Hohe Verluste durch Schiffskredite Bremer Landesbank noch tiefer in der Krise

Wegen des seit Jahren schlecht laufenden Schifffahrtsgeschäft muss das Institut den Wert seiner Kredite noch einmal um etwa 400 Millionen Euro nach unten korrigieren. Die Folgen sind gravierend.
02.06.2016, 21:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Philipp Jaklin Peter Mlodoch

Die Bremer Landesbank (BLB) hat mehr Probleme als bisher bekannt. Wegen des seit Jahren schlecht laufenden Schifffahrtsgeschäft muss das Institut den Wert seiner Kredite noch einmal um etwa 400 Millionen Euro nach unten korrigieren. Das gab die Bank am Donnerstag bekannt. Als Folge erwarte die BLB dieses Jahr nun einen Verlust „in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags“, wie es in einer Mitteilung heißt.

Die Abhängigkeit von den Schiffskrediten wird der Landesbank damit zunehmend zum Verhängnis. Deren Wert hatte das Institut zuletzt mit gut 6,2 Milliarden Euro beziffert – bei insgesamt 648 Schiffen. Doch viele Reeder haben wegen der anhaltenden Branchenkrise Probleme, ihre Kredite zu bedienen. Niedrige Charterraten und massive Überkapazitäten in der weltweiten Handelsflotte belasten das Geschäft massiv.

Nur noch Schrottwert

Immer wieder hatte die Bremer Landesbank daher in den vergangenen Jahren Geld als Risikopuffer zurücklegen müssen. Auch versuchte das Institut, nach Kreditausfällen einzelne Schiffe zu verkaufen. Doch dies ist angesichts der Marktlage derzeit sehr schwierig und nur unter hohen Verlusten möglich. Im Extremfall muss die Bank Schiffe verschrotten lassen – was einem wirtschaftlichen Totalschaden gleichkommt.

Offensichtlich sitzt die Landesbank nach wie vor auf deutlich zu vielen Schiffskrediten, die mehr oder weniger stark ausfallgefährdet sind. Der Markt für Schiffe werde sich „mittelfristig nicht signifikant erholen“, so die Bank in ihrer Mitteilung.

BLB-Chef Stephan-Andreas Kaulvers bezeichnete die Situation als „herausfordernd, aber beherrschbar“. Die BLB habe damit gerechnet, dass „der Abbau des Schiffsportfolios mit hohen Wertberichtigungen verbunden“ sein würde. Mit Blick auf die enormen Abschreibungen sprach Kaulvers von einer „notwendigen Kraftanstrenung, um in den Folgejahren wieder in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen“.

Bis auf weiteres dürfte die Landesbank allerdings schwerem Sturm ausgesetzt sein. Denn immer deutlicher wird, dass sie frisches Kapital benötigt. Seit Wochen laufen hierzu hinter den Kulissen die Verhandlungen. Allerdings streiten die Eigentümer darüber, wer für das Institut einspringen muss – und unter welchen Bedingungen.

Im Interview mit dem WESER-KURIER hatte Bremens Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) im vergangenen Monat die Verantwortung dem Haupteigner NordLB zugeschoben. Die Frage nach einer Kapitalerhöhung stelle sich „zunächst der NordLB“. Bremen könne „wahrscheinlich nicht viel tun“. Das Land ist mit etwa 41 Prozent an der Bremer Landesbank beteiligt. Die NordLB hält 55 Prozent der Anteile.

Deren Aufsichtsratchef, der niedersächsische Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD), reagierte am Donnerstag auffallend kühl auf die Probleme der Bremer Landesbank. „Die niedersächsische Landesregierung äußert sich zu diesem Thema nicht“, ließ der Politiker über seinen Sprecher mitteilen. „Das ist ausschließlich die Angelegenheit der Bremer.“

Die Eigner ringen auch um Macht und Einfluss. Dem Vernehmen nach dringt die NordLB auf eine Fusion mit der Bremer Landesbank. Dann hätten die Hannoveraner uneingeschränkte Kontrolle über die kleinere Tochter. Dagegen sperrt sich aber Bremens Finanzsenatorin. Sie will an der Eigenständigkeit des Instituts festhalten.

Steuerzahler muss einspringen

Zusätzlich erschwert wird eine Einigung zwischen den Eignern der Bremer Landesbank dadurch, dass die NordLB selbst erhebliche Probleme mit ausfallgefährdeten Schiffskrediten hat. Das Hannoveraner Institut musste seinen Risikopuffer für das Kreditgeschäft in den ersten drei Monaten des Jahres auf mehr als das Vierfache ausbauen – auf 435 Millionen Euro. Dadurch fiel im ersten Quartal ein Vorsteuerverlust von 98 Millionen Euro an.

Noch kritischer ist die Situation der HSH Nordbank. Das Institut konnte nur durch Milliardenbürgschaften der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein am Leben gehalten werden. Für faule Schiffskredite im Umfang von etwa fünf Milliarden Euro soll nun der Steuerzahler aufkommen. Findet sich für den überlebensfähigen Teil der Bank bis 2018 kein privater Käufer, muss das Institut abgewickelt werden. So sieht es eine Auflage der EU-Kommission vor. Die Zahl der Stellen hat die HSH Nordbank von ursprünglich über 5000 schon mehr als halbiert. Weitere Stellen dürften wegfallen.

Die Bremer Landesbank war im vergangenen Jahr nur noch ganz knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt. Einen mageren Gewinn von nur noch fünf Millionen Euro Gewinn konnte das Institut erwirtschaften. Für 2016 hatte Kaulvers im April mögliche Verluste angekündigt – die nun empfindlich ausfallen werden. Die Bank habe nun „Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals“ eingeleitet, teilte die BLB am Donnerstag mit, ohne Details zu nennen.

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