Commerzbank stellt sich neu auf Banken buhlen um vermögende Bremer

Die Commerzbank stellt sich in Bremen im Wealth Management neu auf. Das ist in Bremen gar nicht so einfach, denn die Konkurrenz ist groß: Gut ein Dutzend Spieler buhlt um vermögende Kunden.
12.09.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Banken buhlen um vermögende Bremer
Von Maren Beneke

Die Commerzbank stellt sich in Bremen im Wealth Management neu auf. Das ist in Bremen gar nicht so einfach, denn die Konkurrenz ist groß: Gut ein Dutzend Spieler buhlt um vermögende Kunden.

Als Detlef Lindenau 1996 den Windenergiedienstleister Reetec gründete, ist er gestartet, wie es so oft bei Gründern ist: ohne Rentenversicherung. Aber so ganz ohne finanzielle Absicherung ging es dann doch nicht. Das wusste auch Lindenau. Also legte er sein überschüssiges Geld an. In Renten- und Immobilienfonds, in Rohstoffe oder in Aktien.

Mittlerweile arbeiten mehrere Hundert Menschen für Reetec, das Unternehmen gehört zu den führenden seiner Branche. Doch trotz dieser positiven Geschäftsentwicklung lässt Lindenau sein Geld weiter für sich arbeiten. „Wer sein Geld jetzt auf dem Konto liegen lässt, ist wahnsinnig“, sagt er. Denn in Zeiten von extrem niedrigen Zinsen verliert das Ersparte an Wert.

Mit dem Geld der Kunden arbeiten, das will auch Andreas Setzer. Seit Anfang Juni leitet er bei der Commerzbank in Bremen das Wealth Management. Ein Bereich, den der Konzern am Standort ausgebaut hat. Mit den zehn neuen Angestellten kümmern sich nun 28 Mitarbeiter darum, das ihnen anvertraute Vermögen möglichst zu vermehren.

Banken buhlen um Vermögen der Unternehmer

Das sei an einem Standort wie Bremen eine Herausforderung, sagt Setzer. Denn die Konkurrenz ist groß: Gut ein Dutzend Spieler buhlt um vermögende Kunden. Dennoch ist Setzer zuversichtlich. „Die aktuellen Entwicklungen sind gut für uns“, sagt er. Es gibt Filialschließungen, einige Banken haben sich ganz aus Bremen zurückgezogen. „Wir wollen stark vertreten bleiben.“

Daher hat die Commerzbank nicht nur die Zahl ihrer Mitarbeiter vergrößert, das Wealth Management ist nun auch in Verden und Bremerhaven vertreten. Gerade die Seestadt werde oft unterschätzt, meint Setzer. Dort gebe es Unternehmen aus Branchen wie der Fischwirtschaft oder der Logistik, die sich über Generationen entwickelt hätten. „Da ist auf jeden Fall Geld vorhanden.“

Von Bremen aus betreut das Wealth Management der Commerzbank aktuell mehr als 3000 Einzelkunden, bei den Familienverbünden – dazu zählen Kunden und ihre Angehörigen, die aus einer Hand betreut werden – kommt der Konzern am Standort auf etwa 1000. Im vergangenen Jahr ist die Bremer Sparte der Commerzbank nach Angaben von Setzer über dem Schnitt gewachsen: Der Markt habe bei vier Prozent gelegen, in der Hansestadt sei man mit einem Plus von 90 Millionen Euro auf fünf Prozent gekommen.

"Der Bremer ist genau"

Und auch die ersten Monate 2016 sind laut dem Bereichsleiter gut angelaufen: Allein im ersten Quartal kamen demnach noch einmal 35 Millionen Euro hinzu. Insgesamt verwaltet die Bank am Standort nun 1,7 Milliarden Euro Assets. „Der Bremer ist genau. Er wägt Chancen und Risiken ab, ist aber auch bereit, für bestimmte Renditen ins Risiko zu gehen“, beschreibt Setzer seinen typischen Kunden. Ihm gehe es darum, dass das Vermögensmanagement dem Unternehmen nützt, aber auch die private Vorsorge garantiert.

Reetec-Chef Lindenau unterscheidet strikt zwischen seinem privaten und dem Firmenvermögen. Sein eigenes Geld legt er nach eigenen Angaben zu 60 Prozent konservativ an. „Wer meint, dass er aus fünf Euro 15 machen kann, der sollte es gleich vergessen“, sagt er.

80 Prozent der Kunden von Andreas Setzer haben, so wie Lindenau, einen unternehmerischen Hintergrund. Bei konservativen Geldanlagen komme man bei der Commerzbank auf etwa zwei Prozent Rendite, bei risikoreicheren Investments könnten es bis zu sechs Prozent werden. So oder so steht für Setzer fest, dass Aktien immer ein Teil der Vermögensanlage sein sollten, vor allem deutsche Aktien wie Titel aus dem M-Dax. Aber wer sein Geld in Aktien anlegt, muss Geduld mitbringen: Mindestens drei, eher fünf Jahre müssten es schon sein. Setzer selbst baut außerdem auf Immobilienfonds.

Die Krise als Chance nutzen

Auch Lindenau hat nach eigenen Angaben in Immobilien investiert, auch mit Fonds habe er gute Erfahrungen gemacht. Eines schließt er aber konsequent aus: In IT-Firmen oder Start-ups legt er sein Geld nicht an. „Ganz einfach weil ich weiß, was es bedeutet, ein eigenes Unternehmen aufzubauen“, sagt Lindenau. Mit dem Firmenvermögen geht er „ganz, ganz konservativ“ um, weil er alles dafür tun wolle, dass jeder Mitarbeiter seine Rente bekommt.

Ein Patentrezept habe aber auch er noch nicht gefunden, sagt der Unternehmer. Er handele aber stets antizyklisch – die Krise als Chance nutzen lautet sein Credo. Nach eigenen Angaben investierte er um die Jahrtausendwende, als die erneuerbaren Energien am Boden waren, massiv in diesen Bereich – wie sich im Nachhinein herausstellte ganz offenbar mit Erfolg.

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