Bremer Bildungsbehörde

Bericht zeigt Auswirkungen der Kürzungen

Bremen. Vor den Sommerferien ist die Umschichtung von Lehrerstunden bekannt geworden. Darauf sind Proteste von Eltern, Lehrern und Schülern gefolgt, die bis heut andauern. Jetzt werden die Konsequenzen aus den Kürzungen deutlich.
15.10.2011, 05:00
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Bericht zeigt Auswirkungen der Kürzungen
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Seit Wochen protestieren Eltern, Lehrer und vor allem Schüler für eine bessere finanzielle Ausstattung des Bildungsbereichs. Auslöser war eine kurz vor den Sommerferien bekannt gewordene Umschichtung von Lehrerstunden. Welche Konsequenzen diese für die Schulen hatte, zeigt jetzt ein Papier, das am Donnerstagabend der Bildungsdeputation vorgelegt wurde.

Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) hatte seinerzeit Lehrerstunden vor allem aus den gymnasialen Oberstufen abgezogen, um sie den Grundschulen und der Inklusion, also dem gemeinsamen Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung oder speziellem Förderbedarf, zukommen zu lassen. Sie sah sich nach ihren Angaben dazu gezwungen, um eine Überziehung ihres Personalbudgets zu verhindern. Und immerhin: Haushälterisch hatte die Maßnahme offenbar Erfolg. Carl Othmer, Staatsrat im Bildungsressort, erklärte in der Deputation, nach momentanem Stand werde das Budget nun eingehalten. Wobei eingehalten hier heißt, dass es mit einem Minus von 1,5 Millionen Euro im von der Finanzbehörde erlaubten Überziehungsrahmen liegt.

Nicht nur diese Zahl wurde den Deputierten vorgelegt, sondern auch ein Bericht, den der bildungspolitische Sprecher der CDU, Thomas vom Bruch, beantragt hatte. Darin enthalten: Antworten auf die Frage, wie welche Schule die Kürzungen an der Oberstufe umgesetzt hat. Und diese Antworten lesen sich dann mitunter nicht mehr ganz so erfreulich - darin sind sich Vertreter aller Parteien einig.

29 statt 21 Schüler im Kurs

Am Alten Gymnasium wurde zum Beispiel ein Chemie-Grund- mit einem Leistungskursus gekoppelt. In den gemeinsamen Stunden sitzen dann 29 Schüler im Unterricht. Am Hermann-Böse-Gymnasium wurden aus sieben Grundkursen Deutsch fünf gemacht. Die Folge: Im Durchschnitt sind die Kurse mit 29,8 Schülern besetzt statt wie vorher mit 21,3 - und das im Abiturjahr.

Es sind diese Posten, bei denen auch die bildungspolitischen Sprecher der Regierungsfraktionen Kritik üben. "Es war nicht beabsichtigt, dass es an einigen Stellen zu solchen Problemen kommt", sagt etwa die Grüne Sülmez Dogan, die insbesondere die Zusammenlegung von Grund und Leistungskursen und den Wegfall von Deutsch-Förderstunden - wie etwa am Hermann-Böse-Gymnasium - kritisch sieht. Mustafa Güngör (SPD) findet es "ärgerlich, dass in die Qualifikationsphase eingegriffen wurde". Zwar hält er, wie Dogan, Kurszusammenlegungen in Grundkursen mitunter für vertretbar - ein Mathematikkurs mit 29 Schülern, wie es ihn am Gymnasium an der Hamburger Straße nach der Zusammenlegung gibt, ist aber auch ihm ein Dorn im Auge.

In der Opposition wird man grundsätzlicher in der Kritik. So sieht sich Linken-Fraktionschefin Kristina Vogt in ihrer Befürchtung bestätigt, dass die Kursvielfalt unter den Kürzungen leiden könnte. Sie hat dafür konkrete Beispiele: Ein Philosophiekurs am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium etwa, der nicht stattfindet, weil nur zwölf Schüler ihn gewählt haben. Oder der Leistungskurs Spanisch, der am Gymnasium Horn nicht mehr angeboten wird.

Thomas vom Bruch kommentiert die Antwort auf seine Berichtsbitte ebenfalls kritisch. Dass in Oberschulen Differenzierungsstunden gestrichen worden seien, bedeute eine Schwächung in der Förderung von leistungsstarken wie leistungsschwachen Kindern. Als größten Verlierer sieht der Christdemokrat allerdings die Gymnasien, die in ihrer Qualität und Breite stark eingeschränkt würden. Auch bemängelt er, dass die Behörde immer noch nicht offengelegt habe, an welche Schulen eigentlich die gekürzten Stunden in welchem Umfang geflossen seien.

Antworten erhofft er sich von der Großen und Kleinen Anfrage, die die CDU in die Bürgerschaft eingebracht hat. "Es ist nach wie vor notwendig, dass dieses Thema noch einmal eine parlamentarische Behandlung erfährt", sagt vom Bruch, der in dem Papier immerhin auch Gesprächsbereitschaft erkennt. Die Behörde kündigt darin nämlich auch an, dass bei den Härtefällen, insbesondere bei zu stark frequentierten Kursen und Grund-Leistungskurskopplungen, nach Rücksprache mit den Schulen nachgebessert werden soll.

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