäftigen.

„Das löst das Lärmproblem nicht“

Für das Bundesverkehrsministerium ist das Ziel „sicherlich erreichbar“. Eine Sprecherin verweist darauf, dass der Bund bis 2020 die Umrüstung der Güterzüge mit 152 Millionen Euro bezuschussen wird.

Auch Andreas Otto, Geschäftsführer für den Bereich Standortpolitik, Häfen und Verkehr bei der Handelskammer Bremen, unterstützt das Vorhaben: „Wir müssen den Lärm durch den Schienenverkehr reduzieren, denn er wird von den Menschen mehr und mehr als Belastung angesehen.“ Am besten sei das Ziel zu erreichen, indem man den Lärm an der Quelle bekämpfe – „und da sind neue Bremsen ein geeignetes Mittel“. Finanzielle Anreize, etwa höhere Trassenpreise für laute Züge, seien eine Möglichkeit. „Aber irgendwann kommt auch der Punkt, wo man sagen muss: Wir verbieten diese alten Bremsen jetzt.“

Das Bremer Logistik-Unternehmen BLG wäre vom Vorhaben der geplanten großen Koalition in Berlin nicht betroffen. „Wir haben 1300 eigene Waggons, und diese sind alle mit Flüsterbremsen ausgestattet“, sagt BLG-Sprecher Hartmut Schwerdtfeger.

So weit ist die Deutsche Bahn zwar noch lange nicht, doch auch das Großunternehmen hält die Umrüstung der alten Waggons für den richtigen Weg. Bis 2020, so ein Sprecher, will die Bahn die Bremsen sämtlicher Güterwagen erneuert haben. Das von Union und SPD angedachte Sanktionsmittel eines Nachtfahrverbots, falls die angestrebten Ziele nicht erreicht werden, lehnt der Sprecher allerdings ab: „Das ist aus unserer Sicht nicht der richtige Weg.“

Die Bremer Bahnlärm-Initiative dagegen würde Nachtfahrverbote für Waggons mit alten Bremsanlagen am liebsten sofort umsetzen – und auf Sonntage ausweiten. Sonst fehle der Druck auf die Bahn und ihre Konkurrenz, endlich die Wagen umzurüsten, sagt Sprecher Walter Ruffler. Ein entsprechender Antrag an den Senat wurde gestern Abend in den Regionalausschuss „Bahnlärm“ der Ortsbeiräte eingebracht. Der Ausschuss nahm ihn an.

Ruffler bezweifelt außerdem, dass allein neue Bremsen die Lärmbelastung halbieren könnten. Rund zehn Dezibel leiser müssten die Waggons dafür werden; ein Experte habe aber ausgerechnet, dass die Umrüstung nur fünf Dezibel bringen würde. Ruffler: „Das löst das Lärmproblem an den Hauptverkehrsstrecken überhaupt nicht.“

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