Größter Gabelstapler-Verleiher Deutschlands

Bremer Willenbrock-Gruppe setzt auf Digitalisierung

Mit rund 165 Millionen Euro Jahresumsatz ist die Bremer Willenbrock-Gruppe der größte deutsche Gabelstapler-Verleiher. Seit zwei Jahren leitet Ralf Dingeldein die Firma, die er nun noch größer machen will.
20.03.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Bremer Willenbrock-Gruppe setzt auf Digitalisierung
Von Maren Beneke

Mit rund 165 Millionen Euro Jahresumsatz ist die Bremer Willenbrock-Gruppe der größte deutsche Gabelstapler-Verleiher. Seit zwei Jahren leitet Ralf Dingeldein die Firma, die er nun noch größer machen will.

Ralf Dingeldein ist einer jener Menschen, denen die Ziele gar nicht hoch genug gesteckt sein können. Innerhalb von nur drei Monaten Vorbereitungszeit einen Bergmarathon laufen? Kein Problem. Nach jahrelangem Angestelltendasein die Seite wechseln und geschäftsführender Gesellschafter eines mittelständischen Unternehmens werden? Ebenfalls kein Thema. Und den Marktanteil dieser erfolgsverwöhnten Firma in den kommenden fünf Jahren noch einmal deutlich steigern? Eine Herausforderung – das gibt Dingeldein frei heraus zu. „Aber man muss sich hohe Ziele setzen.“

Gut zwei Jahre ist es her, dass Dingeldein die Leitung der Bremer Willenbrock-Gruppe übernommen hat. Seither hat sich viel getan bei dem Mittelständler. Natürlich, der Fokus liegt nach wie vor auf dem Vertrieb von Gabelstaplern und deren Ersatzteilen sowie sämtlichen Serviceleistungen rund um die Fahrzeuge. Und auch die Kunden haben es zumeist mit denselben Willenbrock-Mitarbeitern zu tun, wie vor dem Wechsel. Denn die Fluktuation im Unternehmen ist, so Dingeldein, extrem niedrig. Was nach außen hin indes vielleicht nicht unbedingt durchdringt, ist, dass der neue Chef versucht, eine neue Unternehmenskultur einzuführen.

"Ich habe nicht den Anspruch, alles zu wissen"

Dingeldein ist ein Fan von flachen Hierarchien. „In der heutigen Zeit“, sagt der 43-Jährige, „funktionieren hierarchisch durchgetaktete Organisationen ganz einfach nicht mehr.“ Dass die Kunden ihn bei Problemen auch mal direkt anrufen, findet er selbstverständlich. Ebenso wichtig ist für den zweifachen Familienvater, dass sich seine Mitarbeiter trauen, eine eigene Meinung zu vertreten und Widerspruch zu erzeugen. „Früher war die Firma sehr auf einen einzelnen Unternehmertypen und dessen Entscheidungen zugeschnitten“, sagt Dingeldein mit Blick auf Lutz Peper, der die Firma fast 30 Jahre geleitet hatte, bevor er seine Geschäftsanteile Ende 2013 an die Linde Material Handling GmbH verkaufte.

Dingeldein versteht seine Aufgabe als Geschäftsführer so: Er setzt die Rahmenbedingungen, versucht aber gleichzeitig, möglichst viele Aufgaben zu delegieren. „Ich habe nicht den Anspruch, alles zu wissen.“ Tauchen innerhalb des Unternehmens etwa Probleme auf, sollen die Angestellten eigene Lösungen finden. „So macht nicht nur die Arbeit mehr Spaß“, sagt der promovierte Wirtschafts-Ingenieur, auch die Identifikation mit der Firma würde steigen.

Digitalisierung steht im Mittelpunkt

Zudem gibt es seit Anfang vergangenen Jahres eine komplett neue Abteilung, die sich „Digitale Lösungen“ nennt. Viele Menschen, die die Visitenkarte der Abteilungsleiterin in die Hand bekommen, so erzählt Dingeldein, seien zunächst einmal überrascht. Denn als Berufsbezeichnung ist darauf der Titel „Digitale Überzeugungstäterin“ zu lesen. Was sich auf den ersten Blick vielleicht lustig liest, soll nach Wunsch des Chefs Programm im Unternehmen sein: Er will die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 voranbringen. So werden innerhalb des Unternehmens mittlerweile eigene Apps und Software-Programme entwickelt, mit denen die Willenbrock-Kunden alle möglichen Daten ihrer Gabelstapler abrufen können: Wer fährt die Fahrzeuge, wie werden sie genutzt oder wo befinden sie sich. Mit Hilfe dieser Daten sollen die Kunden die Stapler effizienter einsetzen können und so am Ende bestenfalls Kosten sparen.

