Bildung Bremen lehnt Bürgerschulen ab

Bremen. Der Vorstoß eines Bremer Schulleiters für Bürgerschulen mit freien oder öffentlich-rechtlichen Trägern stößt in der Bildungsbehörde auf Ablehnung. Staatsrat Carl Othmer sprach von einer Einzelmeinung. Wenig halten auch SPD und CDU von der Idee, Zustimmung kam von der FDP.
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Von Elke Hoesmann

Bremen. Der Vorstoß eines Bremer Schulleiters für Bürgerschulen mit freien oder öffentlich-rechtlichen Trägern stößt in der Bildungsbehörde auf Ablehnung. Staatsrat Carl Othmer sprach von einer Einzelmeinung. Wenig halten auch SPD und CDU von der Idee, Zustimmung kam von der FDP. Unterschiedliche Ansichten gibt es beim Zentralelternbeirat.

Othmer sagte im Interviewmit dem WESER-KURIER, nur staatliche Schulen garantierten, dass alle Kinder das gleiche Bildungsangebot und gleiche Chancen hätten. Die Schulen könnten auch heute schon sehr viel in Eigenverantwortung entscheiden.

Auch der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Mustafa Güngör kritisierte den Vorschlag. Private Schulen führten zu sozialer Ausgrenzung und sollten in Bremen die Ausnahme bleiben, sagte er gestern.

Helmut Zachau, Schulleiter und Mitinitiator der Schulleitervereinigung, hatte im Interview mit dem WESER-KURIER für selbstständige Schulen als Anstalten des öffentlichen Rechts plädiert. Es gehe ihm nicht um neue Privatschulen, betonte er am Mittwoch auf einer Podiumsdiskussion des Wohlfahrtsverbandes „Der Paritätische“, sondern um die „Steuerung der pädagogischen Fähigkeiten“, um mehr Eigenverantwortung und weniger staatliche Reglementierung. Dass im Bildungsbereich einiges im Argen liege, zeigten auch die positiven Reaktionen auf seinen Vorstoß: „Wenn Kollegen diesen als ,mutig’ loben, ist das schon ein deutlicher Hinweis auf den Zustand an den Schulen“, meinte Zachau.

Auch der „Paritätische“ fordert seit Längerem einen Systemwechsel weg von staatlichen Schulen. Das Bremer Schulsystem sei stark von Ausgrenzung geprägt, sagte Gerd Wenzel, Vorsitzender im Verbandsrat des „Paritätischen“. In der Bildungsbehörde fehlten Kreativität und Konzepte, um dies zu ändern. Neue Träger könnten die „verkrusteten, hierarchischen Strukturen“ aufbrechen.

Nach Wenzels Vorstellungen wäre eine Bürgerschule in Bremen schon in zwei Jahren denkbar. Falls nächstes Jahr mit allen Beteiligten darüber intensiv gesprochen würde, könnte 2012 eine bestehende Schule „in Form eines Eigenbetriebs“ in die Eigenständigkeit entlassen werden. Würde diese freie Schule vier bis fünf Jahre als Modell laufen, so Wenzel, wäre dies eine Riesenchance für weitere Veränderungen.

Unterstützung für den Vorstoß Zachaus kommt von den Liberalen: „Die Schule steht zwar unter Aufsicht des Staates, muss aber keine Veranstaltung des Staates sein“, sagte der FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Magnus Buhlert. Allerdings sollten private und freie Einrichtungen auf Schulgeld verzichten, um Ausgrenzung zu verhindern.

Die CDU geht dagegen auf Distanz zur Idee der Bürgerschule. „Zachaus Pauschalkritik kann ich so nicht teilen“, sagte gestern der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Claas Rohmeyer. „Es wird nicht funktionieren, indem man nur das Label austauscht.“ Zur Weiterentwicklung staatlicher Schulen gebe es keine Alternative.

Ähnlich sieht dies auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Braucht man für mehr schulische Autonomie und inhaltliche Impulse tatsächlich ein neues rechtliches System?“, fragte Gewerkschafter Hajo Kuckero. Wenn mehr Flexibilität gefordert werde, könne dies auf Kosten der Beschäftigten gehen, warnte er und nannte als Beispiel das Reinigungspersonal und die pädagogischen Mitarbeiter an Bremer Schulen. Die würden bereits schlechter bezahlt. Kuckero mahnte: „Im Fahrwasser einer Bürgerschule könnten auch ökonomische Überlegungen realisiert werden.“

Die Unterfinanzierung der Bremer Schulen sei das eigentliche Problem, findet Linken-Sprecher Jost Beilken: „Nicht das Staatliche ist gescheitert in der Bildung; es fehlen die Ressourcen.“

Beim Zentralelternbeirat (ZEB) ist man unterschiedlicher Ansicht über die Bürgerschule. 50 Prozent begrüßten das Modell, sagte ZEB-Mitglied Andrea Spude. Die andere Hälfte wünsche sich nach der aktuellen Bildungsreform erst einmal Ruhe und Kontinuität. Bevor eine neue Debatte beginne, so das Argument, müssten die Folgen der Reform abgewartet werden. Zachau sprach am Mittwoch von einer „Anweisungsreform“, die Entmündigung fördere und die inhaltliche Debatte zurückfahre. Die Behörde drehe an den falschen Stellschrauben.

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