Banken wollten bei Umbaukosten nicht mehr mitmachen Bremen muss fürs Weserstadion bürgen

Bremen. Werder im Strudel, und nun auch das noch: Beim Weserstadion-Umbau hat es nach WESER-KURIER-Informationen offenbar massive Finanzierungsprobleme gegeben. Bremen ist mit einer Bürgschaft eingesprungen.
15.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremen muss fürs Weserstadion bürgen
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Werder im Strudel, und nun auch das noch: Es stand offenbar Spitz auf Knopf beim Umbau des Weserstadions zu einer reinen Fußballarena. Wie am Donnerstag von der Stadiongesellschaft bestätigt wurde, ist die Stadt mit einer Bürgschaft eingesprungen, um die weitere Finanzierung der Arbeiten zu garantieren. Werder wiederum musste den Banken zusichern, die Einnahmen aus den Untermietverhältnissen im Stadion zu erhöhen.

Der Umbau des Stadions sollte ursprünglich 60 Millionen Euro kosten und Ende 2009 fertig sein. Beide Ziele ließen sich nicht halten. Bei der Finanzierung musste gleich zweimal nachgelegt werden. Den ersten zusätzlichen Kredit hatten die Banken noch ohne Probleme bewilligt, beim zweiten Darlehensantrag war dann aber Schluss. "Es wurden weitere Sicherheiten verlangt, darunter eine Bürgschaft der Stadt", sagt Manfred Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadiongesellschaft, die zur einen Hälfte Werder gehört und zur anderen der Stadt.

Bremen, notorisch klamm und eigentlich zu keinerlei Mehrausgaben bereit, steht beim Stadionausbau nun für zehn Millionen Euro gerade, so viel war von den Banken zuletzt nachgeschossen worden. Das erste Darlehen belief sich auf 6,5 Millionen Euro. Die Gesamtkosten liegen damit mittlerweile bei 76,5 Millionen Euro.

"Auf Knirsch finanziert"

"Der Stadionumbau ist auf Knirsch finanziert", heißt es aus Senatskreisen. Offiziell bestätigen will dort niemand, dass eine Bürgschaft der Stadt notwendig war, um bei den Banken weiteres Geld locker zu machen. "Wir halten uns an die Verschwiegenheitspflicht", verlautet aus dem Finanzressort, das mit Staatsrat Henning Lühr (SPD) im Aufsichtsrat der Stadiongesellschaft vertreten ist.

Ganz allgemein wird von der Behörde darauf hingewiesen, dass die Stadt nur dann Bürgschaften übernehme, wenn sicher sei, dass sie nicht gezogen würden und dann tatsächlich Geld fließen müsste. Letztlich gehe es meist darum, bei den Banken verbesserte Konditionen für die Kredite zu erreichen.

Manfred Müller, bei Werder bis vor anderthalb Jahren als Geschäftsführer für Marketing und Finanzen zuständig, beklagt das veränderte Gebaren bei der Kreditvergabe: "Insgesamt sind die Banken in den vergangenen Jahren humorloser geworden." Vermutungen, dass die Mehrkosten beim Stadionumbau eine der Ursachen für die akute Finanzkrise bei Werder sein könnten, weist Müller entschieden zurück: "Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun."

Im Gegenteil, so Müller: "Werder wird mit dem Umbau Geld verdienen." Als Beispiel nennt er die höheren Einnahmen im vergrößerten und verbesserten VIP-Bereich. "Der Verein geht nicht ins Risiko und holt etwas raus dabei, wo gibt es das sonst?"

Warum die Stadiongesellschaft zweimal einen Nachschlag benötigte, um den Ausbau der Fußballarena zu finanzieren, hatte Werder-Chef Klaus Allofs unter anderem damit begründet, dass es im Winter Terminverzögerungen gegeben habe und zusätzliche Maßnahmen für den Brand- und Hochwasserschutz nötig geworden seien. Vor allem aber, so Allofs, solle das Stadion, an dem seit drei Jahren gebaut wird, noch stärker auf die Zukunft ausgerichtet werden - mit elektronischer Zutrittskontrolle, einem bargeldlosen Ticketsystem und weiteren Optimierungen, zum Beispiel im VIP-Bereich.

Planänderungen

Die ersten Pläne für den Stadionumbau hatten noch ganz anders ausgesehen. Durch einen dritten Rang sollten 8000 zusätzliche Plätze geschaffen werden, die Flutlichtmasten wären dann weg gewesen. Doch kurz vor Beginn der Bauarbeiten rückten die Verantwortlichen von dieser großen Lösung wieder ab. Zu teuer, hieß es. Sorgen bereiteten insbesondere die stark gestiegenen Stahlpreise.

Die Stadt hatte damals kategorisch ausgeschlossen, das Problem durch eine Kapitalerhöhung bei der Stadiongesellschaft zu lösen. Werder war ebenfalls nicht bereit, mehr Geld zu geben, und wollte seine freien Mittel lieber in den Spielbetrieb der Profis investieren. Das Stadion, eines der wenigen in Deutschland, das noch seinen alten Namen trägt und nicht den eines kapitalkräftigen Großsponsors, hat deshalb weiterhin nur 42000 Plätze, ist aber innen und außen grundlegend verändert worden.

Zur Feuerprobe kommt es, wenn Werder am 2. August ein Freundschaftsspiel gegen den englische Premier-League-Club FC Everton absolviert. Ein Test nicht nur auf dem Rasen, sondern im ganzen Stadion. Erstmals wird unter den Bedingungen eines Massenbesuchs die neue Elektronik ausprobiert. Bei der Eingangskontrolle, aber auch beim bargeldlosen Bezahlsystem mit der Werder-Card.

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