Band "Kategorie C - Hungrige Wölfe" kündigt Auftritt an

Bremen muss Rechtsrock-Konzert zulassen

Bremen. Die Band „Kategorie C - Hungrige Wölfe“ kündigt für Sonnabend ein Konzert in Bremen an. Das Landesamt für Verfassungsschutz stuft sie als rechtsextremistisch und gewaltbereit ein. Doch der Auftritt kann offenbar nicht verhindert werden.
21.11.2011, 16:20
Lesedauer: 3 Min
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Bremen muss Rechtsrock-Konzert zulassen
Von Birgit Bruns

Bremen. Die Band „Kategorie C - Hungrige Wölfe“ kündigt für kommenden Sonnabend ein Konzert in Bremen an. Das Landesamt für Verfassungsschutz stuft die Gruppe als rechtsextremistisch und gewaltbereit ein. Doch der Auftritt kann offenbar nicht verhindert werden.

Bereits seit einigen Wochen beschäftigt sich Hans-Joachim von Wachter, Leiter des Bremer Landesamts für Verfassungsschutz, mit dem geplanten Auftritt. Die Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ (KC) wird im Verfassungsschutzbericht 2010 unter dem Stichwort „gewaltbereite Rechtsextremisten“ aufgeführt. Mehrere Mitglieder sind demnach überzeugte Rechtsextremisten. Doch das reicht offenbar nicht, ein KC-Konzert zu verhindern. Es gibt laut von Wachter schlichtweg keine Handhabe.

„KC ist schon lange am Markt“, sagt er. Die Texte seien früher gewaltverherrlichend gewesen. Doch mittlerweile habe die Band dazu gelernt und ihre Texte und ihr Verhalten der Rechtslage angepasst. Daher sei ihr nicht beizukommen. Dass das Publikum bei Rechtsrock-Konzerten erfahrungsgemäß immer wieder „Sieg Heil“ skandiere und den Hitlergruß zeige, könne rechtlich gesehen nicht der Band angelastet werden, erklärt der Verfassungsschützer. Da sei die Polizei gefragt, die bei solchen Straftaten einschreiten könne. Doch von Wachter räumt ein, dass das angesichts der bei solch einem Konzert üblichen „Gemengelage“ eher die Ausnahme sei. In erster Linie sei die Polizei dafür da, die Sicherheit bei einem solchen Auftritt zu gewährleisten. „Ich bin mir aber sicher, dass die Polizisten einschreiten, wenn sie einen Hitlergruß sehen“, sagt er.

Innenbehörde appelliert an Vermieter

Ein weiteres Problem: Laut der Bremer Innenbehörde mieten die Veranstalter von Rechtsrock-Konzerten die Räume in der Regel unter falschen Angaben an. Um das zu unterbinden, hat die Bremer Innenbehörde vor einigen Wochen 380 Vereine und 67 Betreiber von Vereinsheimen in Bremen und Bremerhaven angeschrieben. Laut Pressesprecher Rainer Gausepohl wurden sie gebeten, sich bei der Polizei zu melden, falls ein Fremder für den 26. November einen Raum anmieten will. Bisher habe allerdings keiner den Kontakt gesucht.

Generell hält sich die Bremer Innenbehörde im Vorfeld des Rechtsrock-Konzertes eher bedeckt - vor allem, was die Vorbereitungen der Polizei angeht. „Die Polizei hat das auf dem Schirm, die werden sich darum kümmern“, versichert Gausepohl. Details will er indes nicht verraten, um „der Gegenseite nicht in die Hände zu spielen.“ Daher ist wenige Tage vor dem Konzert nicht zu erfahren, wie viele Beamte am Sonnabend bereit gehalten werden. Gausepohl verrät nur so viel: „Der Staatsschutz ist vor Ort.“ Außerdem würden alle beteiligten Polizisten vorab über verbotene Zeichen und Lieder informiert, um gegebenenfalls einschreiten zu können.

Linke fordert deutliches Signal

Für die Bremer Linksfraktion reicht das nicht aus. „Offenbar hat das Innenressort schon eine Woche vor dem Konzerttermin die Segel gestrichen“, sagt Kristina Vogt, die innenpolitische Sprecherin der Fraktion. Zwar sei auch ihrer Fraktion klar, dass solch ein Konzert nicht so einfach zu unterbinden sei, erläutert Linken-Sprecherin Doris Achelwilm. Dennoch erwartet sie von Innenbehörde und Polizei mehr Aktivitäten. Beispielsweise sollten die Besitzer der Veranstaltungsräume darauf hingewiesen werden, dass sie von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und das Konzert auch kurzfristig ablehnen können. „Der Senat muss der Öffentlichkeit zeigen, dass es ihm ein ernsthaftes Anliegen ist“, sagt Achelwilm.

Die Bremer CDU hält sich in der Debatte eher zurück. „Polizei und Verfassungsschutz sind sehr aufmerksam“, sagt Wilhelm Hinners, innenpolitischer Sprecher der Partei. Eine Forderung hat er allerdings doch: Straftaten wie das Zeigen des Hitlergrußes müssten konsequent geahndet werden.

Wo das Konzert stattfinden wird, ist noch nicht klar. In der Szene ist es laut des Verfassungsschutzes üblich, den Ort sehr kurzfristig per SMS-Kette zu verbreiten. Das Konzert zu Pfingsten hatte im Oslebshauser Vereinsheim des SV Grambke-Oslebshausen stattgefunden. Der Bremer Verfassungsschutz hält es „nicht für unmöglich“, dass die Veranstalter dem Ort treu bleiben werden.

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