Für zehn Millionen Euro Bremer Universum wird umgebaut

Bremen. Das Universum Bremen erfindet sich nach zehn Jahren komplett neu. Die Betreibergesellschaft um ihren Chef Carlo Petri will einen thematisch und inhaltlich radikalen Neuanfang wagen. Das walförmige Science Center soll im Winter/Frühjahr 2012 entkernt werden.
26.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Günther Hörbst

Bremen. Das Universum Bremen erfindet sich nach zehn Jahren komplett neu. Die Betreibergesellschaft um ihren Chef Carlo Petri will einen thematisch und inhaltlich radikalen Neuanfang wagen. Das walförmige Science Center soll im Winter/Frühjahr 2012 entkernt werden. Vor den Sommerferien, spätestens zu den Herbstferien 2012 soll dann die neue Ausstellung "Universum des menschlichen Lebens - Körper trifft Seele" eröffnet werden.

In der neuen Dauerausstellung sollen die Gegensätze des menschlichen Lebens und des Körpers in Universum-Machart, also vor allem interaktiv, den Besuchern nahe gebracht werden. "Wir planen eine Ausstellung, die den Besuchern das menschliche Leben im Spannungsfeld zwischen Extremen und über die Faszination von Gegensätzen nahe bringen will", sagt Petri. Die Gegensatzpaare sind: Mann/Frau, Groß/Klein, Anfang/Ende, Wachen/Schlafen, Kopf/Bauch. "Anschaulich und mit der Möglichkeit unzähliger Selbstversuche wollen wir das menschliche Leben in seiner Verschiedenartigkeit und Einzigartigkeit individuell erfahrbar machen", sagt er.

In den vergangenen Wochen war Petri mit seinen engsten Mitarbeitern unterwegs, um für das ambitionierte Projekt zu werben und weitere Unterstützer zu finden. Der Umbau wird rund neun bis zehn Millionen Euro kosten, sagt der Universum-Chef. Geld, das die Betreiberfirma Universum Management GmbH (UMG) nicht allein aufbringen kann. "Das Vorhaben wurde bisher sehr positiv aufgenommen. Deshalb sind wir sehr zuversichtlich, dass wir im August die Entwurfsplanung abschließen und danach sofort mit der Ausführung starten können."

Einen Vorgeschmack auf das, was dann zur geplanten Eröffnung des "neuen" Universum auf die Besucher zukommen wird, lässt sich jedoch schon ab kommender Woche bestaunen. Von Anfang März bis Ende August wird die Sonderausstellung "Kopfüber Herzwärts" in der Schaubox, dem Gebäude neben dem walförmigen Science-Center, zu sehen sein. Dabei können Besucher dem Rätsel des eigenen Ichs auf die Spur kommen und spielerisch den Körper erkunden, ein Kriechgang durch die Verdauungsorgane inklusive.

"Das Universum Bremen wird bis zur Entscheidung des Umbaus ganz normal weiterbetrieben", sagt Petri. Ab Winter 2012, wenn die 4000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche in dem Gebäude für das neue Projekt entkernt wird, würden die besten und beliebtesten Exponate aus der derzeitigen Ausstellung "Mensch, Erde, Kosmos" zunächst in das Gebäude der SchauBox überführt und anschließend mit einer 700 Quadratmeter großen Wanderausstellung auf Tour gehen. Geplant ist, die mobile Universum-Schau in deutschen Städten zu zeigen. Petri schließt aber nicht aus, dass die Tour später auch nach Österreich, in die Schweiz oder in die Niederlande führt.

Für ihn ist der radikale Umbruch wegweisend, die Neuausrichtung ohne Alternative Es gelte angesichts der enormen Informationsflut ein Leitthema zu besetzen und sich darüber eine Alleinstellung zu verschaffen, so Petri. Die demografische Entwicklung in der Gesellschaft zwinge zudem dazu, mehr Angebote auch für die älteren Menschen zu machen. Rund eine Million der 4,2 Millionen Besucher des Universums waren seit 2000 Schüler, der Rest zu einem Großteil Gäste im Familienverbund. Zudem lebe ein Ausstellungs- und Besucherort wie das Universum davon, ständig neue Formate und Unikate zu präsentieren, sich abzuheben von dem, was schon existiere.

Das, hofft der gebürtige Bremer, ist ihm mit der Lebens-Ausstellung gelungen. "Unseres Wissens hat es bislang noch keine Ausstellung zum menschlichen Leben gegeben, die den Besucher mit der zentralen Idee der Gegensätze des Lebens berühren will", sagt er. "Das wäre also wirklich neu." Dass es richtig ist, auf ein Leitthema einer Ausstellung zu setzen, davon ist der Universum-Chef überzeugt. Nicht zuletzt seit dem großen Erfolg des Klimahauses in Bremerhaven. Dort, sagt Petri, sei gerade die Präsentation der Verschiedenartigkeiten der jeweiligen Kultur- und Lebensräume auf dem 8. Längengrad eines der zentralen Erlebnisse, die viele Besucher beeindrucken und die das Thema Klima erst in vielen Aspekten erfahrbar werden lassen. Im ersten Jahr begeisterten sich rund 800000 Besucher für die Ausstellung "Klimahaus Bremerhaven 8 Grad Ost".

Petri plant noch weitere Attraktionen rund um das Universum Bremen. So soll unter dem Titel "Bewegende Körper in Bewegung" jedes Jahr rund um den Geburtstag des Universums am 9. September ein internationales Kunst- und Wissenschaftsfestival stattfinden. Die Veranstaltung soll eine Mischung aus Show, Vorführungen, Vorträgen, Theaterdarbietungen und Einlagen werden.

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