Probleme bei der Sicherungspflicht

Bremen verschärft Waffenkontrollen

Bremen. Die Zahlen sind erschreckend: 75 Prozent der in den vergangenen Wochen kontrollierten Waffenbesitzer hatten ihre Gewehr und Pistolen nicht sicher verstaut. Das fand die Bremer Innenbehörde bei unangemeldeten Kontrollen heraus.
28.08.2010, 07:44
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Von Arno Schupp
Bremen verschärft Waffenkontrollen

Waffen Revolver Schusswaffen Pistole Gun

dpa

Bremen. Die Zahlen sind erschreckend: 75 Prozent der in den vergangenen Wochen kontrollierten Waffenbesitzer hatten ihre Gewehr und Pistolen nicht sicher verstaut. Das fand die Bremer Innenbehörde bei unangemeldeten Kontrollen heraus.

Bei unangemeldeten Überprüfungen fand die Waffenbehörde Schusswaffen in unverschlossenen Wohnzimmerschränken, auf Dachböden, in Kellern. In einem Fall diente sogar ein Karton mit der Aufschrift 'Christ-Stollen' als Depot.

Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sprach gestern gegenüber unserer Zeitung von 'katastrophalen Zuständen' und kündigte an, den Druck auf Besitzer registrierter Waffen zu erhöhen: 'Sie müssen künftig täglich mit einer Überprüfung rechnen.' In Bremen gibt es rund 6500 registrierte Waffenbesitzer, außerdem sind etwa 20000 Schusswaffen im Verkehr, heißt es aus dem Innenressort.

Das Gros ist im Besitz von Sportschützen, bei einem Teil der Waffen handelt es sich um Familienerbstücke, und einige dienen sicherlich auch dazu, ihren Besitzern ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln. Eines haben sie alle gemein: Im neuen Waffengesetz ist klar geregelt, wie sie gelagert werden müssen: sicher verschlossen. Doch daran hält sich offenbar nicht jeder. Erlassen wurde das neue und schärfere Waffengesetz nach dem verheerenden Amoklauf vom 11. März 2009 im baden-württembergischen Winnenden.

Damals hatte Tim K. an seiner Schule und später bei seiner Flucht 15 Menschen erschossen. Schließlich tötete sich der Amokschütze selbst - mit einer Waffe, die seinem Vater gehörte. Sie hatte in einem unverschlossenen Schrank im Schlafzimmer gelegen

Der Amoklauf löste damals eine bundesweite Diskussion über eine Verschärfung des Waffenrechts aus, bei der Mäurer ein grundsätzliches Verbot großer Kaliber forderte. So weit wollte die Bundesregierung dann aber doch nicht gehen.

Eine andere Bremer Forderung ist jedoch ins neue Waffenrecht aufgenommen worden. Seit Ende August 2009 muss jeder Besitzer einer sogenannten erlaubnispflichtigen Schusswaffe oder von Munition der Waffenbehörde jederzeit Zutritt zu den Räumen zu gestatten, in denen diese Dinge aufbewahrt werden. Das alte Waffenrecht ließ unangemeldete Kontrollen hingegen nicht zu.

Die Bremer Waffenbehörde hat von den registrierten Waffenbesitzern nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes zunächst schriftlich einen Nachweis darüber gefordert, wie sie ihre Gewehre und Pistolen so gesichert haben, dass Unbefugte sie nicht an sich bringen können. Doch offenbar fühlte sich längst nicht jeder Waffenbesitzer verpflichtet, Auskunft zu geben - vielleicht auch in der Hoffnung, dass die mit drei Stellen sehr knapp besetze Waffenbehörde nicht jeden der 6500 Bremer Waffenbesitzer kontrollieren kann. Doch die Behördenmitarbeiter rückten trotzdem aus.

Bisher gab es bei 90 Waffenbesitzern eine Vor-Ort-Überprüfung, 'und nur in 23 Fällen hatten unsere Mitarbeiter keine Beanstandungen', sagte Mäurer gestern. 19 Schusswaffen wurden sofort sichergestellt, 44 Waffenbesitzer haben ihre Gewehre und Pistolen noch an Ort und Stelle abgegeben. 'Angesichts dieser hohen Quote von Verstößen halte ich eine Intensivierung der Kontrollen unbedingt für notwendig', kommentierte der Innensenator gestern.

Nur rund 500 der insgesamt 6500 Bremer Waffenbesitzer haben der Behörde bisher nachgewiesen, dass sie ihre Gewehre und Pistolen ordnungsgemäß gesichert aufbewahren. Der Rest muss mit Kontrollen rechnen. Um diesen Arbeitsaufwand trotz der knappen Personalstellen in der Waffenbehörde überhaupt leisten zu können, hat Mäurer einige bereits pensionierte Polizeibeamte eingespannt. 'Ab dem ersten September haben wir sieben weitere Mitarbeiter in der Waffenbehörde. 'Dies ist eine zeitlich begrenzte Maßnahme, die dazu dient, den durch die gesetzliche Neuregelung aufgetretenen Kontrollaufwand möglichst schnell abzuarbeiten und die Sicherheit der Waffenaufbewahrung zügig zu verbessern.'

Nach der Verschärfung des Waffengesetzes hat sich die Zahl der Besitzer von Gewehren und Pistolen in Bremen um rund 1000 reduziert. Ende April dieses Jahres waren rund 1500 legal und illegal besessene Pistolen, Gewehre und Messer von den Behörden vernichtet worden, die bei einer bundesweiten Amnestieregelung von August bis Dezember 2009 bei Polizei und Stadtamt abgegeben worden sind.

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