Aus wohl schon 2017 Bremer Kellogg-Werk wird geschlossen

Das einzige deutsche Kellogg-Werk steht vor dem Aus: Bereits im kommenden Jahr soll die Bremer Fabrik des Cerealien-Herstellers geschlossen werden. Das gab das Unternehmen am Montagnachmittag bekannt.
10.10.2016, 14:46
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Bremer Kellogg-Werk wird geschlossen
Von Maren Beneke

Das einzige deutsche Kellogg-Produktionswerk steht vor dem Aus: Bereits im kommenden Jahr soll die Bremer Fabrik des Cerealien-Herstellers geschlossen werden. Das gab das Unternehmen am Montagnachmittag bekannt.

Frühstücksflocken made in Bremen wird es bald nicht mehr geben: Der Kellogg-Konzern schließt sein Werkin der Hansestadt. Das gab das Unternehmen am Montag bekannt. Mitarbeiter, Betriebsrat und die Bremer Politik wurden kurzfristig über die Entscheidung informiert. Die Bänder sollen spätestens Anfang 2018 still stehen.

Für Rainer Folkers, Betriebsratsvorsitzender von KelloggManufacturing, der Bremer Produktionssparte des Konzerns, ist das Aus des Werks nur „schwer nachvollziehbar“. Die Produkte, die in Bremen gefertigt werden – Cornflakes und sogenannte Extruder-Produkte, zu denen gefüllte Cerealien zählen –, laufen laut Folkers „recht gut am Markt“.

Zudem gibt der Konzern mit Bremen eines seiner beiden Produktionswerke auf dem europäischen Festland auf. Außer in Valls (Spanien) stellt Kellogg seine Cerealien in Europa künftig nur noch in Manchester und Wrexham her. Im polnischen Kutno produziert das Unternehmen die 2012 übernommene Chipsmarke Pringles.

Mehr als 200 Mitarbeiter verlieren ihren Job

In der Hansestadt verlieren mit der Schließung des Werks mehr als 200 Mitarbeiter ihren Job. Eine Analyse der Standorte habe ergeben, dass die Fabrik in Bremen den größten Volumenrückgang und die größte Anzahl an nicht ausgelasteten Anlagen zu verzeichnen habe, sagte ein Unternehmenssprecher. Nach Angaben von Betriebsrat Folkers werden in der Hansestadt dieses Jahr zwischen 50 000 und 52 000 Tonnen Cerealien hergestellt. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es noch 72 000.

Kellogg kündigte an, zügig in Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern einzutreten. Diese möchten nach Angaben des Betriebsratschefs nun zunächst einmal „Ruhe bewahren“, um bei Abfindungen und Transfermaßnahmen für die Angestellten das Maximum herauszuholen.

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Dass die Produktion der Fabrik – wie vom Firmensprecher angekündigt – bereits zwischen Juni 2017 und Februar 2018 eingestellt wird, glaubt er daher nicht. Einen konkreten Zeitpunkt kann er aber noch nicht nennen. Was nach der Schließung mit dem Grundstück in der Überseestadt passiert, steht noch nicht fest.

Dass eines der europäischen Werke früher oder später geschlossen wird, war für Dieter Nickel, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Bremen, wegen der Überkapazitäten „absehbar“. Jedoch nicht unbedingt, dass es am Ende die Hansestadt trifft. In den vergangenen Jahren habe die Belegschaft immer wieder Zugeständnisse gemacht, sagt Nickel.

Belegschaft machte immer wieder Zugeständnisse

So wird in dem seit 1964 produzierenden Werk seit einiger Zeit an sieben statt an fünf Tagen pro Woche gearbeitet. Diese sogenannte Contischicht wurde unter anderem mit der Begründung eingeführt, besser im Wettbewerb mit den anderen europäischen Standorten bestehen zu können. Zudem sei erst vor wenigen Wochen mit einem Plus von 1,7 Prozent ein für den Arbeitgeber laut Nickel „sehr moderater Tarifabschluss“ erzielt worden.

Unabhängig von solchen Anstrengungen wurde im BremerWerk in den vergangenen Jahren immer wieder der Rotstift angesetzt. 2007 verlegte der Konzern 30 Prozent des Bremer Produktionsvolumens nach Spanien. Das kostete damals 160 Jobs.

Eine weitere Sparrunde verringerte die Mitarbeiterzahl der hiesigen Produktionssparte vor sieben Jahren noch einmal um weitere 61 Stellen – seither gab es einen bis 2015 geltenden Tarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen ausschloss und den Produktionsstandort mit eigenen Mitarbeitern sicherte.

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Trotzdem wurden weitere Stellen gestrichen: Nach Angaben des Betriebsrates will sich die Kellogg Manufacturing bis zum 1. April kommenden Jahres noch einmal sozialverträglich von 60 weiteren Angestellten trennen.

Dass ein Teil der dann noch verbliebenen gut 200 Mitarbeiter nach dem Aus der Bremer Fabrik in anderen Werken unterkommt, hält Folkers für ausgeschlossen. Auch vor dem Hintergrund des Sparprogramms „Projekt K“, mit dem Kellogg-Konzernchef John Bryant die Belegschaft um sieben Prozent schrumpfen will.

Vor gut zwei Jahren hatte sich bereits die bis dato in Bremen ansässige Kellogg Deutschland GmbH aus der Hansestadt verabschiedet. Von Hamburg aus steuert das Unternehmen seither Vertrieb und Marketing für die nordischen Länder, zu denen neben Deutschland, Österreich und der Schweiz auch Skandinavien zählt.

Herber Verlust für die Nahrungsmittelbranche in Bremen

Bürgermeister Carsten Sieling und Wirtschaftssenator Martin Günthner (beide SPD) bezeichneten das Aus desKellogg-Werks als „einen herben Verlust für die Nahrungsmittelbranche in Bremen“. Es habe keinerlei Hinweise im Vorfeld gegeben, die es ermöglicht hätten, mit dem Unternehmen nach Alternativen zu suchen. „Wir werden nun unsererseits das Gespräch suchen, um über das weitere Vorgehen des Unternehmens und den Umgang mit den Beschäftigten zu reden“, teilen sie mit.

Nach Einschätzung des Interessenverbands der Nahrungs- und Genussmittelindustrie in Bremen und Bremerhaven (Nageb) ist nicht die mangelnde Attraktivität Bremens als Nahrungsmittelstandort Grund für die Entscheidung vonKellogg.

„Natürlich ist solch eine Entscheidung bitter“, sagt Nageb-Vorstand Hasso Nauck. Mit etwa 9000 Mitarbeitern bleibe der Industriezweig aber die zweitstärkste Branche. Derzeit werde der Standort in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsressort und der Universität Bremen analysiert.

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