Teures Wohnen

Bremer Mieten steigen bundesweit am stärksten

In keinem anderen Bundesland sind die Bruttokaltmieten so stark gestiegen wie in Bremen: Zwischen 2010 und 2014 waren es 13,9 Prozent.
27.12.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Mieten steigen bundesweit am stärksten
Von Jan Oppel
Bremer Mieten steigen bundesweit am stärksten

Vor allem in zentralen Lagen wie der Bremer Überseestadt sind die Mieten vergleichsweise hoch.

INGO WAGNER und DPA, picture alliance / dpa

In keinem anderen Bundesland sind die Bruttokaltmieten so stark gestiegen wie in Bremen: Zwischen 2010 und 2014 waren es 13,9 Prozent.

Das belegen Zahlen, die das Statistische Bundesamt jüngst veröffentlicht hat. Der Eigentümerverband Haus und Grund erklärt diesen Anstieg unter anderem mit den hohen Unkosten für die Wohnungsbesitzer.

In die Bruttokaltmieten seien bereits die Grundsteuer oder etwa die Kosten für die Müllentsorgung mit eingerechnet. „Das sind Kosten, die nicht von den Eigentümern, sondern vom Senat in die Höhe getrieben werden“, sagt Ingmar Vergau, Geschäftsführer von Haus und Grund in Bremen. Bevor die Landesregierung die sogenannte Mietpreisbremse eingeführt habe, hätten viele Besitzer die Mieten für ihre Wohnungen zudem vorsorglich erhöht.

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Laut dieser Regelung darf der Quadratmeterpreis im Bremer Stadtgebiet bei Wiedervermietungen nur maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Und ein weiteres Problem sei, dass die Instandhaltungskosten zu großen Teilen Sache der Vermieter seien, kritisiert Ingmar Vergau.

Stärkste Steigerung in ganz Deutschland

Die Erhebung des Statistischen Bundesamts bezieht sich auf Zahlen aus dem Jahr 2014. Demnach ist die Steigerung der Mietpreise in Bremen die stärkste in Deutschland: Zahlten Mieter an der Weser 2010 durchschnittlich noch 404 Euro monatlich für eine Wohnung, waren es vier Jahre später bereits 460 Euro inklusive der kalten Nebenkosten. Die Bruttokaltmiete betrug in Deutschland 2014 im Schnitt 473 Euro.

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Diese Erhebung sei nur bedingt aussagekräftig, meint Vergau. Man könne nicht ohne Weiteres Stadtstaaten und Flächenländer in Relation setzen. Im Vergleich zu anderen Städten wie Essen oder Frankfurt liege Bremen bei den Mietpreisen immer noch im unteren Bereich. Um die Wohnungskosten wieder zu senken, müsse der Senat zunächst die Unkosten für die Wohnungseigentümer herabsetzen, um diese zu entlasten. Zudem sei es hilfreich, die Mieter, wie früher üblich, bei einem Umzug an den Renovierungskosten zu beteiligen.

Gert Brauer, Geschäftsführer des Bremer Mieterschutzbundes, sieht das anders. Eine Ursache für den überproportionalen Anstieg der Mietpreise in Bremen sei der fehlende Mietspiegel. Eine solche Übersicht wird im kleinsten Bundesland bislang nicht veröffentlicht. „Ohne diese Orientierungshilfe können Sie als Vermieter weiterhin verlangen, was der Markt hergibt“, sagt Brauer.

Wohnungsbau muss vorangetrieben werden

In den Beratungsgesprächen des Mieterschutzbundes habe sich gezeigt, dass bei Neuvermietungen die Preise von den Wohnungseigentümern nicht selten um 25 oder 30 Prozent angehoben würden. „Hätten wir einen Mietspiegel, wäre es ganz offensichtlich, dass solche Erhöhungen überzogen sind“, sagt Brauer. Eine echte Entspannung würde es am Markt aber erst geben, wenn der Wohnungsbau im gesamten Stadtgebiet weiter vorangetrieben werde.

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In Niedersachsen lag der Preisanstieg laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei 7,8 Prozent und damit knapp über dem bundesweiten Mittelwert von 7,3 Prozent. In Bremen liegt der Quadratmeterpreis bei Mietwohnungen im Vergleich mit mehr als sieben Euro auf Augenhöhe mit Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg.

An der Elbe ist das Wohnen am teuersten: In Hamburg kostete 2014 eine Mietwohnung im Durchschnitt pro Monat 544 Euro. In der Hansestadt stiegen dafür aber die Mietpreise im untersuchten Zeitraum nur um 4,6 Prozent. In Niedersachsen sind die Wohnungskosten mit Preisen zwischen 5,50 Euro und 6,50 Euro pro Quadratmeter deutlich günstiger.

Mietpreisbremse in Bremen

Seit Dezember 2015 gilt in der Stadtgemeinde Bremen die sogenannte Mietpreisbremse. Dem Gesetz zufolge darf die Miete bei Abschluss eines neuen Mietvertrages nicht mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. So soll verhindert werden, dass die Preise in angesagten Wohnvierteln und Großstädten zu stark ansteigen. Die Mietpreisbremse gilt nicht für Bremerhaven.
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