Halbjahresbilanz Bremer Landesbank auf Kurs

Bei der Bremer Landesbank ist man zur Jahreshalbzeitbilanz zufrieden: Das Ergebnis vor Steuern und die Kernkapitalquote steigen deutlich. Die Risikovorsorge für Schiffe bleibt aber auf hohem Niveau.
31.08.2015, 12:03
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Bremer Landesbank auf Kurs
Von Maren Beneke

Bei der Bremer Landesbank ist man zur Jahreshalbzeitbilanz zufrieden: Das Ergebnis vor Steuern und die Kernkapitalquote steigen deutlich. Die Risikovorsorge für Schiffe bleibt aber auf hohem Niveau.

Stephan-Andreas Kaulvers ist zufrieden. Seine Bank befindet sich auf einem guten Weg, sagt der Vorstandsvorsitzende der Bremer Landesbank (BLB). In den vergangenen Jahren hat das Institut stark unter der Schifffahrtskrise gelitten. Daran hat sich auch im vergangenen Halbjahr nichts geändert – die Risikovorsorge ist weitergestiegen. Allerdings, und deswegen ist Kaulvers so zufrieden, hat sich das Neugeschäft im Bereich Erneuerbare Energien weit über Plan entwickelt. Außerdem sind das Handelsergebnis sowie die - für die Bank so wichtige - Kernkapitalquote gestiegen.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Das Geschäftsvolumen im Bereich Erneuerbare Energien liegt derzeit bei 4,5 Milliarden Euro. Allein im ersten Halbjahr konnte die Bremer Landesbank hier noch einmal um 500 Millionen Euro zulegen. „Im letzten Jahr gab es bei unseren Kunden eine sehr starke Verunsicherung wegen der Diskussionen um das Erneuerbare-Energien-Gesetz“, sagt Kaulvers. „Nachdem sich das nun gelegt hat, haben wir deutlichen Zuwachs bei den Volumina.“ Den mit Abstand größten Teil des Geschäfts macht für die Bremer Landesbank die Onshore-Windenergie aus.

9,00 Prozent harte Kernkapitalquote

Die harte Kernkapitalquote ist innerhalb des vergangenen halben Jahres von 8,02 Prozent auf 9,00 Prozent geklettert. „Ein Prozent Zuwachs gegen einen fallenden Dollar und die schwierigen Märkte – das zeigt, dass unsere Maßnahmen zur Stärkung der Quote gut funktioniert haben“, sagt Kaulvers. Die harte Kernkapitalquote gibt an, wie gut eine Bank Verluste wegstecken kann. Die Zahl berechnet sich aus dem haftenden Eigenkapital und der Summe der Risikoposten wie etwa Krediten. Sie drückt folglich aus, wie groß der Risikopuffer eines Instituts ist.

Nach den Anforderungen der Bankenregulierung durch Basel III ist ab 2019 eine Kernkapitalquote von sieben Prozent erforderlich. Davon ist man bei der Bremer Landesbank aktuell über dem Soll: „Mittelfristig möchten wir auf zehn bis 10,5 Prozent kommen“, sagt Kaulvers. Ende des Jahres könnten es nach seinen Angaben schon 9,5 Prozent sein – sofern dem Institut kein schwacher Dollar in die Quere kommt.

Gute Nachrichten für Investoren

Gute Nachrichten gibt es auch für die Investoren: Zwar schüttet die Bank bis einschließlich 2016 keine Dividende an ihre Kapitalgeber aus. So ist es von den Trägern, darunter das Land Bremen, beschlossen worden. Für das Jahr danach gibt es aber erfreuliche Signale: „Wir sind auf einem guten Weg, dass wir 2017 wieder ausschütten können“, sagt Kaulvers. Voraussetzung sei aber, dass es bei der Dollarentwicklung und den Anforderungen durch die EZB „keine weiteren bösen Überraschungen“ gebe.

