Bremer Grünen-Chefin zur Kanzlerkandidatin

„Für uns tut sich jetzt eine historische Chance auf“

Bremens Grünen-Chefin Alexandra Werwath sagt im Interview mit dem WESER-KURIER, welche Hoffnungen und Erwartungen sie mit der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock verbindet.
20.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Für uns tut sich jetzt eine historische Chance auf“
Von Joerg Helge Wagner
„Für uns tut sich jetzt eine historische Chance auf“

Es nicht entscheidend, ob Annalena Baerbock schon einmal irgendwo mitregiert hat, findet Bremens Grünen-Chefin Alexandra Werwath.

Christina Kuhaupt

Frau Werwath, die Zustimmung der Bundesdelegiertenkonferenz Mitte Juni zur Kanzlerkandidatin ist reine Formsache – oder rechnen Sie noch mit einer größeren Debatte?

Alexandra Werwath: Ich rechne mit einer großen Mehrheit für unser Spitzen-Duo Annalena Baerbock und Robert Habeck. Ausführliche Debatten wird es vor allem über unsere Inhalte, unser Wahlprogramm geben.

Die Kür einer Kanzlerkandidatin ist eine Premiere bei den Grünen. Ist sie auch eine Vorfestlegung auf ein Ampelbündnis nach der Bundestagswahl?

Die Frage wundert mich: Warum soll das eine Vorfestlegung sein?

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Weil die Grünen nach allen Umfragen in einem Ampelbündnis am ehesten die Kanzlerin stellen würden.

Zunächst wollen wir möglichst viele Stimmen für unsere wichtigsten Ziele wie den Klimaschutz sammeln. Am Ende sind doch die größten Schnittmengen entscheidend für Koalitionen. Bis zum 26. September haben wir Grüne jedenfalls das Kanzleramt fest im Blick, für uns tut sich jetzt eine historische Chance auf. Annalena Baerbock und Robert Habeck haben den Geist in der Partei gewandelt: Wir vertreten unsere Ziele mit Verantwortung und Augenmaß für die jetzigen und kommenden Generationen.

Gegen Frau Baerbock wurde gelegentlich eingewendet, dass sie – im Gegensatz zu Robert Habeck – keinerlei Regierungserfahrung hat. Wie ernst nehmen Sie diesen Einwand?

Das ist doch überhaupt kein Argument. Hätte man das einen männlichen Bewerber auch gefragt? In Finnland, Kanada und Neuseeland haben wir hervorragende Regierungschefinnen und -chefs, die zuvor auch keine Ministerinnen waren. Annalena Baerbock steht für einen neuen Stil, für Aufbruch und Themenwechsel in der Politik. Da ist es nicht entscheidend, ob sie schon einmal irgendwo mitregiert hat, sondern was sie anders machen möchte.

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Welche persönliche Erwartung haben Sie an Annalena Baerbock?

Dass sie drei besonders relevante Themen offensiv angeht. Zunächst die Klimakrise: Wir brauchen einen Green Deal mit der Wirtschaft; es ist unsere letzte Chance, das 1,5-Grad-Ziel bei der Erderwärmung zu erreichen. Dann die Reform des Gesundheitswesens, dessen Schwächen während der Corona-Pandemie deutlich wurden: weg von der Profitorientierung hin zu einer Bedarfsorientierung. Schließlich ein neues Sicherheitsversprechen des Sozialstaats, das betrifft etwa eine Kindergrundsicherung.

Das Versprechen müssen Sie auch Menschen geben, die in wenig klimafreundlichen Branchen arbeiten.

Annalena Baerbock ist dafür genau die Richtige. Sie hat gesagt, wir Grünen müssten auch dorthin gehen, wo es weh tut. Und dort müssen wir den Dialog suchen über einen Ausstieg aus klimaschädlichen Produktionsweisen.

Früher hieß es bei den Grünen „Basis ist Boss“, jetzt kürt ein relativ kleiner Kreis die Spitzenkandidatin. Was ist daran besser?

Wir haben an der Spitze zwei Personen, bei denen wir darauf vertrauen konnten, dass sie sich richtig entscheiden. Das haben sie getan. In Zeiten der Pandemie sollten sich Parteien ohnehin weniger mit sich selbst und ihrem Personal beschäftigen.

Wer wäre aus Sicht der Grünen auf Seiten der Union der ideale Gegenkandidat für Frau Baerbock?

Das ist für mich nicht relevant. Annalena Baerbock ist so stark, dass wir uns nun ganz auf unser Programm konzentrieren können. Andere streiten über ihre Kandidaten - wir nehmen uns die Zeit, über unsere Inhalte zu sprechen.

Info

Zur Person

Alexandra Werwath (28) ist seit Ende 2017 Landesvorstandssprecherin der Grünen in Bremen. Sie studierte Soziologie in Bremen und arbeitet für die Europa-Abgeordnete Katrin Langensiepen.

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