Konzept "Voll im Blick" gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen

Bremen will stärker gegen Komasaufen vorgehen

Bremen. Die Zahlen steigen: 402 Jugendliche wurden im Schuljahr 2008/09 im Land Bremen mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik eingeliefert. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2002. Mit dem Projekt "Voll im Blick" will Bremen stärker gegen das Komasaufen vorgehen.
06.07.2010, 13:53
Lesedauer: 2 Min
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Bremen will stärker gegen Komasaufen vorgehen
Von Birgit Bruns
Bremen will stärker gegen Komasaufen vorgehen

Komasaufen: Dieser unkontrollierte Alkoholkonsum betrifft vor allem Jugendliche (Symbolbild).

dpa

Bremen. Die Zahlen steigen: 402 Jugendliche wurden im Schuljahr 2008/09 im Land Bremen mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik eingeliefert. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2002. Mit dem Projekt "Voll im Blick" will Bremen stärker gegen das Komasaufen vorgehen.

Bei dem Projekt steht die Prävention im Mittelpunkt, es soll also gar nicht erst so weit kommen, dass Jugendliche sich betrinken. Dafür sollen all die Stellen in Bremen zusammen arbeiten, die mit alkoholisierten Jugendlichen in Berührung kommen: die Polizei, die Kliniken, das Amt für soziale Dienste und die Schulen. Fällt ein Jugendlicher durch übermäßigen Alkoholkonsum auf, soll er künftig gleich an das "Zentrum für schülerbezogene Beratung" beim Bremer Landesinstitut für Schule (LIS) weitergeleitet werden.

Dort findet etwa zwei Wochen nach der Trunkenheit ein Gespräch mit dem Jugendlichen statt. "Wir geben das Signal, dass wir sie verstehen, aber uns auch Sorgen um sie machen", erläutert Rolf Günther vom Landesinstitut für Schule (LIS), der das Projekt mit initiiert hat. Seiner Erfahrung nach kommt das bei vielen Jugendlichen gut an. Die meisten blieben sogar freiwillig länger, um sich noch intensiver unterhalten zu können.

Abenteuer statt Alkoholrausch

Sollte das Gespräch nach Meinung der Experten allerdings nicht fruchten, kommen die Jugendlichen in eine erlebnispädagogische Gruppe. "Jugendliche suchen nach Grenzerfahrungen", erklärt Martin Claßen, Chefarzt an der Kinderklinik am Klinikum Links der Weser. Damit sie sich künftig nicht mehr bis zur Besinnungslosigkeit betrinken, müsse man ihnen eine andere Art von Grenzerfahrung bieten, argumentiert der Arzt. Er denkt da an Abenteuer wie Kajak fahren oder Klettern an der Steilwand.

Vergleichbare Projekte in anderen deutschen Städten zeigen laut Günther bereits Erfolge. "Die Jugendlichen finden die Angebote gut und greifen danach tatsächlich seltener zur Flasche", sagt Günther. Das erhofft er sich auch für Bremen. Das Projekt startet sofort, nach sechs Monaten soll der Erfolg überprüft werden.

Innensenator setzt weiter auf Testkäufe

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer(SPD) unterstützt das Projekt "Voll im Blick". "Die Vernetzung ist unsere einzige Chance", sagt er. Im Kampf gegen jugendliche Trinker setzt der Senator außerdem weiter auf Alkoholtestkäufe. Wie Mäurer berichtet konnte beim letzten Testlauf im Frühsommer etwa jeder zweite jugendliche Testkäufer unter 18 Jahren ohne Probleme hochprozentigen Alkohol kaufen. Viele Kassiererinnen ließen sich zwar den Ausweis zeigen, rechneten dann das Alter aber nicht nach, so dass die Ausweiskontrolle laut Mäurer sinnlos sei.

"Es muss mehr geschehen", fordert Mäurer. Er sieht vor allem den Sport in der Pflicht: Wenn Werder Bremen den Pokalsieg auf dem Rathausbalkon feiere, sei es schlichtweg ein falsches Signal, dass dem Trainer ein Krug Bier über den Kopf gegossen wird. "Der Sport muss sich deutlich absetzen vom Alkohol", fordert der Senator.

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