Alkohol am Steuer

Beck's trennt sich von Deutschlandchef

Der Deutschlandchef des Getränkekonzerns Anheuser-Busch InBev, Till Hedrich, hat seinen Job verloren. Er soll unter Alkoholeinfluss einen Autounfall verursacht haben. Er war nur fünf Monate im Amt.
02.06.2015, 11:22
Lesedauer: 4 Min
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Beck's trennt sich von Deutschlandchef
Von Kristina Läsker

Vielleicht hätte sich Till Hedrich das zierliche Piktogramm mehr zu Herzen nehmen sollen. Auf die Rückseite der grünen Beck’s-Flaschen ist ein weißes Auto gezeichnet. Das Fahrzeug ist von einem Kreis umgeben und der ist durchgestrichen. Die Botschaft ist unmissverständlich: Kein Alkohol am Steuer, heißt das.

Diese Maxime aber hat Hedrich, bislang Deutschlandchef von Beck’s-Hersteller Anheuser-Busch Inbev (AB Inbev), nun den Job gekostet. Der Konzern mit Deutschlandsitz in Bremen habe sich „mit sofortiger Wirkung“ von Hedrich getrennt, bestätigt ein Sprecher. Der Grund: Der 44-jährige Topmanager hatte Alkohol getrunken und dann einen Autounfall verursacht.

Passiert ist das Ganze bereits Ende April, doch erst am Montag haben die Mitarbeiter offiziell vom Abgang ihres Chefs erfahren, danach sickerte das Ganze an die Öffentlichkeit. Ein Monat Stille – das könnte auch zeigen, dass der Unfall für AB Inbev mehr als eine harte Schlagzeile ist. Denn es geht auch um die Glaubwürdigkeit des Herstellers.

Seit Jahren finanziert der größte Bierhersteller der Welt AB Inbev (Marken: Beck’s, Franziskaner, Hasseröder, Diebels) die deutschlandweite Kampagne „Geklärt, wer fährt“ – und wirbt für 0,0 Promille am Steuer. Längst hat der belgisch-brasilianische Konzern einen Verhaltenskodex für die 150.000 Mitarbeiter aufgestellt. Darin ist klar festgehalten, dass Alkohol am Steuer insbesondere für Führungskräfte personelle Konsequenzen hat. Dementsprechend deutlich kommentiert AB Inbev den Rauswurf: Wegen der „Vorbildfunktion in der Funktion des Deutschlandchefs war das die einzige mögliche Konsequenz“, sagt der Sprecher.

Geschehen ist der Unfall in Bayern, auf der A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen. Es war der Tag vor dem 1. Mai und Hedrich war auf dem Weg vom Flughafen München nach Hause. Seine Familie, der Manager hat zwei Kinder, wohnt in Murnau. Was genau geschah, ist dem Bericht der Polizei-Inspektion in Weilheim zu entnehmen. Demnach ist Hedrich mit seinem Audi einem VW aufgefahren. „Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass alle drei Insassen des VW verletzt und anschließend ins Krankenhaus verbracht wurden“, heißt es. Eine Stunde lang sei die Autobahn gesperrt gewesen, beide Wagen wurden abgeschleppt, geschätzter Schaden: 72.000 Euro. Beim Fahrer habe ein Alkoholtest „eine erhebliche Alkoholisierung“ ergeben.

Alkohol am Steuer gilt vielen im Land als Bagatell-Delikt und entsprechend häufig werden auch Prominente betrunken am Steuer erwischt: Die wohl bekannteste Alkoholsünderin ist Margot Käßmann. 2010 fuhr die einstige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche bei Rot über eine Kreuzung und direkt der Polizei in die Arme, die mehr als 1,5 Promille maß. Kurz darauf trat Käßmann zurück. Im Oktober 2008 kam der österreichische Politiker Jörg Haider ums Leben. Der Rechtspopulist war im Dienstwagen gegen einen Betonpfeiler geprallt, sein Fahrzeug überschlug sich mehrmals. Haider hatte 1,8 Promille Alkohol im Blut. Im Mai 2014 raste der Ex-Radprofi Jan Ullrich mit seinem Wagen in ein anderes Auto. Dabei wurden zwei Menschen verletzt. Ullrich sprach von einem „Riesenfehler“. Er werde sich „nie wieder mit einem Tropfen Alkohol ans Steuer setzen“.

Für AB-Inbev-Manager Hedrich dürfte der glimpflich beendete Unfall einen harten Schnitt in der Karriere bedeuten. Er muss den Brauerei-Konzern nach vielen Jahren verlassen. Bereits 1996 hatte der Manager bei Spaten-Franziskaner angeheuert und sich seither hochgearbeitet. In der Deutschlandzentrale in Bremen war Hedrich vor fünf Monaten als Chef angetreten. Er war der neunte deutsche Geschäftsführer in zwölf Jahren. Der Job gilt intern als Sprungbrett, nun ist er verwaist. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt Europachef Stuart MacFarlane den Posten.

Bierbranche kämpft mit Überkapazitäten

Wer auch immer antreten wird, hat viel zu tun. Der Grund: Die weltweite Bierbranche kämpft mit Überkapazitäten. In traditionellen Märkten wie Deutschland geht der Bierkonsum schon seit Jahren zurück, trotz eines Zwischenhochs im vergangenen Sommer während der Fußball-WM. Anfang der 90er-Jahre hatte jeder erwachsene Deutsche im Schnitt mehr als 140 Liter Bier pro Jahr getrunken, heute sind es nur noch 106 Liter. Vielfach versuchen Brauerei-Konzerne, sich dem mit höheren Preisen und neuen Strategien entgegenzustemmen.

In Deutschland macht AB Inbev zwar noch Gewinn, doch auch hier schrumpft der Absatz. Ex-Chef Hedrich hatte deshalb eine Kampfansage ausgegeben: Mit den drei höherpreisigen Bieren Beck’s, Corona und Franziskaner soll der Konzern mittelfristig den deutschen Marktführer Krombacher übertrumpfen, so der Plan. Doch das ist ein weiter Weg: Beck’s ist in Deutschland nach Absatz nur die Nummer 5. Um das Image zu verbessern und das höhere Preissegment zu erschließen, hatte Hedrich zuletzt drei international inspirierte neue Beck’s-Sorten herausgebracht: Pale Ale, Amber Lager und ein spezielles Pils.

Der Aufstieg bei Premium-Bieren ist nicht die einzige Herausforderung des kommenden Chefs: Er muss sich auch das Vertrauen der 2800 Mitarbeiter erarbeiten, denn das ist zuletzt erschüttert worden: 2014 hatten Geschäftsführer und Arbeitnehmervertreter heftig um einen Stellenabbau gerungen. Wegen des Rückgangs im Bierkonsum hatte der Konzern mehr als 150 Mitarbeiter in Produktion und Logistik in Bremen abbauen wollen. Das Ganze endete per Kompromiss: Die Mitarbeiter verzichten auf eine tarifliche Erhöhung der Löhne, dafür gibt es keine betriebsbedingten Kündigungen. Die 150 Stellen werden bis 2017 über freiwillige Austritte und natürliche Fluktuation abgebaut.

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