Festakt im Rathaus zur Integrationswoche Bremer Schüler gewinnen Integrationspreis 2010

Bremen. Interesse an anderen Kulturkerisen sind zentrale Anliegen, die die Integrationswoche mit dem kulinarischen Titel 'Labskaus' fördern will. Die Veranstaltungsreihe begann am Sonntag in der Oberen Rathaushalle mit der Verleihung des "Integrationspreises 2010".
16.08.2010, 06:01
Lesedauer: 2 Min
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Von Rose Gerdts-Schiffler

Bremen. Bald jedes zweite Kind, das in Bremen zur Schule geht, hat Eltern, die aus einem anderen Kulturkreis stammen und eine andere Sprache sprechen. Interesse aneinander und Neugier aufeinander sind zentrale Anliegen, die die Integrationswoche mit dem kulinarischen Titel 'Labskaus' fördern will. Die Veranstaltungsreihe begann am Sonntag in der Oberen Rathaushalle mit der Verleihung zweier Preise an engagierte Bremer und Bremerinnen. Dabei zeigte die Jury Mut, die Arbeit einer Frau auszuzeichnen, deren Zielgruppe kein einfaches Klientel ist.

Rund 80 Vereine, Initiativen und Gemeinden haben sich an dem umfangreichen Programm für die Integrationswoche beteiligt. Interessierte können unter 250 Angeboten in den verschiedenen Stadtteilen wählen. Einblicke in einen Henna Abend (nur für Frauen) sind ebenso erlaubt wie Moscheebesuche oder lautstarke Unterstützung bei Fußballspielen zwischen einer Mädchenmannschaft von Werder Bremen und dem KSV Vatan. Am Sonntag ging es in der Oberen Rathaushalle jedoch weniger um sportliches Miteinander, sondern um den Auftakt zu einer ungewöhnlichen Woche mit ungewöhnlichen Einblicken.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Verleihung des Bremer Integrationspreises. Außerdem hatte der Bremer Rat für Integration mit ihrer Vorsitzenden Libuse Cerna noch einen Sonderpreis für ehrenamtliches Engagement zu vergeben.

Er ging an die Sozialpädagogin Nina Brunsch, die das Projekt 'Hoffnung für russischsprachige Suchtkranke' ins Leben gerufen hat. Libuse Cerna, die die Laudatio hielt, benannte ohne Umschweife die Problematik bei einem Teil der russischsprachigen Migranten. Viele der Betroffenen, vor allem Männer, würden zu Suchterkrankungen wie Alkoholismus und einer damit verbundenen erhöhten Gewaltbereitschaft gegenüber ihren Frauen und Kindern neigen. Dieses Problem habe Nina Brunsch aufgegriffen und enttabuisiert. Zugleich biete sie den Betroffenen Unterstützung an.

Zuwanderer verändern Bremen

Der mit 2000 Euro dotierte Hauptpreis ging an eine Gruppe von Schülern des Schulzentrums Walle, Bildungsgang für Altenpflege. Zwischen 50 und 70 Prozent von ihnen stammen selbst aus dem Ausland oder kommen aus einer Familie mit ausländischen Wurzeln. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Angelika Weber haben sie ein sogenanntes Kofferprojekt entwickelt, mit dem die Schüler in Altenheime und Pflegeeinrichtungen gehen. Auch in den Heimen spiegele sich inzwischen die kulturelle und religiöse Vielfalt Bremens wieder, so Libuse Cerna. Die Koffer der Sinne, der Vergangenheit, der Erinnerung und der Entspannung sollen die Sinne der alten Menschen anregen und zugleich den Dialog zwischen den Generationen fördern.

Den musikalischen Auftakt in der Oberen Rathaushalle machte gestern das Schulorchester der Grundschule Grambke mit einer Eigenkomposition und dem Ohrwurm 'Satellite'. Auf dieselbe Grundschule war vor vielen Jahren auch Bürgermeister Jens Böhrnsen gegangen, der hanseatisch bescheiden im Rahmen er Feierstunde anmerkte, das er es damals nicht soweit wie die Kinder gebracht und in einem Orchester habe mitspielen dürfen.

Integration, so Böhrnsen, sei ein großes Wort und schon lange Realität. Die Zuwanderer würden Bremen seit Jahren verändern und der Stadt ein neues Gesicht geben. Dies sei bereichernd im kulturellen wie im wirtschaftlichen Sinne. Doch das Miteinander sei auch nicht immer einfach. Böhrnsen: 'Über beides muss man offen und ehrlich sprechen.' Wichtig sei vor allem, dass jeder Migrant die deutsche Sprache erlerne.

Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände in Bremen hob angesichts des drohenden Fachkräftemangels in naher Zukunft die Bedeutung gleicher Ausbildungschancen für alle Kinder hervor. In den jungen Migranten stecke ein großes Potenzial.

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