In eigener Sache Trauer um WESER-KURIER-Redakteur Norbert Holst

Verlag und Redaktion sind tief betroffen über den plötzlichen Tod des langjährigen Politikredakteurs Norbert Holst - Rückblick auf ein Journalistenleben, das viel zu früh endete.
03.07.2022, 22:13
Lesedauer: 2 Min
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Trauer um WESER-KURIER-Redakteur Norbert Holst
Von Joerg Helge Wagner

Im kommenden April hätte er sein 25-jähriges Betriebsjubiläum feiern können: Nahezu ein Vierteljahrhundert lang hat Norbert Holst für das Politikressort des WESER-KURIER gearbeitet und dabei unzählige Hintergrundartikel geschrieben, Interviews geführt und Kommentare veröffentlicht. Kolleginnen und Kollegen innerhalb und außerhalb der Bremer Tageszeitungen AG sind bestürzt über seinen plötzlichen Tod vor wenigen Tagen. Norbert Holst wurde 58 Jahre alt.

Alle, die mit ihm zu tun hatten, behalten einen äußerst freundlichen, umfassend interessierten und humorvollen Mann in Erinnerung. Stundenlang konnte man sich mit Norbert Holst über politische Themen austauschen und auch kollegial streiten. Vor allem der Umgang mit Daten und deren Schutz lagen ihm am Herzen, große Sympathien hegte er auch für Whistleblower - Informanten, die unter hohen persönlichen Risiken auf Missstände und Schlimmeres hinweisen.

Im Grunde strebte er aber immer nach dem ganzen Bild und ließ dabei kein Politikfeld aus. Im Juni 2006 etwa bereiste er Afghanistan, von September 2010 bis Juni 2015 berichtete er für das Berliner Büro des WESER-KURIER über alle Aspekte der Bundespolitik. In den Jahren davor und danach erntete er im Politikressort ungeteilten Respekt: bei den jungen Kollegen, die er mit ausbildete, bei den Älteren und auch bei den Korrespondentinnen und Korrespondenten.

Nach dem Abitur in seinem Geburtsort Bremervörde erwarb er erstes journalistisches Rüstzeug bei der „Zevener Zeitung“, wo er nach dem zweijährigen Volontariat noch weitere zwei Jahre als Lokal- und Sportredakteur arbeitete. Dazu gehörte auch ein mehrmonatiger Aufenthalt in der Mantelredaktion der „Nordsee-Zeitung“.

Dann zog es Norbert Holst in den Süden der Republik: zunächst für ein Studium der Geschichte und Geographie an der Universität Bamberg, anschließend für weitere zwei Redakteursjahre beim „Schwarzwälder Boten“ in Oberndorf. Wissenschaftlich arbeitete er danach zwei Jahre im Forschungsprojekt „Behaim Globus 1492“ der Universität Erlangen-Nürnberg mit. Holsts süddeutsche Lehr- und Wanderjahre endeten am 16. April 1998 mit seinem ersten Arbeitstag im Politikressort des WESER-KURIER.

Genau so leidenschaftlich wie bei der Politik wurde er, wenn es um Fußball ging – insbesondere seine geliebten königsblauen Knappen. Schalkes Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga war für ihn ein wahrer Freudentag. Oder um Rockmusik: Er verehrte die irische Band U2 und deren Frontmann Bono, nicht zuletzt wegen der klaren politischen und humanitären Haltung des Quartetts aus Dublin.

Bei aller Freude am Gespräch – ob tiefschürfender Gedankenaustausch, kollegiale Frotzelei oder Blödeln auf hohem Niveau – Norbert Holst gab wenig über sich und sein privates Leben preis. Selbstdarstellung war nicht sein Ding: Moderationen auch auf kleineren Bühnen scheute er ebenso wie den journalistischen Jahrmarkt der Eitelkeiten bei Twitter oder Facebook.

Gegen Eitelkeit war er durch sein bodenständiges norddeutsches Temperament gefeit. Scheinbar konnte ihn auch der übelste Stress nicht aus der Ruhe bringen: Holst fluchte nie, wurde nie laut. Kollegiale Nähe ließ er gerne zu, aber seine Krisen machte er mit sich selbst aus, bis zum Schluss. So ist er nun gegangen, viel zu früh. Unsere Gedanken bleiben bei ihm, unser Mitgefühl gilt seinen Hinterbliebenen.

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