Unter dem Strich fällt der Halbjahresabschluss der Bremer Landesbank positiv aus: Vor Steuern landete das Geldinstitut bei 75 Millionen Euro. Das bedeutet einen 25-prozentigen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 60 Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss bewegte sich mit 20 Millionen Euro auf Vorjahresniveau (1. Halbjahr 2014: 19 Millionen Euro). Bei Zinsüberschuss und Risikovorsorge steht das Institut dagegen auf den ersten Blick schlechter da als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres: Der Zinsüberschuss lag da bei 221 Millionen Euro, in den ersten sechs Monaten von 2015 waren es 207 Millionen Euro (minus sechs Prozent). Die Risikovorsorge belief sich in der Zeit zwischen Januar und Juni auf 108 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum waren es 103 Millionen Euro. Das ist ein Plus von fünf Prozent.

Dennoch spricht der BLB-Chef von einem „stabilen Ergebnis“ im operativen Geschäft, das sich aus Zins- und Provisionsüberschuss zusammensetzt. Der Rückgang beim Zinsüberschuss ließe sich durch einen Sondereffekt erklären: Durch eine Systemumstellung bei der Bewertung von Krediten seien in diesem Posten 17 Millionen Euro weggefallen. Dieser Wert taucht dafür an anderer Stelle wieder auf: bei der Risikovorsorge. Diese ist nach Angaben der Bank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf dem Papier um nur fünf Millionen Euro gestiegen.

20 Millionen Euro Risikopuffer für Schiffe

Tatsächlich hatten die Bankmanager im ersten Halbjahr 2015 aber beschlossen, den Risikovorsorgepuffer für Schiffe um weitere 20 Millionen Euro aufzustocken. Hintergrund sind die weiterhin stark schwankenden Märkte im Schiffssegment: Während die Raten im Massengutfrachter-Geschäft deutlich gesunken sind, haben die kleineren und mittleren Containerschiffe – die mehr als ein Drittel der von der Bremer Landesbank finanzierten Flotte ausmachen – zwischen Januar und Juni von steigenden Charterraten profitiert. „Die Entwicklung bei den Containerschiffen ist für uns natürlich erfreulich“, sagt Kaulvers, „wir wissen aber nicht, ob das von Dauer ist.“ Daher habe sich der BLB-Vorstand für diese Vorsichtsmaßnahme entschieden.

Im vergangenen Jahr war die Risikovorsorge mit 271 Millionen Euro auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Ob es auch in diesem Jahr auf einen neuen Rekordwert hinausläuft, vermag der BLB-Vorstandsvorsitzende aktuell noch nicht abzuschätzen. „Wenn die Charterratenerholung anhält, dann könnte es durchaus rückläufige Tendenzen geben“, sagt er. „Ich glaube aber eher, dass wir aus Vorsicht die Risikovorsorge weiter aufstocken werden.“

Deutliches Plus im Handelsgeschäft

In den vergangenen Monaten hat die Bank die Zahl ihrer Schiffe weiter reduziert: von 749 Schiffe Ende 2014 auf nun 714 Schiffe. Der Wert des Portfolios ist aufgrund des schwächer gewordenen Dollars indes leicht gestiegen: von 6,0 Milliarden Euro auf nun 6,2 Milliarden Euro.

Ein deutliches Plus hat die Bremer Landesbank im Handelsergebnis zu verzeichnen: Dieses stieg von minus drei Millionen Euro im ersten Halbjahr 2014 auf 29 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Das Geldinstitut begründet dies mit einer besseren Bewertung der sogenannten zinstragenden Derivate, darunter fallen etwa Anleihen und Anlagen, und dem leichten Anstieg der langfristigen Zinsen. Kaulvers spricht in diesem Zusammenhang allerdings von einer „Momentaufnahme“, da die Bewertung der Derivate Stichtag gebunden seien.

Der Vorstandsvorsitzende hebt weiter hervor, dass sich das Halbjahresergebnis der Bremer Landesbank nicht auf das Jahresergebnis hochrechnen lässt. „Wir erwarten ein Ergebnis, das leicht über dem des vergangenen Jahres liegt“, sagt er. Die weitere Entwicklung werde maßgeblich vom Vorsorgebedarf für Schiffe abhängen.

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