Kein Geld für Schwimmbäder

Bremer Bäder stecken tief in roten Zahlen

Bremen. Den Bremer Bädern geht es schlecht. Im vergangenen Jahr haben die Badeanstalten schon wieder Miese gemacht. Geschäftsführer Dirk Schumaier sagt aber, in keiner anderen Großstadt würden Bäder so wirtschaftlich betrieben.
10.01.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Bäder stecken tief in roten Zahlen
Von Michael Brandt
Bremer Bäder stecken tief in roten Zahlen

Die kleine Lara spielt mit ihrem Großvater im Südbad. Die Anlage am Neustadtswall arbeitet im Gegensatz zu vielen andere

Christina Kuhaupt

Bremen. Den Bremer Bädern geht es schlecht. Im vergangenen Jahr haben die Badeanstalten schon wieder Miese gemacht. Den Bädern geht es aber auch gut: Geschäftsführer Dirk Schumaier sagt, in keiner anderen Großstadt würden Bäder so wirtschaftlich betrieben. Bis Ende Januar will eine Senatsarbeitsgruppe ein Zukunftskonzept für die Bäder erarbeiten.

Den Haushältern der Stadt bereiten die Bremer Hallen-, Kombi- und Freibäder keine große Freude. Noch liegt der Jahresabschluss für 2011 nicht vor, aber zuletzt hatte die Bäder-Gesellschaft mit einem Rückgang auf 1,69 Millionen Gäste gerechnet und steuerte einen Jahresabschluss mit rund 390000 Euro minus an. Bis zur Jahresmitte, sagt Geschäftsführer Dirk Schumaier, lief noch alles genau nach Plan. Dann blieben mit dem verregneten Sommer auch die Besucher aus, und die Zahlen brachen ein. Die Bäder mussten lernen: Es ging in der zweiten Jahreshälfte noch schlechter als bisher angenommen.

Der Ausweg: Bis Ende des Monats will eine Senatsarbeitsgruppe ihr Konzept vorlegen, wie die Zukunft der Bäder gestaltet werden kann. Wobei nach den früheren Debakeln niemand über eine Bäder-Schließung nachdenke. Das betonen sowohl Dirk Schumaier als auch das zuständige Sportressort unter der Führung von Senator Ulrich Mäurer (SPD). Frühere Schließungspläne zum Beispiel für das Horner Bad und das Schlossparkbad in Sebaldsbrück hatten gezeigt, mit welchem Widerstandspotenzial bei den Betroffenen zu rechnen ist.

Der Arbeitskreis sucht stattdessen einen anderen Ausweg aus der Finanznot der Bäder: Erstens wird nach weiteren Einsparmöglichkeiten im laufenden Betrieb geforscht. Zweitens wird bekanntlich ein Konzept aufgestellt, unter welchen Bedingungen die Bäder auch das Unibad übernehmen können. Und drittens geht es um den allgemeinen Finanzrahmen - also um die Frage, ob die Bäder-GmbH mehr Geld aus dem Haushalt bekommt. Die Gesellschaft befindet sich zum weit überwiegenden Teil in Bremer Besitz.

Es geht auch teuer

"Bäder sind ein Zuschussgeschäft. Es sei denn, sie werden komplett privat betrieben", sagt Dirk Schumaier. Als gutes Beispiel für ein Privatprojekt gilt in der Branche die Therme Erding. Dort kostet eine Tageskarte für eine Familie mit vier Personen am Wochenende regulär 120 Euro. Geschäftsführer Schumaier: "Wollen wir das? Meine Antwort ist: Nein." Zum Vergleich: Ins Freizeitbad Vegesack kommen zwei Erwachsene und zwei Kinder für 10,80 Euro.

Schumaier, seit 2007 in Bremen, ist erkennbar stolz auf die Wirtschaftsdaten, die das Unternehmen präsentieren kann. Zuletzt haben sich die Bäder in Deutschland 2010 verglichen. "Wir haben einen Kostendeckungsgrad von mehr als 70 Prozent. Es gibt keine andere Bädergesellschaft in einer Großstadt, die das hinbekommt", betont der Bäder-Chef. Das Südbad am Neustadtswall macht mit 103 Prozent sogar Gewinn, das Vitalbad in der Vahr liegt bei 69 Prozent. Beispielbäder aus Köln und Hagen liegen bei 36 und 19 Prozent Kostendeckung. Die positive Folge aus Sicht der Bremer Betreiber: Mit einem öffentlichen Zuschuss von rund 1,70 Euro pro Besucher "stehen wir in den bundesweiten Vergleichen sehr gut da", so Schumaier.

Obwohl 2011 noch einmal weniger Gäste in die Bäder gekommen sind, sieht der Geschäftsführer darin keinen allgemeinen Trend. Die Gästezahl stagniere auf hohem Niveau um 1,8 Millionen. Die Bremer gingen drei- bis viermal pro Jahr ins Bad. Der Wert sei gut, hier sehen die Bäder kaum Steigerungspotenzial.

Wäre es nicht eine machbare Lösung, einfach von jedem Besucher 50 Cent oder einen Euro mehr zu kassieren, um das Defizit über das Eintrittsgeld aufzufangen? Schumaier zufolge ist das keine Lösung. Seiner Ansicht nach würden die Kunden das nicht mitmachen und im Zweifelsfall in die Umland-Bäder gehen. Auch eine Reduzierung der Öffnungszeiten und eine Absenkung der Wassertemperatur lehnt er ab. Die Bäder erhöhen die Preise regelmäßig um rund 2,5 Prozent, meist sind es dann zehn Cent mehr. Ein größerer Sprung sei nicht verträglich, so der Geschäftsführer.

Schumaier kommt unter dem Strich zu dem Schluss, dass die Bäder ihre Hausaufgaben gemacht haben. Folglich: "Die Bremer Bäder bekommen von der Stadt keine auskömmliche Finanzierung." Die Bäder könnten mit dem, was sie aus dem Haushalt der Stadt erhalten, nicht hinkommen; die jährlichen Defizite sind somit nach Schumaiers Argumentation unausweichlich. Er beziffert, was die Bädergesellschaft von der öffentlichen Hand bekommen müsste, um nicht Jahr für Jahr Negativ-Schlagzeilen zu produzieren. Rund 3,3 Millionen Euro erhalten die Bäder jährlich als Zuschuss für den laufenden Betrieb, das strukturelle Defizit - also der Mehrbedarf - liege bei einer halben Million Euro.

Dazu kommen die Investitionen. Wenn es bei jährlich 800000 bis 1,2 Millionen Euro Investitionszuschuss bleibt, "wird sich die Bäder-Substanz weiter verschlechtern". Den Bedarf an Sanierungen und Investitionen beziffert Schumaier auf 48 Millionen Euro in den kommenden sieben bis acht Jahren. Eingerechnet sind dabei auch Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung. An erster Stelle steht das Westbad. "Seit dem Bau vor 35 Jahren ist hier nicht wirklich etwas passiert. Wir stehen an einem Punkt, an dem man sich über eine Grundsanierung Gedanken machen muss."

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