Eine Frage der Branche Bremer gehören zu den Spitzenverdienern

Die Löhne in Deutschland steigen. Und auch die Beschäftigten in Bremen profitieren davon. Sehr sogar. Im bundesweiten Vergleich verdienen nur Angestellte aus Hamburg, Hessen und Baden-Württemberg mehr.
22.01.2016, 00:00
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Bremer gehören zu den Spitzenverdienern
Von Stefan Lakeband

Die Löhne in Deutschland steigen. Und auch die Beschäftigten in Bremen profitieren davon. Sehr sogar. Im bundesweiten Vergleich verdienen nur Angestellte aus Hamburg, Hessen und Baden-Württemberg mehr. Diese Zahlen hat die Arbeitnehmerkammer Bremen am Donnerstag in Bremen bekannt gegeben.

3776 Euro monatlich. Das war der durchschnittliche Bruttoverdienst eines Vollzeitbeschäftigten vergangenes Jahr in Bremen. Bundesweit waren es 160 Euro weniger. Das zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, auf die sich die Arbeitnehmerkammer beruft. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern (2785 Euro), Spitzenreiter Hamburg (4034 Euro). Niedersachsen kommt mit einem Durchschnittsverdienst der Vollzeitbeschäftigten von 3435 Euro auf Platz zehn.

Diese Zahlen mögen überraschen, fällt der Bremer Arbeitsmarkt ansonsten durch eine stabil hohe Arbeitslosenquote auf. Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, hat für das gute Ergebnis aber eine Begründung. „Die Industrie zieht Bremen nach oben“, sagt er. Vor allem in diesem Wirtschaftszweig gebe es viele Beschäftigte mit Tariflohn. Und der sei bei Autobauern wie etwa Daimler, dem Stahlwerk Arcelor-Mittal, vielen Werften in Bremerhaven und der Luft- und Raumfahrtbranche mit Konzernen wie Airbus recht hoch.

Zudem sei Bremen ein Oberzentrum für die gesamte Region. Hier bündeln sich, so Schierenbeck, anspruchsvolle Dienstleistungen, die ebenfalls gut bezahlt werden. Er zählt beispielsweise Versicherungen dazu. Auch das trage zu einem hohen Durchschnittslohn bei.

Die Auswertung der Arbeitnehmerkammer zeigt aber auch: Job ist nicht gleich Job. Hinter dem Durchschnittswert liegen deutliche Unterschiede, die sich zu einem Großteil auf die Ausbildung der Beschäftigten zurückführen lässt: Während Arbeitnehmer in leitender Stellung im Schnitt 6323 Euro verdienen, bekommt ein ungelernter Arbeiter nur 2079 Euro. „Hieran zeigt sich, dass sich Ausbildung lohnt“, sagt der Geschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. „Insbesondere in Bremen.“

Wie sehr, das zeigt die Statistik zum Verdienst der Fachkräfte. Hierzu zählen alle Arbeitnehmer mit einer Berufsausbildung die auch eine entsprechende Tätigkeit ausüben. Im bundesweiten Ranking kommt Bremen hier sogar mit durchschnittlich 3289 Euro auf Platz zwei. Spitzenreiter ist Baden-Württemberg, wo Fachkräfte durchschnittlich nur fünf Euro mehr bekommen. Einen „Champions-League-Platz“ nennt Schierenbeck das. Der Deutschland-Durchschnitt liegt bei knapp 3000 Euro.

Großer Unterschied zwischen Industrie und Dienstleistungsbereich

Bei einem Blick auf die Branchen zeigt sich schnell, wie groß auch der Unterschied zwischen der Industrie und dem Dienstleistungsbereich ist. An erster Stellen liegen Beschäftigte aus dem Fahrzeugbau (4741 Euro), gefolgt vom Maschinenbau (3840 Euro). Auf den letzten Plätzen liegen wiederum der Einzelhandel (2326 Euro) und das Gastgewerbe (1922 Euro). Darauf weist auch Mechthild Schrooten, Wirtschaftsprofessorin an der Hochschule Bremen hin. „Die Musik kommt eindeutig aus dem verarbeitenden Gewerbe.“ Hier bestimmten vor allem die Tarifabschlüsse der IG Metall das Gehalt der Angestellten.

Damit verglichen sei schon arm dran, wer im Dienstleistungssektor arbeite. Ähnlich starke Unterschiede gibt es auch bei den Geschlechtern. Insgesamt verdienen weibliche Beschäftigte rund 21 Prozent weniger als Männer in Bremen.

Verzerrt werden diese Zahlen allerdings durch die Tatsache, dass lediglich Angestellte mit einem Vollzeitjob in die Statistik einfließen. Sie stellen 72 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. 28 Prozent arbeiten in Teilzeit. Ebenfalls nicht berücksichtigt werden diejenigen, die nur einen Minijob haben. „Würde man alle einbeziehen, würden die Zahlen wahrscheinlich ganz anders aussehen“, sagt Schrooten – auch im Vergleich mit den Flächenländern. „Außerdem beantwortet die Übersicht nicht die Frage, wie es dem durchschnittlichen Bremer geht“, sagt Schrooten. Das Einkommen sei eine Seite, die Arbeitslosigkeit eine andere. „Und gerade da hat Bremen spezifische Probleme.“

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Eine Nachricht, von der aber alle Beschäftigten profitieren: Seit 2010 steigen im Land Bremen die Löhne – selbst wenn man die Inflation berücksichtigt. Das macht sich im produzierenden Gewerbe besonders stark bemerkbar, zum ersten Mal dürfen sich aber auch Erzieher und Beschäftigte im Sozial- und Gesundheitsbereich – eine frauendominierte Branche – über eine gestiegene Kaufkraft freuen. „Vier Jahre später als alle anderen Sektoren“, sagt Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer.

Auch der Mindestlohn habe sich – ganz im Gegensatz zu allen Schreckensszenarien – zu einem Erfolg entwickelt. „Allein im Gastgewerbe sind dadurch 900 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden“, sagt Heyduck. „Da kann man schon die Korken knallen lassen.“

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