Erforschung kardiologischer Erkrankungen Bremen ist eine Herzinfarkt-Hochburg

In Bremen erleiden deutlich mehr Menschen einen Herzinfarkt als in anderen Bundesländern. Und: Im kleinsten Bundesland sterben auch überdurchschnittlich viele Patienten an den Folgen eines schweren Infarkts.
03.02.2017, 19:51
Lesedauer: 3 Min
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Bremen ist eine Herzinfarkt-Hochburg
Von Sabine Doll

In Bremen erleiden deutlich mehr Menschen einen Herzinfarkt als in anderen Bundesländern. Und: Im kleinsten Bundesland sterben auch überdurchschnittlich viele Patienten an den Folgen eines schweren Infarkts.

Das geht aus einem bundesweiten Bericht hervor, den die Deutsche Herzstiftung in Frankfurt am Main jetzt vorgelegt hat. Demnach sind es in Deutschland im Schnitt 59 Herzinfarkt-Tote pro 100.000 Einwohner – Bremen liegt mit 73 Sterbefällen deutlich darüber und kommt damit an sechster Stelle im Bundesländervergleich.

Am wenigsten Menschen sterben an den Folgen eines Herzinfarkts in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin. Die Daten für den Herzbericht, den die Frankfurter Stiftung regelmäßig herausgibt, stammen aus den Jahren 2014 bis 2015.

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„Diese Entwicklung gibt es in Bremen bereits seit vielen Jahren, deshalb müssen wir unbedingt noch aktiver und intensiver in der Erforschung, Aufklärung und Prävention von Herzerkrankungen werden“, sagt Rainer Hambrecht, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Herzzentrum Bremen und Vorsitzender der Stiftung Bremer Herzen. Vor allem in sogenannten sozial benachteiligten Stadtteilen ist die Rate besonders hoch, wie eine Studie der Bremer Stiftung zeigt.

In Bezug auf die Risikofaktoren wiesen die Patienten in diesen Stadtteilen einen höheren Raucheranteil auf als in sozial bessergestellten Stadtvierteln, sie waren häufiger übergewichtig und litten an anderen Erkrankungen wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck.

Ein Herzinfarkt treffe nicht nur Ältere: In mindestens zehn Prozent der Fälle seien die Patienten jünger als 50 Jahre, in acht Prozent sogar unter 45 Jahre. Hambrecht: „Das ist hochdramatisch.“ In vielen Fällen bleibe zudem eine Herzschwäche zurück, die zu Invalidität und Frühverrentung führen könne. „Diese Entwicklung müssen wir umkehren.“

Erstmals medizinische Professur

Um die Forschung und Ausbildung auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Bremen zu intensivieren, hat die Stiftung jetzt erstmals eine medizinische Professur am Standort Bremen ins Leben gerufen. „Das gibt es sonst nur in Städten mit Universitätskliniken und ist einzigartig für das Land Bremen“, betont Hambrecht. Die Professur wurde in Kooperation mit der Universität Lübeck eingerichtet.

Neben der universitären Lehre sieht sie vor allem die Forschung am Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung vor, das 2013 von der Stiftung gegründet wurde. Inhaber der Bremer Stiftungsprofessur ist Harm Wienbergen, der bereits seit Längerem für die Stiftung arbeitet und das Forschungsinstitut leitet. Der Kardiologe kommt vom Herzzentrum Heidelberg-Ludwigshafen.

An dem Bremer Institut hat sich der Herzspezialist bereits mit mehreren Projekten und Studien befasst: Dazu gehört das Herzinfarkt-Register, in dem die Daten von mehr als 8000 Patienten gespeichert sind, die über einen Zeitraum von zehn Jahren nachverfolgt werden. „Dies ist das bundesweit größte Herzinfarkt-Register“, so Hambrecht.

Andere Studie geht bald zu Ende

In Planung ist ein weiteres Forschungskonzept in Kooperation mit der Universität Lübeck und der Technischen Universität München, bei dem es darum geht, wie gut Präventionsmaßnahmen greifen. Eine andere Studie des Instituts mit 300 Patienten gehe demnächst zu Ende: Sie haben an einem intensiven Nachsorgeprogramm teilgenommen, wobei sie über einen längeren Zeitraum von speziell geschulten Präventionsberatern begleitet wurden und auch die Telemedizin zum Einsatz kam.

Die Ergebnisse sollen im Frühjahr auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vorgestellt werden. „Ein Ergebnis ist, dass diese Patienten deutlich profitiert haben, was die Prognose ihrer Erkrankung und die Beibehaltung eines herzgesunden Lebensstils betrifft“, so Hambrecht.

Bremer Herztage

Die Stiftung Bremer Herzen veranstaltet jedes Jahr Bremer Herztage, Schwerpunkt ist die Prävention. In diesem Jahr will die Stiftung in Stadtteile gehen, wo der Bedarf an Prävention besonders groß sei. „Wir müssen in Bremen zu einer Herzkümmerer-Stadt werden“, fordert der Chefarzt.

Die Stiftungsprofessur hat aus Sicht des Kardiologen auch eine große Bedeutung für den Medizinstandort Bremen: „Das bringt Innovation und die neusten Methoden nach Bremen. Darüber hinaus können sich junge Ärzte erstmals akademisch in Bremen weiterentwickeln.“

Für ihre Promotion würden sie ansonsten an Universitätsstandorte wechseln, ihre Doktorarbeit können sie nun auch bei dem neuen Stiftungsprofessor schreiben. „Das macht Bremen attraktiv für hoch motivierte und an der Forschung interessierte Ärzte, und davon profitieren die Patienten“, betont Hambrecht.

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