Ein politisches Naturtalent

Beto O'Rourke will Präsidentschaftskandidat werden

Beto O'Rourke wird schon mit Barack Obama und John F. Kennedy verglichen. 2020 möchte der Texaner für die Demokraten gegen Amtsinhaber Trump bei der Präsidentschaftswahl antreten.
16.03.2019, 09:19
Lesedauer: 3 Min
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Beto O'Rourke will Präsidentschaftskandidat werden
Von Thomas Spang
Beto O'Rourke will Präsidentschaftskandidat werden

Beto O’Rourke will Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten werden.

Daniel Acker/ Reuters

Der Kandidat muss auf einen Tisch klettern, um sich im Coffeeshop von Keokuk im ersten Vorwahlstaat Iowa Gehör zu verschaffen. „Treten Sie wirklich an?“, fragte ein interessierter Zuhörer, der Robert O’Rourke von den Senatswahlen in Texas im vergangenen Jahr kannte. Damals verlor der charismatische Kongressabgeordnete aus der Grenzstadt El Paso, der seit seiner Kindheit „Beto“ gerufen wird, sensationell knapp mit nur knapp drei Prozentpunkten gegen Ted Cruz. „Ich trete an, um Ihnen als Präsident der Vereinigten Staaten zu dienen“, bestätigte der gertenschlanke Kerl auf dem Tisch, dessen Haarpracht an den jungen John F. Kennedy erinnert. Andere haben ihn mit Barack Obama verglichen, mit dessen blumiger Rhetorik O’Rourke konkurrieren kann. Wieder andere denken an Ronald Reagan, dessen Unbekümmertheit und Optimismus er ausstrahlt.

Tour durch TV-Studios

Dass er ein politisches Naturtalent ist, stellte er nicht nur im Wahlkampf in Texas unter Beweis. Obwohl er in den Umfragen noch im einstelligen Bereich auftaucht, drängen sich Neugierige und Reporter um ihn, wo auch immer Kandidat Nummer 14 in Iowa auftaucht. Zur „Beto-Mania“ trägt eine Titelgeschichte von „Vanity Fair“ bei, für die Starfotografin Annie Leibovitz das Titelbild fotografierte. Es zeigt O’Rourke auf einer Straße in der Prärie von Texas mit den Händen in den hinteren Hosentaschen seiner Jeans, ein Hemd locker in die Hose gesteckt.

Vor seinen Terminen in Iowa machte Beto seine Runde durch die Fernsehstudios und veröffentlichte ein Video auf den sozialen Medien. In dem dichten Gedränge des Bewerberfelds verkauft sich O’Rourke darin als eine Art Über-Kandidat, der von jedem seiner Konkurrenten etwas bietet. Der 46-Jährige kündigte an, am 30. März werde er in seine Heimatstadt zurückkehren, „um die größte Graswurzelkampagne in der Geschichte unseres Landes zu starten“. In El Paso soll auch das Hauptquartier seines Wahlkampfs liegen. Während der Kandidat bisher wenig Organisation aufgebaut hat, warnen Analysten davor, daraus voreilige Schlüsse zu ziehen.

Ohne einen einzigen Dollar an Spenden aus der Industrie oder politischen Aktionskomitees gelang es dem früheren IT-Unternehmer, in Texas über Kleinspenden die Rekordsumme von 38 Millionen Dollar einzunehmen. Ungefragt erhielt der Hobby-Gitarrist Unterstützung unter anderem der Musiker Willie Nelson und Beyonce oder des Basketball-Profis LeBron James.

Kein Wunder, dass seine Wettbewerber im demokratischen Kandidatenfeld, aber auch Präsident Donald Trump schnell versuchen, Schwachstellen hervorzuheben. Die parteiinterne Kritik reicht von den fehlenden Errungenschaften während seiner Zeit im Kongress über seine angebliche Schwammigkeit bei Herzensanliegen des progressiven Flügels der Partei bis hin zur mangelnden Unterstützung für andere Demokraten in Texas.

Kandidat der Mitte

O’Rourke positioniert sich als Kandidat der Mitte, die weitgehend unbesetzt blieb. Außer ihm zielt bisher nur der andere Star im Rennen, Kamala Harris, auf das Zentrum, während Bernie Sanders und Elizabeth Warren darum ringen, die Bannerträger der Parteilinken zu werden. Schwieriger wird es für O’Rourke, wenn Joe Biden ins Rennen eintritt.

Donald Trump wittert inzwischen auch schon die Gefahr des charismatischen Texaners, der ihn jüngst bei einem Besuch in El Paso mit einer Kundgebung herausgefordert hatte. Der Präsident versuchte ihn auf Twitter und vor Reportern im Weißen Haus als „Linksaußen“ abzustempeln, der „offene Grenzen“ wolle. Seine „verrückte“ Handgestik werfe die Frage auf, ob mit ihm alles in Ordnung sei? O’Rourke ließ das routiniert an sich abperlen. „Ich hab dazu nichts zu sagen“, reagierte er auf entsprechende Reporterfragen. „Die Menschen möchten, dass wir über diese Petitessen hinauswachsen.“

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