Präsidentin stützt Geschäftsführung Bremer AWO weist Kritik zurück

Bremen. Zwischen den AWO-Kreisverbänden Bremen und Bremerhaven hat sich mittlerweile ein Streit entwickelt. Bei der Frage nach personellen Erneuerung an den Verbandsspitzen hat sich die Bremer AWO-Präsidentin Eva-Maria Lemke-Schulte hinter die Geschäftsführung gestellt.
23.02.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Rainer Kabbert

Bremen. Zwischen den AWO-Kreisverbänden Bremen und Bremerhaven hat sich mittlerweile ein Streit entwickelt. Nachdem Bremerhaven eine personelle Erneuerung an den Spitzen des AWO-Landesverbands wie auch des Kreisverbands Bremen gefordert hatte, stellt sich nun die Bremer AWO-Präsidentin Eva-Maria Lemke-Schulte hinter die Geschäftsführung: "Die Kritik an unserem hauptamtlichen Vorstand entbehrt jeder Grundlage", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Rücktrittsforderung des Bremerhavener AWO-Geschäftsführers Volker Tegeler bezeichnete sie als einmaligen und höchst bemerkenswerten Vorgang. Diese Forderung sei eine unhaltbare Einmischung in Belange des Bremer Kreisverbands.

Der Bremerhavener AWO-Chef Tegeler hatte am Montag im WESER-KURIER die Aufarbeitung geschäftlicher Unregelmäßigkeiten in der Bremer AWO in den 90er- Jahren und neue Strukturen gefordert. Sie sollten eine Wiederholung desaströser Geschäftspraktiken verhindern und ein neues AWO-Image ermöglichen. Dies, so Tegeler, sei nur durch "unbelastete Leute" möglich. Er bezieht sich auch auf den jetzigen AWO-Chef Burkhard Schiller, der in den 90-er Jahren stellvertretender Geschäftsführer war, sowie die AWO-Landesvorsitzende Ute Wedemeier (seit 1993), die auch im Aufsichtsrat des Bremer Kreisverbands sitzt.

Der AWO-Kreisverband Bremen hatte im Januar einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Es wird wahrscheinlich im April eröffnet. Probleme bereiten vor allem verheerende Mietverträge, die der frühere AWO-Geschäftsführer Hans Taake abgeschlossen hat.

AWO-Präsidentin Lemke-Schulte ist überzeugt: "Die Bremer Arbeiterwohlfahrt hat längst die Konsequenzen aus dem Fall Taake gezogen - der im übrigen zwölf Jahre zurückliegt." Der damalige Geschäftsführer sei zur Verantwortung gezogen worden und habe über eine Million D-Mark Schadenersatz geleistet. Der Vergleich beinhalte, dass danach die Auseinandersetzung nicht öffentlich weitergeführt werden dürfe.

Zudem weist Lemke-Schulte - sie ist auch Aufsichtsrats-Vorsitzende des AWO-Kreisverbands Bremen - auf umfassende Reformen hin: Die AWO habe einen hauptamtlichen Vorstand, eine professionelle Unternehmensplanung, ein funktionierendes Controlling und kompetente Aufsichtsgremien. Die Struktur mit ehrenamtlichem Präsidium, Aufsichtsrat und hauptamtlichen Management sei ein Modell, das sich im Zuge der Professionalisierung der Wohlfahrt in Deutschland durchgesetzt habe.

Im Gespräch mit dem WESER-KURIER präzisiert sie allerdings auch, dass der ehrenamtliche AWO-Aufsichtsrat nicht für die Kontrolle des operativen Geschäfts des Vorstands zuständig ist. Wer aber dann?

Vielleicht wird darüber auch im AWO-Ausschuss diskutiert, der Ideenskizzen für die neue AWO mit einer neuen Satzung liefern soll. Im April soll sie, heißt es in informierten Kreisen, zeitnah mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf den Weg gebracht werden. Im Ausschuss arbeiten zur Zeit Lemke-Schulte und ihr Stellvertreter im Aufsichtsrat. "Doch wer mitarbeiten will, kann es tun", sagt die AWO-Präsidentin.

Lemke-Schulte sieht die AWO in der letzten Phase der Sanierung und ist zuversichtlich, dass Insolvenzverwalter Edgar Grönda eine Lösung für die Mietverträge findet, die der Bremer Arbeiterwohlfahrt das Leben schwer machen. "Jetzt kommt es darauf an, dass jeder seinen Beitrag zur Sanierung leistet, statt sich mit Spekulationen zu profilieren."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+