Verwaltung verschickt falsche Schulbescheide

Briefchaos bei Bildungsbehörde

Bremen. Beim Versenden der Schulbescheide ist in der Bildungsbehörde eine Datenpanne passiert. Mehr als 50 Familien bekamen Rücksendeformulare geschickt, auf denen persönliche Daten fremder Kinder standen.
12.03.2013, 08:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Julia Frese
Briefchaos bei Bildungsbehörde

Ulrike Tisborn und Tochter Marie haben das Rücksendeformular für Paula Tessmer (links) erhalten. Mit Mutter Ilona Tessmer holte sich die Viertklässlerin ihr Formular bei den Tisborns
ab.

Photo, Christina Kuhaupt

Bremen. Beim Versenden der Schulbescheide ist in der Bildungsbehörde eine Datenpanne passiert. Mehr als 50 Familien bekamen Rücksendeformulare geschickt, auf denen persönliche Daten fremder Kinder standen. Die Bildungsbehörde begründet das Briefchaos mit einem technischen Fehler an einer Sortiermaschine.

Am Sonnabendmorgen lag bei Familie Tisborn endlich der wochenlang erwartete Bescheid der Bildungsbehörde im Briefkasten. Mutter Ulrike und Tochter Marie setzten sich an den Küchentisch und öffneten gemeinsam das Schreiben, das mitteilen würde, auf welche weiterführende Schule die Viertklässlerin aus der Bremer Neustadt gehen darf. Doch als Ulrike Tisborn die beiden beschriebenen Seiten aus dem Umschlag genommen und gemeinsam mit ihrer Tochter durchgelesen hatte, waren beide vor allem eins: verwirrt.

„Auf dem ersten Blatt stand zwar, dass meine Tochter auf das Gymnasium Hamburger Straße gehen kann“, erzählt Ulrike Tisborn. „Aber auf dem Blatt, das man zur Bestätigung zurückschicken soll, waren Name und Adresse einer Paula Tessmer zu finden.“ Deren Mutter wiederum hielt etwa zur selben Zeit in einem anderen Teil der Stadt einen ähnlich undurchsichtigen Bescheid der Bildungsbehörde in der Hand. Diesmal war das Rücksendeformular für einen Jungen namens Hannes vorgesehen, nicht aber für Tochter Paula. Insgesamt ging es am Sonnabend noch 50 weiteren Familien in ganz Bremen wie den Tessmers und den Tisborns.

Einige Eltern nahmen daraufhin die Zustellung der Rücksendeformulare selbst in die Hand. Ilona Tessmer fuhr mit ihrer Tochter zu den Tisborns, um ihr Formular dort abzuholen. „Vielleicht wollte die Behörde erreichen, dass die Eltern sich schon mal kennenlernen“, sagt Tisborn und lacht. Von anderen Eltern habe sie erfahren, dass diese ebenfalls quer durch die Stadt gekurvt seien, um sich den fehlenden Teil ihres Schulbescheids nachträglich zu beschaffen. Offenbar seien nur Eltern betroffen gewesen, deren Kinder sowohl eine private als auch eine Schule in freier Trägerschaft unter ihren Wünschen gehabt hätten.

„Die Sache ist uns sehr unangenehm“, sagt Christina Selzer, Sprecherin der Bildungsbehörde gestern zu dem Briefchaos. Bereits den gesamten Sonnabend und Sonntag über seien Mitarbeiter der Behörde damit beschäftigt gewesen, die Empfänger der fehlerhaften Schreiben anzurufen, um sich bei Ihnen zu entschuldigen. „Eigentlich waren wir froh, dass wir trotz der Grippewelle rechtzeitig mit den Bescheiden fertig geworden sind“, sagt Selzer. Der Fehler sei beim Einsortieren in die Umschläge passiert. Die 4000 verschickten Bescheide seien von zwei getrennten Stapeln maschinell in Umschläge gepackt worden, erklärt Selzer. Offenbar habe dabei eine der Maschinen zwei statt einem Blatt Papier aufgenommen und alles durcheinandergebracht. Genaueres will die Behörde nun in einer Analyse herausfinden. Bisher sei ein solcher Fall noch nicht vorgekommen.

„Das ist in der Tat eine Datenpanne, die nicht passieren sollte“, kritisiert Imke Sommer, Landesbeauftragte für Datenschutz. Allerdings habe das Krisenmanagement der Bildungsbehörde funktioniert: „Die Behörde hat sehr gut reagiert, indem sie uns sofort informiert und die betroffenen Familien telefonisch kontaktiert hat.“ Es gelte nun sicherzustellen, ob tatsächlich nur Eltern, die ohnehin auf einen Bescheid warteten, eines der fehlerhaften Schreiben erhalten hätten oder auch völlig Unbeteiligte. Im ersteren Fall sei der Fehler als deutlich weniger schlimm zu bewerten, sagt Sommer. Es sei nun zunächst einmal wichtig, jeden einzelnen Fall zu prüfen und herauszufinden, an welcher Stelle genau die Technik versagt habe.

Andrea Spude, die Vorsitzende des Zentralelternbeirats Bremen, hält den Fall für „datenschutzrechtlich bedenklich“. Zusätzlich weist sie auf die emotionale Belastung hin, die für die Schüler entstanden sei. Die hätten schließlich nach langer Zeit des Wartens endlich Klarheit verdient gehabt: „Stattdessen haben die Bescheide für große Verwirrung gesorgt.“ Das bestätigt auch Ilona Tessmer: „Meine Tochter war in dem Moment, als der falsche Brief kam, schon sehr wütend und traurig.“

Die Bildungsbehörde wird in der nächsten Woche alle 52 fehlerhaften Bescheide ein zweites Mal verschicken. Diesmal will sie sich bemühen, die Rücksendeformulare richtig zuzuordnen.

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