Die wohl auffälligste Änderung war der Verkauf der Willenbrock Arbeitsbühnen GmbH Ende 2014. Als die Tochter 2008 gegründet wurde, habe man sich Synergien durch das doppelte Angebot versprochen: Wer einen Gabelstapler kauft, so die Hoffnung, kann auch Arbeitsbühnen gebrauchen. „Ich bin zu einer etwas anderen Einschätzung gekommen“, sagt Dingeldein. Die Konsequenz: Die Düsseldorfer Gerken GmbH übernahm das Willenbrock-Tochterunternehmen, gut 60 Mitarbeiter waren von den Umstrukturierungen betroffen.

500 Mitarbeiter in Bremen, Hannover und Braunschweig

An der Gesamtzahl der Willenbrock-Angestellten hat sich bis heute dennoch wenig verändert. Etwa 500 Mitarbeiter sind an den Standorten Bremen, Hannover und Braunschweig für das Unternehmen tätig, allein in der Hansestadt sind es mehr als 300. Um weitere Fachkräfte für den Mittelständler zu begeistern, ist Dingeldein zuletzt einen ungewöhnlichen Weg gegangen: Mitarbeiterwerbung per Whatsapp. Per Kurznachricht haben Angestellte ihre Kontakte auf freie Stellen im Unternehmen aufmerksam gemacht. Mittlerweile sind fast alle offenen Stellen besetzt. „Aber ich bin immer auf der Suche nach qualifiziertem Personal“, sagt Dingeldein.

Denn das Unternehmen ist nach wie vor auf Wachstumskurs. 2014 und 2015 waren zwei Rekordjahre, so viel verrät Dingeldein. Die Firma kommt auf einen Jahresumsatz von etwa 165 Millionen Euro. Mehr Zahlen darf er nicht preisgeben. So hat es die Kion-Gruppe, zu der Linde und damit auch Willenbrock gehört, bestimmt. „Schade eigentlich“, sagt Dingeldein, „denn mit den Geschäften der beiden vergangenen Jahre sind wir sehr zufrieden.“ So zufrieden, dass der Geschäftsführer nun noch einen Schritt weitergeht: Er steigt mit Eigenkapital in das Unternehmen ein, spätestens im Sommer, so hofft Dingeldein, wird er sich geschäftsführender Gesellschafter nennen dürfen. „Auf diese Weise kann ich ein Stück weit meine Verbundenheit zum Unternehmen ausdrücken.“ Besonders gefreut habe ihn die Reaktion der Mitarbeiter auf diese Nachricht: Nicht etwa zustimmendes Kopfnicken habe er geerntet, sondern minutenlangen Applaus. „Wir sind schnell miteinander warm geworden.“

"Ich sehe noch großes Potenzial am Markt"

Mit einer Mietflotte von 1600 Gabelstaplern ist Willenbrock Fördertechnik nach eigenen Angaben der größte Verleiher in Deutschland. Hinzu kommen 2400 neue und mehr als 2000 gebrauchte Fahrzeuge, die das Unternehmen pro Jahr absetzt. Den Gesamtmarkt bei Neufahrzeugen beziffert Dingeldein aktuell auf etwa 80.000 Gabelstapler, das jährliche Wachstumspotenzial zwischen drei und fünf Prozent. „Für uns sehe ich noch großes Potenzial im Markt“, sagt Dingeldein, der zuvor für Linde, Kion und McKinsey gearbeitet hat.

Die Arbeit mache ihm sehr viel Spaß. In Sekundenschnelle zählt der Willenbrock-Chef auf, was die Firma für ihn ausmacht: eine starke Marke, Innovationsführerschaft, eine großartige Technik, die gesamte Produktpalette an Gabelstaplern, aber auch die Mitarbeiter, die Unternehmenskultur und natürlich Verantwortung. Auch wenn seine Frau und die beiden Töchter nach wie vor in der Nähe von Frankfurt am Main leben, fühlt sich der 43-Jährige mittlerweile in Bremen heimisch, er wohnt in Schwachhausen und hat einen Motorbootführerschein gemacht.

An der Wand in seinem Büro lehnt allerdings ein Gegenstand, der so gar nichts mit Gabelstaplern oder der Hansestadt zu tun hat: ein mehr als ein Meter hoher Kampfschild, der in den 1970er-Jahren vom Stamm der Asmat auf Papua-Neuguinea geschnitzt wurde. Sein Vater sei früher viel in der Region unterwegs gewesen, außerdem sei er in jenem Jahrzehnt geboren worden, klärt Dingeldein auf. „Der Schild soll mich an meine Wurzeln erinnern“. Und natürlich daran, dass es sich lohnt, für seine Ziele zu kämpfen – und seien diese noch so hoch gesteckt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+